Stormarn
Denkmal

Das lässt sich Ahrensburg sein Schloss kosten

Ahrensburger Schloss

Ahrensburger Schloss

Foto: Birgit Schücking

31.000 Besucher und 1,4 Millionen Euro Ertrag aus Stiftungskapital reichen nicht, um Ausgaben zu decken. Auch sind Zinsen zu niedrig.

Ahrensburg.  31.000 Besucher wollten es im Jahr 2016 sehen, 234 Paare ließen sich dort trauen. Es ist das Wahrzeichen der Stadt. Gemeint ist das 1585 von Graf Peter Rantzau erbaute Schloss Ahrensburg. Immerhin zwei Drittel seiner Kosten kann das Schloss aus den laufenden Einnahmen, Erträgen aus dem Stiftungskapital und Spenden erwirtschaften, wie Stiftungs-Geschäftsführerin Tatjana Ceynowa sagt. Den Rest schießt die Stadt auf Antrag als Zuwendung zu. Im vergangenen Jahr waren das 144.000 Euro. Ein Beitrag, der bisher unumstritten ist, aber jedes Jahr wieder die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung brauche, wie Ceynowa erklärt.

Gebäude und Park gehören gemeinnütziger Stiftung

Seit 2002 gehören das Schloss, sein Inventar und der umgebende Park einer gemeinnützigen Stiftung, die auch für den Betrieb des identitätsstiftenden Gebäudes verantwortlich zeichnet. Beteiligt sind neben der Stadt Ahrensburg der Kreis Stormarn, die Sparkasse Holstein und das Land, die sich schon vorher in Vereinsform um den Erhalt des Schlosses gekümmert haben.

„Ziel war es, das Gebäude so für die Ewigkeit zu erhalten“, sagt Michael Sarach, der als Bürgermeister kraft Amtes auch Stiftungsratsvorsitzender ist. Für Thomas Deistler von der Sparkasse Holstein „müsste das Stiftungskapital jedoch höher sein“. Er ist als Vorstand der Stiftung in Ahrensburg vom Fach, kümmert sich doch auch hauptberuflich um die Stiftungen der Sparkasse. Problematisch seien neben dem zu geringen Grundstock von 1,4 Millionen Euro auch die derzeit niedrigen Zinsen. Da die Stiftung mit ihrem Geld nicht spekulieren dürfe, eigneten sich zum Beispiel Rentenpapiere als Anlage, die heute nur noch weniger als zwei Prozent Rendite abwerfen.

Zustiftung nur bei ausgeglichenem Haushalt

Dass mehr Stiftungskapital notwendig ist, sieht auch Bürgermeister Sarach so. Er sagt jedoch mit Blick auf die städtischen Finanzen: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Denn nur wenn der Haushalt ausgeglichen ist, erlaubt die Kommunalaufsicht des Innenministeriums eine Zustiftung. Kämmerer Horst Kienel erklärt die Details: „Der Haushalt muss dazu in den zwei vergangenen Jahren, dem laufenden Jahr und in der Planung für die kommenden drei Jahre ausgeglichen sein.“

Vorteil daran, wie Stiftungsmanager Deistler sagt: „Die Sparkasse Holstein würde sich beteiligen und noch einmal die gleiche Summe zur Verfügung stellen.“ Insgesamt 600.000 Euro sind so in den vergangenen Jahren schon zusammengekommen, noch einmal die gleiche Summe sei von Sparkasse und Stadt eingeplant.

Erfreulich: Stiftung erbte eine Immobilie

Bürgermeister Sarach gibt zu: „Wir hatten mit mehr Zustiftungen von Privatleuten, Erbschaften und Unternehmen gerechnet.“ In diesem Jahr gibt es jedoch eine erfreuliche Neuigkeit. Die Stiftung hat eine Immobilie geerbt, deren Verkauf einen sechsstelligen Betrag einbringen dürfte, wie Thomas Deistler sagt. Vorteil der Gemeinnützigkeit: Schenkungen und Erbschaften bleiben steuerfrei.

