Stormarn
Strassenverkehr

In Stormarn sollen mehr Raser geblitzt werden

Mit einem ähnlichen Modell wie auf diesem Foto überführen Polizei und Kreis seit Jahren Temposünder in Stormarn. Nun will die Kreisverwaltung mit einer weiteren Messanlage die Verkehrssicherheit erhöhen

Mit einem ähnlichen Modell wie auf diesem Foto überführen Polizei und Kreis seit Jahren Temposünder in Stormarn. Nun will die Kreisverwaltung mit einer weiteren Messanlage die Verkehrssicherheit erhöhen

Foto: privat

Kreis möchte zweites Geschwindigkeitsmessgerät anschaffen. Politiker stimmen Testphase zu. Doch die Beweggründe sind unterschiedlich.

Bad Oldesloe.  In Stormarn sollen 2018 Blitz-Anhänger zur Überwachung des Straßenverkehrs getestet werden. Das hat der Kreisverkehrsausschuss jetzt einstimmig beschlossen. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, ob tatsächlich ein zweites Blitzgerät in Stormarn zum Einsatz kommen soll.

Wie berichtet, möchte die Kreisverwaltung die Sicherheit auf den Straßen erhöhen und insbesondere verstärkt Jagd auf Temposünder machen. Derzeit gibt es in Stormarn nur eine Blitzanlage, die von Kreis und Polizei in Kooperation betrieben wird. Die Anschaffung einer weiteren ESO-Anlange (Dreifuß) ist laut Anderas Rehberg, Fachdienstleiter Sicherheit und Gefahrenabwehr, aber nicht möglich: „Dazu fehlt das Personal.“ Ferner habe die Polizei für dieses auch räumlich keine Kapazitäten.

Zahl der Unfälle im Kreis ist gestiegen

Deswegen zieht die Verwaltung Blitz-Anhänger als Alternative in Betracht. Diese könnten bis zu fünf Tage an einer Straße stehen, ohne dass für die Messungen und Erfassung Personal vor Ort sein muss. „Für uns ist die Verkehrssicherheit entscheidend“, sagt Jürgen Weingärtner (SPD), dessen Fraktion sich für eine zweite Anlage ausspricht und damit die Testphase begrüßt. Die Fraktion bezieht sich in ihrer Argumentation auf die von der Verwaltung aufgeführten Zahlen. So ist in der Beschlussvorlage zu lesen, dass die Zahl der Unfälle im Kreis gestiegen ist. 2016 registrierte die Polizei 6120 Unfälle und damit 278 mehr als im Vorjahr. Besonders dramatisch: Die Zahl der Verkehrstoten hat sich mit neun Opfern (2015 waren es vier) mehr als verdoppelt. Doch ist dieser Anstieg tatsächlich auf Temposünder zurückzuführen? Fakt ist, dass die Zunahme der Unfälle größtenteils auf Bagatellunfälle zurückzuführen ist. Von den 278 Unfällen in 2016 waren 216 solche, die nicht von der Polizei aufgenommen wurden. Nur 25 weitere Unfälle haben eine „bedeutende Ordnungswidrigkeit“ als Ursache. Dazu zählen alle Verstöße, die mit einem Bußgeld bestraft werden – unter anderem Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Auch die Zunahme der Verkehrstoten lasse sich nicht mit Raserei begründen. „In nur einem von neun Fällen spielte überhöhte Geschwindigkeit eine Rolle“, sagt Kay-Uwe Güsmer, Verkehrsexperte der Polizeidirektion Ratzeburg. Die CDU-Fraktion spricht sich deswegen auch gegen die Anschaffung einer zweiten Messanlage aus. „Wir sehen keinen Bedarf“, sagt Winfried Gerke (CDU) und spricht von einer gefühlten Raserei. Auch die FDP ist gegen eine zweite Blitzanlage.

Lasertechnik im Blitz-Anhänger nur für gerade Strecken nutzbar

Dennoch haben alle Ausschussmitglieder dieser Fraktionen für die Testphase des Blitz-Anhängers votiert. Die CDU begründet dies damit, dass dieses mobile Messgerät eine Alternative zur jetzigen ESO-Anlage sein könnte. Denn diese muss vermutlich im kommenden Jahr ersetzt werden. Die Kamera in dem fünf Jahre alten Gerät mache vermehrt unscharfe Bilder. Weil es aber für dieses Gerät keine Ersatzteile gibt, müsse eine neue Anlage angeschafft werden. Dafür hat der Verkehrsausschuss des Kreises vorsorglich 160.000 Euro im Haushalt bereitgestellt.

Dass mit diesem Geld eventuell ein Blitz-Anhänger statt eine ESO-Anlage gekauft wird, sieht Fachdienstleiter Andreas Rehberg kritisch: „Der Anhänger ist keine Alternative zur ESO-Anlage.“ Denn im Anhänger sei eine Lasertechnik verbaut, die nur auf gerader Strecke einsetzbar ist. „Somit gehen wir davon aus, dass der Anhänger nicht an jeder Messstelle im Kreis platziert werden kann“, sagt Rehberg und spricht von einer möglichen Verschlechterung der Verkehrssicherheit. 220 Messstellen gibt es im Kreis. Zum Beispiel an Schulen oder Altenheimen, die in Wohngebieten mit Kurven und Verschwenkungen liegen. Wo genau mit dem Anhänger in Stormarn geblitzt werden kann, soll laut Rehberg während der Testphase geklärt werden. Zwei Modelle werden dafür für je drei Monate gemietet. Die Kosten von 60.000 Euro würden voraussichtlich durch Bußgelder gedeckt.

Im Dezember entscheidet der Kreitstag

Auch für die Grünen-Fraktion ist die ESO-Anlage, die mit Sensoren Geschwindigkeiten misst, alternativlos. Ferner stehen die Grünen einer zweiten Blitzanlage offen gegenüber. Auch Heinrich Dierking (Forum 21) spricht sich für einen Blitz-Anhänger, der auch in Kurven messen kann, als Ergänzung aus und fügt hinzu: „Ich glaube, nicht jeder im Ausschuss hat die Verwaltungsvorlage verstanden.“ Ob die Geräte getestet werden, entscheidet letztlich der Kreistag im Dezember.