Stormarn
Glinde

Häusliche Gewalt: Immer mehr Frauen suchen Hilfe

AGewalt kommt nicht in die Tüte – so lautet das Motto der Aktion gegen Gewalt an Frauen, die von Maria de Graaff-Willemsen (v.l.), Marion Gurlit, Gisela Bojer, Brigitte Sidow, Claudia Rattmann und Kerstin Schoneboom organisiert wird

AGewalt kommt nicht in die Tüte – so lautet das Motto der Aktion gegen Gewalt an Frauen, die von Maria de Graaff-Willemsen (v.l.), Marion Gurlit, Gisela Bojer, Brigitte Sidow, Claudia Rattmann und Kerstin Schoneboom organisiert wird

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Beratungsstellen wollen mit Aktion auf das Thema aufmerksam machen und sehen auch die Politik in der Pflicht. Prävention soll helfen.

Glinde.  Immer mehr Frauen in Stormarn flüchten vor gewalttätigen Partnern oder anderen Familienmitgliedern und sind auf Hilfe angewiesen. Zu diesem Ergebnis kommen Mitarbeiter des Stormarner Frauenhauses und deren Beratungsstellen. 2016 ist die Polizei 73-mal wegen häuslicher Gewalt gerufen worden. In 24 Fällen wurde gegen den gewalttätigen Mann eine sogenannte Wegweisung ausgesprochen. Das heißt, dass er die Wohnung für bis zu zwei Wochen verlassen musste.

In diesem Jahr zählte die Polizei bis Ende Oktober 68 Einsätze wegen häuslicher Gewalt, die sie der Oldesloer Beratungsstelle gemeldet hat. Die Beamten sprachen 22 Wegweisungen aus. Laut Claudia Rattmann, Mitarbeiterin im Stormarner Frauenhaus, sind die Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren auf einem hohen Niveau. „Vermutlich wissen heute viel mehr Frauen, dass es Hilfsangebote gibt oder Opfer trauen sich eher, Hilfe zu suchen“, sagt Rattmann, die im vergangenen Jahr 55 Frauen und 41 Kinder im Frauenhaus in Ahrensburg betreut hat. „Viele Frauen müssen wir leider abweisen, weil wir nicht genügend Plätze haben“, sagt sie. Nur 14 Frauen plus Kinder könne das Haus aufnehmen. Deshalb fordert sie die Politik auf, das Angebot auszuweiten. Dafür spricht sich auch Gisela Bojer, Koordinatorin des Kooperations- und Interventions-Konzepts gegen häusliche Gewalt an Frauen (KIK), aus. Das wäre für sie aber nur ein Teil einer Lösung. „Viele Frauen finden nach der Zeit im Frauenhaus keine bezahlbaren Wohnungen“, sagt Bojer. Auch hier sieht sie die Politik in der Pflicht, Abhilfe zu schaffen.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Damit es nicht so weit kommt, dass eine Frau Opfer häuslicher Gewalt wird, sehen die Frauen sowie die Gleichstellungsbeauftragten die Prävention als wichtige Mittel. Bereits Kinder und Jugendliche sollen lernen, dass Gewalt in einer Beziehung nichts zu suchen hat, so Kerstin Schoneboom, Gleichstellungsbeauftragte in Glinde. Wichtig sei auch, auf das Thema immer wieder hinzuweisen. So wie am 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Rund um diesen Tag wird es Ausstellungen, Workshops und Aktionen geben. Beispielsweise werden in den Städten Brötchentüten mit der Nummer des Hilfetelefons verteilt. Viele Bäcker beteiligen sich an der Aktion.