Einen Beitrag, um die Kosten gering zu halten, leistet auch der Freundeskreis Schloss Ahrensburg , wie dessen Vorsitzender Wolfgang Schäfer sagt. Einziger Zweck des Vereins ist die Förderung und Belebung des Schlosses. So hat er zuletzt die Restauration des Corbeille-Sofas aus dem Gartensaal finanziert und stellt bei Aktionen wie dem „Schloss im Kerzenschein“ ehrenamtliches Personal zur Verfügung.

Unter dem Strich konnte die Stiftung im vergangenen Jahr Einnahmen von gut 487.000 Euro verbuchen, wovon allerdings gut 200.000 Euro auf den Zuschuss der Stadt und Spenden entfielen. Größte Einnahmeposten für das Schloss waren die Eintrittsgelder in das Museum (knapp 83.000 Euro). Trotz der Zinsflaute trug die Verwaltung des Vermögens noch mit etwas über 78.000 Euro zum Unterhalt bei. Durch Trauungen flossen der Stiftung gut 66.000 Euro und durch Spenden 56.000 Euro zu.

Höchsten Ausgaben fallen für Personal an

Auf der Ausgabeseite standen knapp 411.000 Euro. Größter Posten waren die Personalkosten, die mit mehr als 280.000 Euro zu Buche schlugen. Hinzu kamen rund 30.000 Euro Verwaltungskosten. Noch einmal die gleiche Summe wurde fällig für die Pflege der Außenanlagen. Dazu gehören neben der Schlossinsel auch der Teich und der Park, immerhin sechs Hektar groß.

„Außerdem wurden im vergangenen Jahr noch Rechnungen von der Sanierung fällig“, so Deistler. So blieb auch nach dem Zuschuss der Stadt in Höhe von 144.000 Euro noch ein Verlust von gut 91.000 Euro, der aus der Liquiditätsreserve der Stiftung gedeckt werden musste. „An das Stiftungskapital dürfen wir nicht ran. Allerdings müssten wir schon deshalb jedes Jahr Geld ansparen, um die Inflation auszugleichen“, so der Vorstand. Das gelinge jedoch nur bedingt. Im vergangenen Jahr konnten nur 4000 Euro zurückgelegt werden, so Deistler. Unsicher sei auch das Spendenaufkommen, das stark schwankt. „Das lässt sich kaum prognostizieren und damit einplanen“, sagt er.

Wahrzeichen trägt großen Teil seiner Kosten selbst

Wird nur der laufende Betrieb einberechnet, hätte die Stiftung 2016 ohne den Zuschuss der Stadt gut 67.000 Euro verloren. Zur Einordnung sagt Geschäftsführerin Ceynowa: „Im Vergleich zu anderen Museen ist unsere Eigenwirtschaftsquote sehr gut.“ In Hamburger Museen seien maximal 25 Prozent üblich. Übrig geblieben sind Ende 2016 circa 1,65 Millionen Euro. Der Stiftung bleibt so eine Rücklage für den laufenden Betrieb von 250.000 Euro. Das sei nicht viel, wie Geschäftsführerin Tatjana Ceynowa erklärt, denn die laufenden Kosten würden nach Abschluss der umfangreichen Sanierungsarbeiten eher steigen.

„Die neuen Anlagen wie die Heizung sind viel komplexer und müssen auch gewartet werden.“ Sie erwartet daher eine Ausgabensteigerung. Von 2009 bis Ende 2015 ist das Renaissance-Schloss für 1,8 Millionen Euro aufwendig von innen und außen saniert worden. Auch wenn in absehbarer Zeit keine „sichtbaren“ Veränderungen geplant seien, berge ein über 400 Jahre altes Haus samt Ausstattung doch immer wieder Reparaturpotenzial. Eben eine unendliche Geschichte.