Stormarn
Bauprojekt

Bargteheides Öko-Quartier nimmt Form an

Hell und freundlich, mit viel Grün und Raum für die Bewohner und autofrei: So soll das Öko-Quartier Am Krögen in Bargteheide später einmal aussehen

Hell und freundlich, mit viel Grün und Raum für die Bewohner und autofrei: So soll das Öko-Quartier Am Krögen in Bargteheide später einmal aussehen

Foto: Ökoquartier Bargteheide

Am nördlichen Stadtrand sollen ein Blockheizkraftwerk, Photovoltaikanlagen und Solartechnik 95 Wohnungen mit Strom und Wärme versorgen.

Bargteheide. Christina Schlie

Die Planungen für Bargteheides erstes Öko-Quartier Am Krögen schreiten zügig voran. Vor wenigen Wochen erst hat sich die Bauherrengemeinschaft gegründet. Das 20.000 Quadratmeter große Areal im Norden der Stadt wird, wie berichtet, von der Raiffeisenbank und der Bauherrengemeinschaft bebaut. Bis zum Jahr 2020 sollen dort 95 neue Wohneinheiten entstehen. Auf dem südlichen Teil des Geländes will die Baugemeinschaft tätig werden und dort 17 Reihenhäuser und drei Mehrfamilienhäuser mit 20 Wohnungen in Eigenregie errichten. Unterstützung erhält sie dabei vom Planungsbüro Conplan.

Fünf Mitglieder hat die Baugemeinschaft bereits gefunden. Darunter eine Familie aus Berlin, sowie zwei Hamburger und den Bargteheider Stadtvertreter Andreas Bäuerle. „Ich finde das Projekt mit seinem gemeinschaftlichen und ökologischen Ansatz sehr interessant“, sagt Andreas Bäuerle. Im Mittelpunkt des Öko-Quartiers steht die Nachhaltigkeit. Das Viertel soll sich selbst mit Strom und Wärme versorgen. Dafür sind ein Blockheizkraftwerk, Photovoltaikanlagen und Solarthermie vorgesehen. In der Tiefgarage werden zusätzlich Ladesäulen für Elektrofahrzeuge aufgestellt. Abgesehen von der Tiefgaragen-Zufahrt ist das Areal autofrei.

Das Miteinander wird im Quartier groß geschrieben

Der Gedanke, dass „ein Miteinander nicht am Gartenzaun endet“, reizt auch den Berliner Christoph Ernst. Er wohnt zurzeit mit seiner Lebenspartnerin und den zwei gemeinsamen Kindern in einer WG in der Hauptstadt. „Wir wünschen uns auch für die Zukunft einen Ort, an dem Gemeinschaft groß geschrieben wird“, sagt der 36-Jährige. Diese Form des Zusammenlebens erfordere von allen den Wunsch nach Gemeinschaft ebenso wie eine große Kompromissfähigkeit. Verantwortung und Solidarität sind seine Schlagworte.

Die Bauherren sind von Anfang an allen Planungen beteiligt. Sie entscheiden über die Planer, Architekten, Wohnungsschnitte, Grundausstattung und Gestaltung der Außenanlagen. Die ersten Bauherren entscheiden auch gemeinschaftlich über weitere Mitglieder, also künftige Nachbarn. Dazu gibt es in regelmäßigen Abständen Treffen. Bäuerle: „Ein gegenseitiges Kennenlernen.“

Mittelpunkt der Wohnanlage soll ein Gemeinschaftshaus sein

Eine der Anwärterinnen ist Annette Paschen. Die 53-jährige Hamburgerin sucht schon seit fünf Jahren nach einem gemeinsamen Baukonzept. Zwei Projekte haben sich im Laufe der Planungen zerschlagen. Die Vorstellung, auch im Alter noch eingebettet in eine Gemeinschaft zu leben, bedeute ihr viel. „Meine Kinder sind erwachsen. Ich könnte mir gut vorstellen, junge Familien zu unterstützen“, sagt sie zum Abendblatt.

Alle Beteiligten träumen von unkomplizierten, spontanen Treffen und gegenseitiger Hilfsbereitschaft. Mittelpunkt der Wohnanlage soll ein Gemeinschaftshaus werden. Die Mehrfamilienhäuser sind alle mit Fahrstühlen ausgestattet, manche Wohnungen sind vollständig barrierefrei. „Im Hinblick auf das Alter ist das ein wichtiges Kriterium“, sagt Gründungsmitglied Wiebke Petersen (59). Sie hat sich für eine 60 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung entschieden. Car-Sharing, gemeinsame Feste und Sportaktionen sind weitere Themen, die sie in die Gruppe einbringen möchte.

Spatenstich ist für Ende des kommenden Jahres geplant

Die Wohnungsgrößen der Bauherren liegen zwischen 39 und 140 Quadratmetern. Der Basispreis dort beträgt 3500 Euro pro Quadratmeter, je nach Lagequalität. Dazu kommen Kosten für die Tiefgarage und den Abstellraum. „Das Bauherrenrisiko ist nicht anders als beim Bau eines Einfamilienhauses“, sagt Tanja Christoff. Sie ist Projektberaterin der Fima Conplan, die die Bauherren begleitet und bei Meinungsverschiedenheiten vermitteln soll.

Eine weitere Besonderheit des Quartiers sind 58 Wohneinheiten, deren Grundstücke in Erbpacht vergeben werden. Die Grundstücke bleiben dabei im Eigentum der Raiffeisenbank. „Das ist gerade für junge Familien interessant, da die Eigenkapitalbelastung nicht so hoch ist“, sagt André Rehder, Projektkoordinator bei der Bank. 23 Wohnungen sind als Mietwohnungen geplant. Die Planungen der Bauherren sowie die der Raiffeisenbank laufen parallel. Rehder: „Wir haben gemeinschaftlich den Zuschlag bekommen. Für das einheitliche Energiekonzept zum Beispiel ist es wichtig, dass alle Häuser möglichst zeitgleich angeschlossen werden.“ Tanja Christoff ergänzt: „Gemeinsame Architekten sorgen dafür, dass alles wie aus einem Guss gestaltet wird.“

Der Spatenstich für Bargteheides neues Öko-Quartier ist für Ende kommenden Jahres geplant. Mit der Fertigstellung wird erst für Sommer des Jahres 2020 gerechnet.