Stormarn
Integration

Reinbek: Blog „Refuburg“ hilft bei der Jobsuche

Kristina Kaba, Gründerin und Betreiberin des Blogs „Refuburg“, unterstützt auch Nihad Shahwan, technischer Zeichner für CNC-Fräsen und Grafiker aus Aleppo

Kristina Kaba, Gründerin und Betreiberin des Blogs „Refuburg“, unterstützt auch Nihad Shahwan, technischer Zeichner für CNC-Fräsen und Grafiker aus Aleppo

Foto: Christophe Gateau / dpa

Der Internet-Blog von Kristina Kaba aus Reinbek porträtiert geflüchtete Menschen und erzählt ihre Geschichten.

Reinbek.  Gegen die Fenster von Kristina Kabas Wohnzimmer klatscht der Regen. Grauer Nebel legt sich über das Grün der Vorgärten in der Siedlung in Reinbek. In dieser Idylle fühlt sich der syrische Bürgerkrieg unendlich weit entfernt an – an manchen Tagen auch für Nihad Shahwan, der im Wohnzimmer von Kristina Kaba sitzt.

Vor zwei Jahren flüchtete der Familienvater aus Aleppo. Das syrische Militär suchte ihn seinen Angaben zufolge und wollte ihn als Lastwagen- oder Panzerfahrer einziehen. In letzter Minute floh Shahwan in die Türkei und schaffte es nach Deutschland.

Porträts als Ergänzung zur klassischen Bewerbung

Jetzt sitzt Nihad Shahwan auf Kristina Kabas Sofa. Die beiden gehen noch einmal seinen Lebenslauf durch. Der 37 Jahre alte Mann ist technischer Zeichner, spricht mittlerweile gut Deutsch und engagiert sich ehrenamtlich in der örtlichen Bücherei und in der Kleiderkammer. Eine Arbeitsstelle hat er aber noch nicht gefunden. Auch weil ihm das deutsche Bewerbungssystem fremd ist. „Die Jobcenter haben sich noch nicht auf die Bedürfnisse Geflüchteter eingestellt“, sagt Kristina Kaba. Häufig würden die Center die Menschen in niedrig qualifizierte Stellen vermitteln, statt an ihren Deutschkenntnissen zu arbeiten oder ihnen bei den Bewerbungen auf Stellen, die ihren Qualifikationen entsprechen, zu helfen. „Wir verlieren da eine Menge Potenzial“, sagt Kaba.

Die schlanke junge Frau mit kurzen braunen Haaren beschloss vor zwei Jahren, dass sie in der Flüchtlingskrise nicht nur zuschauen, sondern auch helfen möchte. Sie startete ihren Blog „Refuburg“. Ihre Idee: Geflüchtete mit ihren persönlichen Schicksalen und Lebensgeschichten im Internet vorstellen. „Die Porträts sollen eine Ergänzung zur klassischen Bewerbung sein“, sagt Kaba, die als selbstständige Marketingberaterin arbeitet.

Trotz Erfahrung muss er in Deutschland neu beginnen

In lebendigen Texten, begleitet von professionellen Fotos, beschreibt die Reinbekerin gemeinsam mit sieben anderen Freiwilligen die Fluchtgeschichten der Menschen, ihre Stärken und Schwächen und ihre Berufserfahrungen. Viele Flüchtlinge hätten keine Zeugnisse oder Zertifikate mit nach Deutschland gebracht, sagt sie. So ist es auch bei Nihad Shahwan. Er arbeitete 14 Jahre lang als technischer Zeichner im Betrieb seines Vaters. Mehr als ein Jahr lang hat Shahwan nach eigenen Angaben die Firma mit 14 Angestellten geführt. Designs für Visitenkarten oder Verpackungen zu entwerfen begeistert ihn. „Ich habe viele Ideen“, sagt Shahwan. Trotz Berufserfahrung muss er in Deutschland noch einmal neu beginnen.

Die Maschinen seines Familienbetriebs in Aleppo waren bis zu 15 Jahre alt. „Es wäre toll, wenn ich bei einem Praktikum oder während einer Ausbildung lernen könnte, wie und mit welchen Programmen hier gearbeitet wird“, sagt er. Gerade ist er zum zweiten Mal Vater geworden, auch deshalb will er möglichst bald in den Beruf einsteigen.

Elf Menschen konnten bisher vermittelt werden

„Es ist ein wirklich starres Konstrukt hier in Deutschland. Und die Geflüchteten werden mit der Arbeitssuche häufig allein gelassen“, sagt Kaba. Sie verfasst nicht nur die Porträts für ihren Blog, berät die Menschen, hilft ihnen beim Schreiben ihrer Bewerbungen und nimmt Kontakt zu möglichen Arbeitgebern auf.

Nicht immer ist es für die Betroffenen einfach, über die in vielen Fällen traumatische Flucht zu sprechen. Manche Menschen könnten sich oder ihre Familien in Gefahr bringen, wenn sie ihre Geschichte öffentlich erzählten. „Wir tragen eine große Verantwortung und müssen manchmal auch die Menschen vor sich selbst schützen“, sagt die 29-Jährige. In solchen Fällen lehnt das „Refuburg“-Team es ab, die Menschen zu porträtieren.

Elf Geflüchtete konnte das achtköpfige Team um Kaba bislang in Arbeit vermitteln, sieben Menschen sind noch auf der Suche nach Praktika oder Arbeitsstellen. Für ihr Engagement wurden die Ehrenamtlichen Anfang April von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgezeichnet. Auch Nihad Shahwan ist dankbar für das Projekt: „Kristina Kaba ist eine große Hilfe. Wir Geflüchteten bräuchten von mehr Menschen wie ihr Unterstützung.“

Die Internetseite des Blogs finden Interessierte unter www.refuburg.com