Stormarn
Mordprozess

Angeklagter beteuert: „Ich wollte sie nicht töten“

Die I. Große Strafkammer des Lübecker Landgerichts: der Vorsitzende Richter Christian Singelmann mit den beisitzenden Richterinnen Martina Fock (l.) und Beate Sager, daneben die Schöffen, links der Verteidiger Frank-Eckhard Brand.

Die I. Große Strafkammer des Lübecker Landgerichts: der Vorsitzende Richter Christian Singelmann mit den beisitzenden Richterinnen Martina Fock (l.) und Beate Sager, daneben die Schöffen, links der Verteidiger Frank-Eckhard Brand.

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Oldesloerin kann sich und ihren Sohn aus brennenden Haus retten. 29-Jähriger steht vor Gericht. Er beteuert seine Unschuld.

Bad Oldesloe/Lübeck.  Seine Augen sind rot unterlaufen. Seine Stimme zittert. Immer wieder muss er schlucken. Thomas W. (Name geändert) ist die Anspannung deutlich anzusehen, als er auch am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht in Lübeck seine Unschuld beteuert. „Ich möchte nicht, dass Sie mich für einen Menschen halten, der ich nicht bin“, sagt der 29-Jährige, der wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung vor der I. Großen Strafkammer angeklagt ist. „Ich bin kein Psychopath oder Monster. Das, was mir vorgeworfen wird, stimmt einfach nicht“, sagt der Angeklagte und bezeichnet die ihm angelastete Tat als abscheulich und moralisch verwerflich.

Laut Anklage soll er Ende Mai in Bad Oldesloe das Haus angezündet haben, in dem seine schwangere Ex-Freundin und ihr sieben Jahre alter Sohn schliefen. „Ich liebe sie. Und auch wenn es nicht mein eigener Sohn ist – in meinem Herzen ist er es“, beteuert W. vor Gericht. Doch ist der schmächtige Mann mit den auffällig hohen Wangenknochen tatsächlich unschuldig?

Brandermittler schließen technischen Defekt nicht aus

Eine Antwort könnten Spuren am Tatort geben. Oder Zeugen, wie ein Brandermittler der Oldesloer Kripo. Der Beamte (48) hat die Brandstelle untersucht. Anhand der Fotos erklärt der Polizist dem Gericht, wo der Brand entstanden sein muss. „Hier ist die Brandzehrung stärker ausgeprägt“, sagt er und tippt mit dem Finger auf ein Foto, das in dem Raum aufgenommen wurde, der mal der Wintergarten war. Dass sich das Feuer von außen in den Wintergarten übertragen habe, schließe er aufgrund des Spurenbildes aus. Er erläutert dem Gericht zudem die weitere Vorgehensweise der Ermittlungen. Bei der Suche nach der Brandursache kämen Messgeräte zum Einsatz, die Dämpfe von Brandbeschleuniger erfassen. „Schaufelweise haben wir den Bauschutt untersucht“, sagt der Polizist. Doch einen eindeutigen Nachweis gab es nicht. So kam der Ermittler in seinem Bericht zu dem Ergebnis, dass ein technischer Defekt nicht ausgeschlossen werden kann.

Gegen Thomas W. spricht allerdings, dass eine Zeugin ihn kurz vor dem Brand mit einer Tasche und einem Kindersitz vom Tatort weglaufen sah. Auch die Auswertung des Fahrtenschreibers zeigt, dass W. am Tattag zwischen 4.10 Uhr und 4.39 Uhr mit seinem Lastwagen unterwegs war. Der 29-Jährige arbeitet für ein Entsorgungsunternehmen für Schlachtabfälle. Zwischen 4.40 Uhr und 4.45 Uhr stand das Fahrzeug. Nur 15 Minuten später wird der Brand entdeckt. Mutter und Kind können sich selbst durch ein Fenster ins Freie retten, bleiben unverletzt.

Nur wenige Stunden später kommt Thomas W. zur Polizei in Bad Oldesloe und möchte wissen, was mit seiner Ex-Freundin passiert ist. „Bei der Vernehmung brach er immer wieder in Tränen aus, nachdem wir ihm den Tatvorwurf erläuterten“ erinnert sich ein Beamter der Mordkommission: „Dabei beteuerte er immer wieder seine Unschuld.“ Er habe gesagt, nicht am Brandort gewesen zu sein. Diese Meinung ändert der Angeklagte nur zwei Wochen später. „Da sagte er, dass er doch dort war und eine Tasche mit seinen Sachen und einen Kindersitz, den er auf dem Flohmarkt gekauft hatte, mitgenommen hat.“

Aufklärung erhofft sich das Gericht von weiteren Zeugen, die bei der nächsten Verhandlung am 30. Januar gehört werden sollen.