Stormarn
Vortrag

Ein Appell gegen Entwicklungshilfe in Afrika

Rainer Gruszczynski bei einem Besuch in der Savannenregion Togos. Dort engagiert sich der Ahrensburger mit seiner Initiative Cotranga

Rainer Gruszczynski bei einem Besuch in der Savannenregion Togos. Dort engagiert sich der Ahrensburger mit seiner Initiative Cotranga

Foto: Gruszczynski / HA

Rainer Gruszczcynski erklärt in der Ahrensburger Volkshochschule, wieso die aktuelle Politik Afrika nicht wirklich weiterhilft.

Ahrensburg.  Rainer Gruszczynski ist sich sicher: „Die Entwicklungshilfe bringt Afrika nicht weiter.“ Im Gegenteil: Sie stehe dem Fortschritt des Kontinents sogar im Weg. Genau deswegen setzt sich der Ahrensburger für einen gravierenden Kurswechsel in der Entwicklungspolitik ein. Was er damit meint und wie Afrika seiner Meinung nach wirklich zu helfen ist, erläutert Gruszczynski am Mittwoch, 29. November, bei einem Vortrag an der Ahrensburger Volkshochschule.

Seit mehr als zehn Jahren reist der pensionierte Handelslehrer regelmäßig nach Afrika, engagiert sich dort bei verschiedenen Projekten. Anfangs betreute er eine deutsche Migrantenorganisation, die Container mit Hilfsgütern nach Togo verschiffte. Bei einem ersten Besuch vor Ort wurde Gruszczynski allerdings klar, dass diese Art der Unterstützungs nicht so gut ist, wie viele vielleicht denken. Durch Almosen entstehe nämlich der Gedanke, dass sich die Afrikaner nicht selbst helfen können. „Das können sie aber durchaus“, sagt der Ahrensburger.

2014 gründete Gruszczynski seine eigene Organisation

Also gründete Rainer Gruszczynski 2014 seine eigene Organisation: die Coopération Transparente Germano-Africaine. Cotranga, so die Abkürzung, stößt durch Mikrokredite in armen Bevölkerungsschichten ökonomische Entwicklungen voran. Nach Vorlegung eines Businessplans wird Geld an Kreditnehmer ausgezahlt. Neue Darlehen zu höheren Beträgen können nach einem Jahr abgeschlossen werden. Auf diese Weise stehen Kleingewerbe schnell auf eigenen Beinen.

So zumindest das Konzept. In der Realität funktioniere das aber meist nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. „In Togo zahlten wir Kredite an einige Frauen aus, die daraufhin sehr gut wirtschafteten“, sagt Gruszczynski. Dann sei das angehäufte Geld jedoch plötzlich weg gewesen, weil Personen aus dem Umfeld der Frauen das Konto plünderten. „Da habe ich erkannt, dass das Problem viel tiefer liegt.“

Zu wenig Rücksichtnahme auf die afrikanische Kultur

Vor allem afrikanische Werte behinderten demnach die Entwicklung des Kontinents. Die Bedeutung der Gemeinschaft etwa erleichtere dem Einzelnen zwar das Überleben, führe aber auch zu einer starken Abgrenzung nach außen. „Wenn in Afrika jemand zu Reichtum kommt, muss er den mit seiner gesamten Familie teilen“, sagt Gruszczynski. Wirtschaftlicher Erfolg wird also bestraft. „Das darf nicht sein.“

Aus diesem Grund habe auch die bisher geleistete Entwicklungshilfe kaum etwas bewirkt – trotz erheblicher Ausgaben. „Weil sie auf im Westen entworfenen Konzepten beruht“, so der 74-Jährige. „Auf die afrikanische Kultur wird keine Rücksicht genommen.“ Ein weiteres Problem seien lokale Eliten, die sich an Entwicklungsgeld bereicherten. „Eine Erhöhung des Entwicklungsetats ist daher auch keine gute Nachricht“, so Gruszczynski. „An dem bereichern sich die falschen Menschen aus den falschen Gründen.“ Gerade die hohen Geldsummen trügen folglich dazu bei, dass sich an den Systemen in Afrika nichts ändere. Gruszczynski: „Es ist ein Teufelskreis.“

Nur der Stopp der Entwicklungshilfe könne diesen Kreis aufbrechen. Denn von außen lasse sich ein Land nicht entwickeln. „Das müssen lokale integre Führer machen“, so Gruszczynski. „Genau die können aber nur hervorgebracht werden, in dem wir den afrikanischen Regierungen die Verantwortung zurückgeben, ihre Probleme selbst in Hand zu nehmen.“

Vortrag über Entwicklungshilfe Mi 29.11., 19.30, VHS, Bahnhofstraße 24, Eintritt frei