Stormarn
Hilferuf

Stormarn: Tierheime im Kreis sind in Finanznot

Heike Reher, Vorstandsvorsitzende vom Tierheim Bad Oldesloe, will mehr Geld von Kommunen

Heike Reher, Vorstandsvorsitzende vom Tierheim Bad Oldesloe, will mehr Geld von Kommunen

Foto: Melissa Jahn

Einrichtung in Bad Oldesloe denkt über Schließung nach. In Reinbek herrscht Platzmangel. Hilferuf an Städte und Gemeinden.

Bad Oldesloe.  Noch drei Jahre hat das Tierheim in Bad Oldesloe Zeit: Dann sind die finanziellen Rücklagen aufgebraucht. Genauso wie viele solcher Häuser in Schleswig-Holstein ist auch jenes in Stormarn von der Schließung bedroht. Einrichtungen in Reinbek und Großhansdorf leiden ebenfalls unter den gestiegenen Kosten für Lohn, Tierarztbehandlungen und Medikamente, öffentliche Gelder und Spenden können diese schon lange nicht mehr auffangen. Um ihre Zukunft zu sichern, müssen die Tierschützer in Bad Oldesloe in diesem Jahr mit den Kommunen nachverhandeln. Sie sind für die Kreisstadt, Reinfeld sowie die Ämter Nordstormarn, Bad Oldesloe-Land und Sandesneben-Nusse zuständig.

Über Weihnachten wurde hierzulande wieder viel geschenkt. Leerer geworden ist es in dem Oldesloer Tierheim jedoch nicht. Rund um die Festtage gibt es hier eine Ausgabesperre, denn die Übernahme eines Haustieres muss gut abgewägt werden und in die Lebenssituation passen. Damit wollten die Mitarbeiter verhindern, dass sie die Tiere bereits wenige Tage später erneut in Empfang nehmen müssen. Wer sich nicht ausreichend über sein künftiges Haustier informiere, könne ihm kein geeignetes Heim bieten, sagt Heike Reher, Vorsitzende des Tierschutzvereins Bad Oldesloe.

Bis zu 700 Tiere pro Jahr in Bad Oldesloe untergebracht

50 Katzen, 14 Igel, zehn Hunde und Kleintiere leben zurzeit in den zum Teil 60 Jahre alten Käfigen. Mit wärmenden Rotlichtlampen und Rindenmulch für den Auslaufbereich der Hunde versuchen die Mitarbeiter, ihren Schützlingen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. 500 bis 700 Tiere durchlaufen das Heim pro Jahr. Zwei bis drei Monate dauert es im Schnitt, bis sie weitervermittelt werden können.

Im Unterschied zu Tierauffangstationen in Spanien oder Portugal dürfen alle Vierbeiner unbegrenzt bleiben. Eine Ausnahme wird bei einer konkreten Gefährdung der Mitarbeiter oder einer starken Verletzung der Tiere gemacht. „Hier entscheidet eine sogenannte Ethikkommission des Tierheims über den Fall“, sagt Reher.

Die Reserven seien bald aufgebraucht

Das Engagement kostet viel Geld. Kranke Tiere werden auch bei hohen Arztrechnungen aufwendig versorgt und gepflegt. „Wir hatten gerade eine junge Katze, die für 2000 Euro operiert werden musste“, erzählt die 57-Jährige. „Das Geld können wir im Moment noch durch eine größere Erbschaft zahlen.“

Die Reserven sind bald aufgebraucht. Nach eigenen Angaben macht das Tierheim im Jahr ein Minus von 30.000 Euro. Nicht nur die Kosten für den Tierarzt, sondern auch die für Medikamente sind laut Reher in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Hinzu käme der Mindestlohn bei den Mitarbeitern. Ausschließlich mit freiwilligen Helfern sei die Arbeit jedoch nicht auffangbar. „Von zehn Interessierten bleibt uns statistisch am Ende eine halbe Kraft erhalten.“

