Glinde

Eine Theater-Bühne gegen die Einsamkeit

| Lesedauer: 4 Minuten
Sebastian Knorr
Eine bunte Mischung: die Schauspieler der Gruppe Glinder Melange bei einer Probe zu Kommune 18 im Gutshaus der Stadt

Eine bunte Mischung: die Schauspieler der Gruppe Glinder Melange bei einer Probe zu Kommune 18 im Gutshaus der Stadt

Foto: Sebastian Knorr / HA

Heute in unserer Serie Stormarns Theatermacher: die Glinder Melange, eine Gruppe von älteren Menschen. Geprobt wird im Gutshaus.

Glinde.  Bevor bei der Theatergruppe Glinder Melange im Gutshaus die Probe beginnen kann, gibt es Kekse, Kaffee und einiges zu klären. Da wäre zum einen die Abstimmung über das Werbeplakat mit Gruppenbild, auf dem zwei der vier Herren des Ensembles nur in Unterhose abgelichtet sind – Ergebnis: einstimmig angenommen. Zum anderen geht es um eine zusätzliche Probe am Sonnabendvormittag, was für größere Schwierigkeiten sorgt: Da ist der eine auf einem 80. Geburtstag eingeladen, der andere, selbst schon mehr als 80 Jahre alt, muss bei einer Wohnungsauflösung helfen.

Ihr aktuelles Stück handelt von einer Senioren-WG

„Das ist das große Problem, wenn sie überwiegend mir Rentnern arbeiten“, sagt Katrin Ackermann, Leiterin der Gruppe, mit einem Lächeln: „Die haben immer etwas vor.“ Und tatsächlich: Viele hier zelebrieren den selbstgewählten Unruhestand. Für sie ist das ein Rezept für einen glücklichen und langen Lebensabend. Er brauche es, gebraucht zu werden, verrät Ronny Geißel, einer der Mitspieler der Gruppe. Theater ist für den 82-Jährigen nur eine unter vielen Beschäftigungen. Hinzu kommen: Sport, Singen, Ehrenamt und ein freier Tag in der Woche, „um die Bude sauber zu machen“.

Elf Hobby-Schauspieler, die Jüngste 54 Jahre alt, der Älteste 82, sind heute zur Probe in das Glinder Gemeinschaftszentrum der Sönke-Nissen-Park-Stiftung gekommen. Studiert wird die Komödie Kommune 18, ein kurzweiliges Stück über eine Senioren-Wohngemeinschaft mit klarer Botschaft: Wir mögen zwar vielleicht etwas eigen geworden sein oder auch langsamer, aber wir lassen uns nicht ins Seniorenwohnheim abschieben. Im Februar ist Premiere (siehe unten).

Seit knapp einem Jahr ist der Theaterabend in Vorbereitung

Seit knapp einem Jahr ist der Theaterabend in Vorbereitung. Figuren, Szenen und Texte haben die Künstler selbst entwickelt. Das macht das Spiel authentisch. Hinzu kommt, dass sie in der Probenzeit gewissermaßen selbst zur Kommune zusammengewachsen sind. „Wir sind eine Gemeinschaft, in der jeder seine Aufgaben hat“, sagt Renate Prehn, 68, hinzu komme viel Spaß beim Proben.

Stück und Problematik seien hochaktuell, sagt Karin Ackermann. Das Konzept Wohngemeinschaft, das vor 50 Jahren bei Gründung der legendären Berliner Kommune I noch als radikaler Gegenentwurf gelten konnte, ist mittlerweile gesellschaftsfähig geworden – auch für Senioren. „In Wohngemeinschaften finden ältere Menschen Gesellschaft“, sagt Ackermann. Zudem ließen sich hier die alltäglichen Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen.

Jeder bringt seine Stärken und Schwächen ein

Für die Schauspielgruppe hat das Konzept der Seniorenwohngemeinschaft zwar seinen Reiz. Tatsächlich in einer Alten-WG zu leben, kann sich aber keiner vorstellen. Man werde im Alter immer eigener, sagt eine Mitspielerin. Hinzu käme, dass viele von ihnen bisher keinerlei Erfahrungen in freieren Wohnkonzepten gesammelt haben.

„Meine Eltern hätten mich nie in eine WG ziehen lassen“, sagt Renate Prehn. Andere, wie Anke Fritzsch, 58, genießen schlichtweg die Ruhe mit ihrem Partner und können liebend gern auf einen Putzplan verzichten. Umso mehr genießen die Schauspieler also ihre Theaterkommune auf Zeit. Theaterspielen heiße, auch „mal etwas anderes auszuprobieren“, sagt Wolfgang Manthei (66). Zudem sei Theaterspielen auch Gedächtnistraining.

Hier bringe sich jeder mit seinen Stärken und Schwächen ein, sagt Anke Fritzsch. Die Gruppe ist eben eine echte Glinder Melange, eine Mischung. Sie könne eben nur noch das machen, was Körper und Geist zulassen, sagt eine andere Schauspielerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie sitzt den Großteil der Zeit auf einem Sessel und sortiert ihr wichtigstes Requisit: einen Stapel Tarotkarten. Was die Zukunft so bringt? Hoffentlich eine gelungene Premiere.

Das Theaterstück „Kommune 18“:

Die KomödieKommune 18 – die Alten-WG feiert am Freitag, 16. Februar, um 18 Uhr im Gutshaus Glinde, Möllner Landstraße 53, Premiere, Eintritt: 8,50 Euro.
Neue Mitspieler
können sich bei Katrin Ackermann unter Tel. 040/ 710 004 25 oder per E-Mail (K.Ackermann@gutshaus-glinde.de) melden, dort gibt es ab dem 5. Dezember auch Karten für das Stück.
Jeder kann kommen:
Alter, Kultur oder Theatererfahrung spielen keine Rolle.

( kno )

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