Stormarn
Integration

Flüchtlinge haben Probleme bei der Wohnungssuche

Jamal Chahoud und seine Frau Dalia Salo warten im Foyer des Ahrensburger Rathauses auf einen Termin. Noch leben sie in einer von der Stadt angemieteten Wohnung

Jamal Chahoud und seine Frau Dalia Salo warten im Foyer des Ahrensburger Rathauses auf einen Termin. Noch leben sie in einer von der Stadt angemieteten Wohnung

Foto: Sebastian Knorr / HA

Jamal Chahoud kam mit der Familie 2016 aus Syrien und hat einen Job. In Ahrensburg möchte er eine Wohnung mieten, findet aber nichts.

Ahrensburg.  Dalia Salo (33) und Jamal Chahoud (41) stehen im Foyer des Ahrensburger Rathauses. Hier wartet das syrische Paar auf einen Termin. Eigentlich jedoch auf ein Wunder, das in ihrem Fall die ersten eigenen vier Wände in Deutschland bedeutet. Seit einem Jahr ist die Familie in der Schlossstadt auf Wohnungssuche – ohne Erfolg.

Ihre Ansprüche sind denkbar gering. Sie möchten eine Wohnung für zwei Erwachsene und vier Kinder in Ahrensburg. Die Größe spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Die Miete müsste sich von einem Gehalt als Monteur und einem Zuschuss vom Jobcenter bezahlen lassen. Dass die Familie auf dem Stormarner Wohnungsmarkt allerdings nichts findet, ist kein Einzelfall. Wie berichtet, ist der Mangel an bezahlbaren Wohnungen derzeit eine der größten Herausforderungen der Flüchtlinge im Kreis.

In größeren Städten ist die Suche besonders schwer

Während sich wegen des Rückgangs der Flüchtlingszahlen die Belegungssituation in Erstaufnahmeeinrichtungen und zentralen Unterkünften entspannt hat, sind heute bezahlbare Mietobjekte unter anerkannten Flüchtlingen besonders gefragt. Auf dem privaten Wohnungsmarkt haben sie allerdings kaum eine Chance. Denn einerseits gibt es schlicht zu wenig bezahlbare Wohnungen im Kreis. Besonders schwer, eine Bleibe zu finden, ist es in den größeren Städten und im Süden, der wegen der Nähe zu Hamburg gefragt ist. Andererseits kommen Vorurteile von Vermietern erschwerend hinzu.

Vor zwei Jahren kamen Dalia Salo und Jamal Chahoud sowie ihre vier Kinder aus Syrien nach Deutschland. Mittlerweile ist die Familie angekommen: Der Nachwuchs im Alter von 17, 16, zehn und acht Jahren geht hier zur Schule. Die Mutter kümmert sich um den Haushalt, Jamal Chahoud arbeitet als Monteur bei der Firma Stock in Siek und hat einen unbefristeten Job. Außerdem engagiert er sich bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Auf Anschreiben gibt es häufig keine Antwort der Vermieter

„Mehr Integration geht nicht“, sagt Joachim Eschke. Er steht der syrischen Familie gemeinsam mit seiner Frau Gudrun Probst-Eschke als Flüchtlingspate zur Seite. Dalia Salo und Jamal Chahoud sprechen beide gut Deutsch, können sich flüssig in ihrer neuen Umgebung unterhalten. „Wir sind immer rausgegangen, haben uns nicht ausgeruht“, sagt Chahoud. Besonders stolz ist er auf seinen Arbeitsplatz: „Ich habe gehört, es ist hier als Flüchtling schwierig, einen Job zu bekommen. Aber ich habe einen gefunden.“

Nach dem Einstieg in den Arbeitsmarkt ist das Finden einer passenden Wohnung die wohl letzte große Hürde, die es für die Familie zu nehmen gilt. Derzeit steht sie in Deutschland unter subsidiärem Schutz (siehe unten). Gerade erst wurde ihr Aufenthaltsstatus um zwei Jahre verlängert. Das bedeutet: Sie darf und muss eigentlich eine Wohnung auf dem freien Markt finden. Soviel zur Theorie. Die Realität gestaltet sich anders.

Die Rückkehr nach Syrien ist für die Familie keine Option

Denn die Familie wohnt – wie viele Flüchtlinge im Kreis – auch nach Anerkennung noch in einer von der Kommune angemieteten Wohnung. Diese sei zwar soweit gut, sagt Chahoud. Die Sache ist aber nur befristet. Dass diese Bleibe nur eine Zwischenlösung ist, darüber sind sich Stadt und Familie einig. „Die Stadt kommt uns sehr entgegen“, sagt Chahoud, der gerne mit seiner Familie in Ahrensburg bleiben will.

Über eine Rückkehr nach Syrien denke die Familie derzeit nicht nach. „Die ersten Jahre in Deutschland waren sehr schwierig, auch für die Kinder“, so Chahoud. „Jetzt haben wir hier alle einen Platz gefunden, sind gerade erst richtig angekommen.“ Hinzu komme die unsichere Lage im Heimatland.

Chahoud ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen

Weil die Rückkehr keine Option ist, muss die Familie also eine Wohnung suchen. Und das ist mühsam. „Das Problem ist, dass sie häufig keine Antwort auf Anfragen bekommt“, sagt Flüchtlingspatin Gudrun Probst-Eschke. „Die Familie kann nicht mal zeigen, wie sehr sie bereits in Deutschland integriert ist.“ Probst-Eschke ist in der Lokalpolitik für die SPD aktiv, kennt auch daher die schwierige Lage auf dem Markt.

Die Wohnungsvermittlung über das Internet macht es den Flüchtlingen auch nicht leichter. Bei den Inseraten im Netz stehe heute nicht mal mehr eine Telefonnummer, sagt Joachim Eschke. „Bei einer schriftlichen Bewerbung haben Familien wie die von Dalia Salo und Jamal Chahoud aber kaum eine Chance.“

Da Chahoud bei der Freiwilligen Feuerwehr in Ahrensburg und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, möchte er auch nicht im Umland wohnen. „Die Kameraden bei der Feuerwehr haben gesagt, sie brauchen mich“, sagt der Syrer. „Wie soll ich denn sonst zur Wache kommen?“ Sie hoffe, dass sich jemand bei Ihnen meldet, der das Abendblatt liest, sagt Dalia Salo. „Andere Familien haben auch eine Wohnung in Ahrensburg gefunden“, ergänzt Jamal Chahoud, der sich müht, die nächste große Hürde zu nehmen.

Wer ein passendes Mietobjekt kennt, kann sich unter der E-Mail-Adresse Paten@fkfa.de an den Freundeskreis für Flüchtlinge wenden, Angebote werden weitergeleitet