Stormarn
Kriminalität

So schützen Sie sich gegen Einbrecher

Keine Chance: Nicht einmal die Polizei kann mit dem Brecheisen dieses besonders gesicherte Fenster öffnen

Keine Chance: Nicht einmal die Polizei kann mit dem Brecheisen dieses besonders gesicherte Fenster öffnen

Foto: Finn Fischer / HA

Innenminister Hans-Joachim Grote eröffnete den Info-Tag im Ahrensburger CCA. Polizisten informieren, wie man sein Haus sichern kann.

Ahrensburg.  Das Wohnzimmer verwüstet, die Schränke durchwühlt, die Familienerbstücke unwiederbringlich verloren: Wer Opfer eines Einbrechers geworden ist, hat meist mit mehr als nur dem materiellen Schaden zu kämpfen.

Auch Innenminister Hans-Joachim Grote musste vor fünf Jahren diese Erfahrung machen: „Meine Frau brauchte lange, um das zu verarbeiten“, sagte der CDU-Politiker, der am Wochenende in Ahrensburg den „Tag des Einbruchschutzes“ eröffnete. Das Schlimmste war der Eingriff in die Privatsphäre und der Verlust einer Uhr – „das letzte Erinnerungsstück an meinen Großvater“.

Wohnungseinbrüche in Schleswig-Holstein stiegen im Oktober an

Hunderte Menschen werden in den Wintermonaten ähnliches durchmachen müssen: Die Landespolizei registrierte für den Oktober einen deutlichen Anstieg von Wohnungseinbrüchen in Schleswig-Holstein. Im September verzeichnete die Polizei noch 236 Einbrüche, im Oktober stiegen die festgestellten Taten auf 350. Die „dunkle Jahreszeit“ ist Saison für Kriminelle. Im Vergleich liegen die Zahlen dennoch weit unter dem Niveau der Vorjahre.

Die Einbruchskriminalität war bereits im schleswig-holsteinischen Wahlkampf eines der Kernthemen. In Ahrensburg sprach der Innenminister jetzt darüber, wie die Zahl der Wohnungseinbrüche in den nächsten Jahren weiter gesenkt werden soll: „Wir wollen die Zahl der Polizisten im Land in der Legislaturperiode um 500 erhöhen.“

Grote spricht sich für schnellere und härtere Bestrafung von Einbrechern aus

Doch dabei soll es nicht bleiben: Durchaus zu diskutieren sei in Zukunft auch, welche Aufgaben Beamte übernehmen müssen und welche gegebenenfalls abgegeben werden könnten. „Es kann schon kritisch hinterfragt werden, ob Polizisten etwa Schwertransporte sichern müssen“, so Grote. Diese Beamten würden an anderen Stellen sicher sinnvoller eingesetzt werden können. Handlungsbedarf sieht der Innenminister auch bei der Verfolgung und Bestrafung der Täter. Auf dem Kreisparteitag der CDU sprach er sich für eine schnellere und härtere Bestrafung von Einbrechern aus.

Auch die Einbrecher entwickeln ihre Taktiken weiter, wie der Ahrensburger Polizeidienststellenleiter Norbert Patzker erzählt: „Wir hatten in diesem Jahr schon einige Fälle, in denen Täter auch über das Dach in Häuser eingestiegen sind.“ Das sei sonst nie vorgekommen. Laut Polizei könnten künftig vermehrt auch Industrie- und Gewerbebetriebe in den Fokus von Einbrechern geraten. Grund dafür ist die Gesetzeslage. Patzker: „Dabei handelt es sich um ein Vergehen, während der Wohnungseinbruchdiebstahl eine Straftat darstellt und härter bestraft wird.“

Polizei setzt vermehrt auf Prävention und Aufklärung

Nicht nur die Polizei ist gefragt, um gegen Einbrecher vorzugehen. Die Beteiligung der Bürger im Kampf gegen die Einbruchskriminalität gehört zum Konzept der Landespolizei. Die setzt seit Jahren vermehrt auf Aufklärung und arbeitet dafür auch mit der Industrie zusammen. Das Ergebnis sind Veranstaltungen wie der „Tag des Einbruchschutz“ im CCA.

„Wir sind bislang verschont geblieben, aber in unserer Nachbarschaft gab es schon viele Einbrüche“, sagt Burkard Schellhorst, der sich über sichere Türschlösser informierte. „Man kann schon eine Menge selbst machen und so das Sicherheitsgefühl verbessern.“

Auch Saskia und Stephan Koiteck besuchten die kleine Messe im ersten Stock des Einkaufszentrums: „Wir sind vor zwei Jahren nach Ahrensburg gezogen und viele unserer Nachbarn haben sich Alarmanlagen einbauen lassen“, sagt Stephan Koiteck. Aber das habe sie dann doch nicht überzeugt. Beide wollen eher auf mechanische Schutzmechanismen setzen, etwa auf eine bessere Sicherung der Haustür und der von der Straße aus nicht sichtbaren Fenster.

Bei Billig-Alarmanlagen mit WLAN wird oft an der Verschlüsselung gespart

Das empfiehlt auch die Polizei. „Wenn ein Täter nach den ersten Versuchen nicht ins Haus kommt, lässt er meistens ab“, sagt Kay Katzenmeier von der Zentralstelle Polizeiliche Prävention des Landespolizeiamtes. Der mechanische Schutz eines Hauses sei essenziell, so der Experte. Dann könne man zusätzlich auch über Alarmanlage nachdenken. Bei Systemen mit WLAN sollte man unbedingt auf eine gute Verschlüsselung achten. Die sei bei günstigen Modellen oft nicht ausreichend. Katzenmeier berichtet von Programmen, mit denen Einbrecher bequem übers Internet nach solchen Billig-Alarmanlagen suchen und sich gegebenenfalls sogar einklinken können.

Auch Videoüberwachung schadet nicht, ist aber für Katzenmeier keine präventive Maßnahme: „Für spätere Ermittlungen können Videoaufnahmen des Täters natürlich wertvoll sein“, sagt Katzenmeier. Aber dann sei das Unglück ja schon passiert und der Täter ist in die Privatsphäre eingedrungen. Überhaupt nichts hält der Polizist dagegen von Kamera-Attrappen: „Die erkennt ein Einbrecher sofort.“