40 Euro sind für Impfung und Registrierung zu wenig

Zu den Ehrenamtlern zählt Elke Mathias (74). Seit neun Jahren kommt die Rentnerin jeden Freitagvormittag ins Tierheim, putzt alles gründlich und versorgt die Bewohner – obwohl sie zu Hause mit zwei eigenen Hunden und zwei Katzen genug zu tun hat. „Ich liebe Tiere und weiß, dass hier Hilfe gebraucht wird“, sagt Mathias. „Beruhigt gehe ich erst nach Hause, wenn alles erledigt ist.“

Ob Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde oder Ziervögel – Gründe gebe es einige, um das einst geliebte Haustier im Heim abzugeben, so Reher. Sie schätzt, dass die Hälfte aller Fundtiere von jenen Menschen abgegeben werden, die Besitzer sind und es verschweigen. Denn für die Unterbringung im Heim müssen Frauchen oder Herrchen einmalig 40 Euro zahlen. Damit sind die Kosten für Impfungen und die Registrierung der Hunde mit einem Mikrochip jedoch lange nicht gedeckt.

Reher: „Wir müssen dringen neue Gespräche führen“

Problematisch, sagt Reher, sei auch die Abrechnung mit den Kommunen. Die Aufnahme der Fundtiere ist grundsätzlich eine Aufgabe der Gemeinden. Da ein Fundbüro jedoch nicht für Tiere geeignet ist, übertragen die Kommunen diese Aufgabe an die Tierheime und zahlen ihnen pro Tier für genau 28 Tage, obwohl diese fiktive Verweildauer laut Reher nicht realistisch ist. 2014 kündigte sie bereits die Schließung des Heims an: „In den Nachverhandlungen konnten wir ein anderes Bezahlmodell erwirken. Es richtet sich nach der Einwohnerzahl der Kommunen.“ Trotzdem: Von den 62.000 Euro könne nur ein Teil der Ausgaben in Höhe von 211.000 Euro gedeckt werden. „Wir müssen dringend neue Gespräche führen“, so Reher. „Sonst ist bald Schluss.“

Ähnliche Probleme kennen auch die Tierheime in Reinbek und Großhansdorf. Karen Schönbrodt vom Reinbeker Verein Einhorn musste ebenfalls mit der Stadt verhandeln. Sie sagt: „Wir bekommen in diesem Jahr mehr Geld, obwohl wir den Vertrag noch nicht unterzeichnet haben.“ Jetzt soll zum ersten Mal einen festangestellte Kraft installiert werden. Das Tierheim kommt an seine Grenzen. 70 Tiere leben in Räumen, die ursprünglich für bis zu 50 Tiere gedacht waren.

Reinbeker Verein macht bis zu 20.000 Euro Minus im Jahr

Zwischen 15.000 und 20.000 Euro Minus machte der Verein seit 2015 pro Jahr. „Die Einstellung hat sich gegenüber den Haustieren geändert“, sagt Schönbrodt. „Viele Menschen übernehmen nicht mehr genügend Verantwortung und geben ihre Tiere ab. Zudem sorgt das Internet für schnellen Ersatz.“ Ansätze, in der Einrichtung zu sparen, gebe es nicht mehr. Schon lange werden die Arbeiten von Ehrenamtlichen ausgeführt. „Es geht bei uns ans Eingemachte“, sagt die Tierschützerin. „In Zukunft müssen wir mehr Helfer auf die Straße schicken, die um Geld betteln gehen.“ Auf Spenden seien alle Tierheime angewiesen. Ideal seien Patenschaften, die eine regelmäßige Unterstützung gewährleisten.

Auf diese Unterstützung hofft Oldesloes Vereinschefin Heike Reher ebenfalls – und auf positive Ergebnisse bei den Verhandlungen mit den Kommunen. „Für die Gemeinden ist es günstiger, die Abgaben für das Tierheim zu erhöhen, als eigene Räumlichkeiten und Personal bereitzustellen“, sagt Reher. „Und auch aus der Bevölkerung kann jeder helfen, auch wenn der Beitrag noch so klein ist.“