Ahrensburg

Vorsicht Wildschweine! Stadt warnt vor Betreten der Wälder

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Carmen Mahler
Ein Wildschwein

Ein Wildschwein

Foto: imago/Mario Hommes

Ahrensburger Jäger ist nicht in der Lage, die Population wie gewünscht zu reduzieren. Tiere zerwühlen auch Flächen auf Golfplätzen.

Ahrensburg.  Die Wildschweinplage im Kreis Stormarn entwickle sich zu einer regelrechten „Katastrophe“. Das sagt der Jäger Hans-Jürgen Wriggers, der seit Wochen versucht, zumindest die Population im Ahrensburger Tunneltal und umliegenden Wäldern zu reduzieren. „Allein in den vergangenen Tagen habe ich drei Tiere erlegt“, sagt er, aber ein Jäger allein könne der Entwicklung nicht mehr Herr werden.

Wriggers ist im Auftrag der Stadt Ahrensburg unterwegs, beobachtet tagsüber und geht abends und nachts auf die Jagd. Die Verwaltung hat inzwischen Schilder am Waldrand installiert, die vor dem Betreten des Gebietes rund um die Burg Arnesvelde warnen. Das kommt offenbar nicht bei jedem an. Hundehalter, Jogger, Radfahrer und Spaziergänger ignorieren die Warnung laut Wriggers. Auf eigene Gefahr, wie der Jäger betont, denn ein Wildschweinangriff könne fürchterliche Folgen haben.

Dass mit Wildschweinen nicht zu spaßen ist, zeigt dieser Vorfall in Schleswig-Holstein: Am 20. Oktober rannten zwei aggressive Schweine durch die Heider Innenstadt und verletzten vier Menschen. Sie stürmten in Geschäfte, ein Keiler zerbrach eine Panzerglasscheibe. Unter anderem drangen die Schweine in eine Bankfiliale ein. Deren Leiter wurde an den Beinen verletzt, ein anderer Mann verlor ein Fingerglied.

Wildschweine sind bis zu 50 km/h schnell

Auch in Duvenstedt trieben die Tiere vor wenigen Tagen ihr Unwesen und wühlten in Gärten der Anwohner des Naturschutzgebietes Wittmoor. Sie sind bis zu 50 km/h schnell. Der Biss mit ihren scharfen Eckzähnen kann zu massiven Verletzungen führen. „Schlimmstenfalls kann ein Angriff tödlich enden“, sagt Hendrik Löffler, Pressesprecher der Kreisjägerschaft Stormarn. Wer kein Risiko eingehen möchte, sollte sich an Warnschilder halten. Verletzte Personen durch Wildschwein-Attacken habe es aber bisher im Kreis nicht gegeben.

Autofahrern rät Hans-Jürgen Wriggers, die Gefahr auf den Straßen in der Dämmerung nicht zu unterschätzen. Vor allem in den Morgenstunden sei häufiger Wildwechsel am Ahrensburger Ostring nicht selten. Laut ADAC erhöht sich das Aufprallgewicht eines Wildschweins bei einer Kollision mit Tempo 60 auf das eines Nashorns.

Futtersuche treibt Tiere näher an Wohnhäuser

Momentan ist die Schwarzwildpopulation laut Wriggers so groß wie noch nie. Allein im Ahrensburger Jagdgebiet habe sich die Zahl der Tiere im Vergleich zum vergangenen Jahr um geschätzte zehn Prozent erhöht. Genau beziffern könne der Jäger den aktuellen Bestand aber nicht. Von der geplanten Eindämmung der Population könne keine Rede sein.

Die Futtersuche treibt die Tiere immer näher an Wohnhäuser heran, wo Verwüstungen in Gärten in jüngster Zeit vermehrt zu beobachten sind. Jäger Hans-Jürgen Wriggers berichtet, er habe erst vor Kurzem im Tunneltal vier bis fünf Rotten gesehen. Auch Golfplätze in Stormarn werden von den Wildsäuen heimgesucht. Ein weiteres Problem sei zudem die Entsorgung der erlegten Tiere. Ein Eber wiegt bis zu 200 Kilogramm. „Wir wissen nicht mehr, wohin mit dem Wild. Die Kühlkammern sind voll. Und die Wildhändler nehmen schon nichts mehr an.“

Nachtsichtgeräte sind in der Jägerschaft umstritten

Die Bedingungen für die Tiere sind derzeit optimal. Dank gesicherter Futterquellen sind sie wohlgenährt, die milden Winter verringern die Sterblichkeitsrate bei Jungtieren. Zudem konnten die vom Regen durchnässten Maisfelder jetzt erst abgeerntet werden, was den Wildschweinen zusätzlich Unterschlupf vor den Jägern bietet. „Wir warten auf Frost“, so Wriggers. Erst gefrorener Boden biete genug Halt, um effizient jagen zu können.

Hendrik Löffler bestätigt diese Schwierigkeiten: „Wildschweine sind intelligent und sehr schwer zu jagen.“ Dies sei ausschließlich nachts möglich, bestenfalls bei vorteilhaften Lichtverhältnisse durch den Mond und günstiger Witterung. Im Schnitt blieben in den Wintermonaten fünf Tage zum Jagen. Der Hoisdorfer sagt: „Die Regierung könnte mit unterstützenden Maßnahmen helfen.“ Er meint damit eine Lockerung der Gesetze zur Treib- und Drückjagd. Auch sei der Einsatz von Nachtsichtgeräten möglich. „Das ist aber in Jägerkreisen umstritten.“ Gezielte Jagd werde nun auf Frischlinge und Überläufer gemacht, Bachen mit Nachwuchs seien tabu. Eine Ausnahme könne bei den Muttertieren, deren Frischlinge bereits geschossen wurden, gemacht werden. Löffler: „Wir wollen die Tiere schließlich nicht ausrotten.“

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