Stormarn
Anklage

Wollte Ex-Freund schwangere Oldesloerin töten?

Bei einem Feuer am Pölitzer Weg wurden am frühen Mittwochmorgen eine Mutter und ihr Kind verletzt. Nach einer Erstversorgung durch den Rettungsdienst wurden beide mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Bei einem Feuer am Pölitzer Weg wurden am frühen Mittwochmorgen eine Mutter und ihr Kind verletzt. Nach einer Erstversorgung durch den Rettungsdienst wurden beide mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Foto: rtn, peter wuest / rtn

Staatsanwaltschaft klagt 29-Jährigen wegen Mordversuchs an. Er soll Wintergarten am Haus seiner früheren Partnerin angezündet haben.

Bad Oldesloe/Lübeck.  Es ist der 31. Mai 2017, als Thomas W. (Name geändert) vor dem Oldesloer Polizeirevier auf und ab geht. Er raucht eine Zigarette nach der anderen. „Bis mir schlecht wurde“, berichtet er später vor Gericht. Irgendwann kommt ein Beamter und bittet den 29-Jährigen in die Wache. Der Polizist hat ihn bereits als Tatverdächtigen identifiziert.

Für Thomas W. könnte das für lange Zeit der letzte Tag in Freiheit gewesen sein. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt in Lübeck. Der Vorwurf: Einige Stunden vor seiner Festnahme soll der Segeberger den Wintergarten seiner Ex-Freundin angezündet haben, um sie und deren Sohn zu töten. Einen Abend zuvor gab es zwischen dem Paar einen heftigen Streit mit Drohungen und Beschimpfungen. Es endete mit der Trennung. Am nächsten Morgen sollte W. seine Sachen abholen.

Eindeutige Beweise fehlen, der Fall ist schwierig

Doch statt den Bruch zu akzeptieren, fasste W. offenbar den Entschluss, den Brand im Wintergarten zu legen. So zumindest sieht es die Staatsanwaltschaft und hat Anklage wegen schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes erhoben. Der Mordvorwurf stützt sich auf die Brandlegung als gemeingefährliches Mittel und Heimtücke. „Dem Angeklagten war bewusst, dass seine zu dem Zeitpunkt schwangere Ex-Freundin und deren siebenjähriger Sohn sich schlafend in dem Haus aufhielten“, heißt es in der Anklageschrift. Nur mit Glück konnten sich Mutter und Kind unverletzt aus dem brennenden Gebäude retten. Das Landgericht hat das Verfahren wegen eines versuchten Totschlags eröffnet. Sollte es zu einer Verurteilung wegen Mordversuchs kommen, drohen dem Angeklagten viele Jahre in Haft oder sogar lebenslänglich.

Es ist ein schwieriger Fall. Es gibt keine eindeutigen Beweise, dass Thomas W. das Feuer absichtlich gelegt hat. Er bestreitet die Tat: „Ich war das nicht, nie würde ich ihr oder meinem Sohn etwas antun.“ Es ist nicht sein leibliches Kind. Als dessen Vater sieht er sich trotzdem. Seine Unschuld beteuert der 29-Jährige Vater von zwei leiblichen Kindern am zweiten Verhandlungstag vor Richter Christian Singelmann immer wieder. Mehrmals bricht W. in Tränen aus, als er von den Ereignissen am Tag des Feuers erzählt. Alles nur ein Schauspiel? Wenn ja, dann ein gutes.

Polizist vermutete schnell, dass das Feuer gelegt wurde

Bereits kurz nach dem Feuer sprach laut Polizei alles gegen einen technischen Defekt. Als einer der ersten Beamten war Polizeiobermeister Sebastian Strunk vor Ort, kurz nach den Kollegen vom Autobahnrevier: „Es war eine enorme Qualmentwicklung“, sagt der Polizist als Zeuge vor Gericht aus. Nachdem er und sein Partner die umliegenden Gebäude evakuiert hatten, nahm Strunk die Zeugenaussage der Bewohnerin auf. „Da ein Feuer in einem Wintergarten eher unüblich ist, haben wir gleich in Betracht gezogen, dass es eine Fremdeinwirkung gegeben haben könnte“, sagt der 33-Jährige. Bei der Vernehmung habe Karin D. dann von dem Streit am Vorabend berichtet und die Frage, ob sie ihrem Ex-Freund die Tat zutrauen würde, sofort bejaht.

Das Paar lernte sich im August 2015 kennen. Zu der Zeit lebte Thomas W. in einem Wohnwagen. Nur zwei Monate später zog er bei Karin D. ein – damals noch in einer anderen Wohnung. Ihren Sohn behandelte er wie seinen eigenen. Lange Zeit ging alles gut. Irgendwann begannen die Streitereien.

Das Paar zog dann für kurze Zeit in ein Haus an der Hamburger Straße, bis ihnen der Vermieter wegen ausstehender Zahlungen kündigte. Dann hätten beide, so behauptet es der Angeklagte, noch zusammen nach einer Wohnung gesucht, wurden aber nicht fündig. Karin D. bezog daraufhin allein das Haus im Pölitzer Weg in Bad Oldesloe, er zog in den Nachbarkreis.

Angeklagter sagt, Polizisten hätten ihn unter Druck gesetzt

„Getrennt waren wir aber nicht“, sagt der Angeklagte. Nicht, wie es in dem Vernehmungsprotokoll der Polizei stehe. Thomas W. erhebt schwere Vorwürfe gegen die ermittelnden Kriminalbeamten. Er sei bei der Vernehmung auf der Wache unter Druck gesetzt, Teile der Aussage seien ihm diktiert worden.

In seiner Aussage vor Gericht bestreitet W., das Feuer absichtlich gelegt zu haben. Mit seiner Ex-Freundin will er sich mittlerweile wieder versöhnt haben: „Sie glaubt an meine Unschuld und wartet auf mich.“ Er sieht sich zur falschen Zeit am falschen Ort. Wie er vor Gericht angibt, holte er – wie mit seiner Ex-Freundin verabredet – seine Sachen ab. Dabei habe er eine Zigarette ausgedrückt und die Kippe im Wintergarten entsorgt. Anschließend startete der Lastwagenfahrer seine Tour, legte gegen 8 Uhr eine Pause in Aumühle ein.

Immer wieder bricht der Beschuldigte in Tränen aus

Dann meldete sich sein Vorarbeiter, fragte, ob er von dem Feuer in Bad Oldesloe gehört habe. „Ich habe online auf meinem Handy einen Artikel gefunden und die Fotos gesehen“, sagt W. und fängt an zu weinen. Sofort habe er Panik bekommen und sich gefragt: „Was, wenn sie mich verdächtigen?“ Dann machte er sich auf den Weg zur Polizei.

Die Verhandlung gegen Thomas W. wird am Montag, 8. Januar, um 13.30 Uhr fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen im Prozess gehört werden.