Stormarn
Streitigkeiten

Lesepaten sind von Ahrensburger Stiftung enttäuscht

Einige der Lesepaten der Bürgerstiftung Region Ahrensburg mit Erzieher Jochen Wildt (knieend, r.) an der Kita Am Krögen in Bargteheide

Einige der Lesepaten der Bürgerstiftung Region Ahrensburg mit Erzieher Jochen Wildt (knieend, r.) an der Kita Am Krögen in Bargteheide

Foto: Christian Thiesen / HA

Die Bürgerstiftung Region Ahrensburg beendet die Zusammenarbeit. Die Ehrenamtlichen wollen eine neue übergeordnete Organisation.

Ahrensburg.  Sie gehen in Grundschulen und Kitas und lesen den Kindern dort vor, aus Büchern wie „Leo Lausemaus“, „Wachse kleine Kaulquappe“ oder Grimms Märchen: die

. Mehr als 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus vielen Teilen Stormarns engagieren sich dort bislang unter dem Dach der Stiftung. Doch nun gibt es Streit um die Fortsetzung des Projektes „Kinder und Lesen“. Die Paten fühlen sich von der Bürgerstiftung im Stich gelassen, diese weist die Vorwürfe zurück.

„Die Bürgerstiftung Region Ahrensburg hat das Projekt Kinder und Lesen nach 15 Jahren erfolgreicher Arbeit vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter zum Ende des Jahres 2017 beendet“, heißt es in einer Mitteilung im Namen der Lesepaten. Kindergärten und Schulen seien parallel zu dieser „Kündigung“ informiert worden. Die Paten bezeichnen das Vorgehen der Stiftung als „Vollbremsung in voller Fahrt“.

Einige Kinder werden gezielt gefördert

Viele der Lesepaten sind nach eigenen Worten überrascht, enttäuscht, entsetzt und empört vom Verhalten der Stiftung. „Das Ende des Projekts kam von einem Tag zum anderen und ohne Vorankündigung“, sagt Annelore Penno aus Klein Hansdorf auf Abendblatt-Nachfrage. „Dabei lieben wir Paten das Projekt sehr und wollen gern weitermachen.“ Es sei immer etwas besonderes, wenn die Paten in die Einrichtungen kommen. „Die Kinder freuen sich auf uns.“

Die Einrichtungen, das sind Krippen, Kindergärten, Horte und Grundschulen in zahlreichen Orten in Stormarn. Mehr als 45 wurden und werden von den Lesepaten besucht, die Ehrenamtlichen erreichen mehr als 1000 kleine Zuhörer. „Wir lesen nicht nur vor, wir machen mit den Kindern auch Wortschatzübungen, bilden Reime, üben Zungenbrecher“, sagt Patin Annelore Penno. „Das ist richtige Sprachförderung.“ Einige Kinder werden sogar gezielt und individuell durch einen Lesepaten für sich gefördert.

Lesepaten suchen neue übergeordnete Organisation

Doch die Paten sehen auch für sich einen Ertrag aus ihrem Engagement. „Die Beschäftigung mit den Kindern ist wie Frühling“, sagt Ronald Walbert, ein Vorleser aus Bargteheide. „Sie gibt mir Anerkennung und Lebensfreude.“

Doch um ihr Ehrenamt zu leisten, sehen viele der Lesepaten eine übergeordnete Organisation als notwendig an. „Es braucht ein Dach, eine Art Klammer, sonst droht das Projekt auseinanderzufallen“, sagt Annelore Penno. Das Dach werde unter anderem benötigt als Ansprechpartner für neue Freiwillige, den Austausch der Lesepaten untereinander, ihre Fortbildung und die Werbung für die Idee. „Jeder Lesepate bekommt eine Schulung zum Vorlesen“, sagt Alix Beckmann, die sich in Trittau und Großhansdorf engagiert.

Diese administrativen Aufgaben habe bislang die Bürgerstiftung übernommen oder dabei geholfen. „Das wird uns in Zukunft fehlen, wir Lesepaten können diese Aufgaben nicht leisten, wir wollen vor allem eines: Vorlesen“, sagt Patin Beckmann.

Die Paten wollen weiter in Schulen und Kitas vorlesen

Die Bürgerstiftung Region Ahrensburg weist die Kritik der Ehrenamtlichen zurück. „Die Lesepaten sind ein sehr sinnvolles Projekt. Es wird nicht beendet, sondern von uns an die Paten zurückgegeben“, sagt ihr Vorstandsvorsitzender Michael Eckstein zum Abendblatt. „Wir haben das Projekt 15 Jahre begleitet, weit über den üblichen und ursprünglich geplanten Rahmen hinaus. Damit ist für uns die Zeit gekommen, loszulassen.“

Es sei für Bürgerstiftungen üblich, Projekte anzuschieben und dann an die Ehrenamtlichen zu übergeben. „Eigentlich geschieht das nach drei bis sechs Jahren“, sagt Eckstein. In der Vergangenheit hätten Lesepaten auch administrative Aufgaben übernommen. Nachdem die Paten weggefallen seien, habe die Bürgerstiftung die Aufgaben übernommen. „Die volle operative Arbeit können wir aber personell und zeitlich nicht mehr leisten.“ Dies habe er den Paten auch mehrfach mitgeteilt. Eckstein schlägt den Lesepaten vor, zum Beispiel einen Verein zu gründen, um das Projekt fortzusetzen. „Dabei würden wir die Paten auch beraten.“

„Wie es mit uns weitergeht, ist noch offen. Neue Organisationsformen müssen wir sorgfältig prüfen“, sagt Lesepatin Annelore Penno. „Wir haben zu anderen Organisationen Kontakt aufgenommen, um ein neues Dach zu finden.“ Eine wichtige Botschaft haben die Lesepaten an die Kinder in den Schulen und Kitas: „Wir werden weiter kommen und vorlesen.“