Stormarn
Bargteheide

Vier Männer, ein Ziel: Mit dem Oldtimer zum Nordkap

Wollen den alten Multivan fit  machen (v.l.): Christian Sester-Stehn, Sozialarbeiter Fabian Josten, Saidi Mohamed und Sozialarbeiter Jörn Brücken.

Wollen den alten Multivan fit machen (v.l.): Christian Sester-Stehn, Sozialarbeiter Fabian Josten, Saidi Mohamed und Sozialarbeiter Jörn Brücken.

Foto: Melissa Jahn

Straßensozialarbeiter aus Bargteheide reparieren im Projekt „All Inklusiv Crew“ 25 Jahre alten VW Multivan für Rallye um die Oststee.

Bargteheide.  Sie wollen 7500 Kilometer überwinden, zehn Länder durchqueren und in 16 Tagen zum Nordkap und wieder zurück fahren – das ist der Plan einer Gruppe aus Bargteheide. Die „All Inklusiv Crew“ aus Stormarn bereitet sich auf den Start bei der nördlichsten Abenteuer-Rallye der Welt vor, dem Baltic Sea Circle.

Als inklusives Projekt der Tohus GmbH soll ein VW Multivan, Baujahr 1992, wieder fit gemacht werden. Doch dies bedeutet viel Arbeit. Denn noch steht der Bus fahruntauglich an der Villa Wacker auf dem Grundstück an der Straße An den Stücken. Fabian Josten und Jörn Brücken, Straßensozialarbeiter bei Tohus, sind zuversichtlich, die Aufgabe mit ihrem Team bis zum 16. Juni zu meistern.

„Wir wollen die Menschen nicht nur an etwas teilhaben lassen, sondern gemeinsam mit ihnen etwas von der ersten Minute an erreichen“, sagt Josten über das Projekt. „Jeder kann sich nach seinen Möglichkeiten einbringen.“

Der VW Bulli hat nur 800 Euro gekostet

Tohus betreut Menschen mit psychischen und Suchterkrankungen in Bargteheide. Beim Baltic Sea Circle ist die abschließende Rallye nicht das eigentliche Ziel, sondern der Umbau des Fahrzeugs. „Menschen sollen aus ihrer Komfortzone geholt werden. Wer weder schrauben kann noch mitfahren möchte, kann zum Beispiel Kaffee kochen“, so Josten. „Außerdem werden wir eine Social Media Gruppe einrichten, die uns in der gesamten medialen Welt unterstützen kann.“

Laut Rallye-Bestimmungen muss das Fahrzeug mindestens 20 Jahre alt sein und darf nicht mehr als 2500 Euro gekostet haben. Diese Voraussetzungen erfüllt der Multivan, der bereits 270.000 Kilometer auf dem Buckel hat, mit Grünspan überzogen ist und für 800 Euro zu haben war, ohne Probleme. Nach einer ersten Kontrolle fallen diverse Schweiß- und Lackierarbeiten an, Bremsen und Elektronik müssen erneuert werden. Und auch der Motor scheint nicht fahrtüchtig zu sein.

Jeden Freitag wird am Auto gebastelt

„Die meisten von uns haben keine Erfahrung mit der Reparatur von Autos“, sagt Jörn Brücken von Tohus. „Wir planen, uns mit Fachleuten im Internet zu vernetzen und Workshops mit Kfz-Meistern vor Ort anzubieten. Ob wir alles richtig gemacht haben, wird am Ende der TÜV checken.“

Immer freitags trifft sich die Gruppe in der Villa Wacker. Mitstreiter werden noch gesucht. In dem alten Gebäude können die Straßensozialarbeiter nicht nur einen Raum der Stadt nutzen, sondern auch einen Schuppen als Garage für den alten VW herrichten.

Vier Plätze sind für die große Abschlussfahrt zu vergeben

Mit dabei ist Christian Sester-Stehn. Der 49-Jährige ist körperlich eingeschränkt und mit einem Gehstock unterwegs. Seine langjährige Erfahrung als Maschinenbauer könnte sich als Glücksfall für die Gruppe entwickeln. „Ich bin überzeugt, dass Inklusion nur stattfinden kann, wenn sich Bürger an den Projekten beteiligen“, so Sester-Stehn. Da er nur noch bedingt arbeitsfähig sei, wollte er seine freie Zeit sinnvoll einbringen. „Einen Achtstundentag halte ich nicht mehr durch, aber in Absprache mit der Gruppe wird meine Mithilfe möglich sein.“

Vom Projekt überzeugt ist auch Saidi Mohamed, der sich einen Neuanfang erhofft. Der gebürtige Algerier lebt seit 14 Jahren in Deutschland. Nach einer bewegten Vergangenheit ist der 39-Jährige seit drei Jahren clean. „Die Mitarbeit hilft mir, wieder alles auf die Reihe zu bekommen“, sagt Mohamed. „Dies gehört zu meiner Beschäftigungstherapie.“

Die Rallye ist eine Charity-Veranstaltung

Die Abschlusstour führt rund um die Ostsee über abenteuerliche Straßen durch Skandinavien, Russland und die baltischen Staaten. Vier Plätze sind neben denen der Sozialarbeiter frei, um die Mitternachtssonne am Nordkap zu erleben. „Die Strecke geht nicht über die Autobahn, GPS und Navi dürfen nicht benutzt werden“, sagt Brücken.

Da die Rallye eine Charity-Veranstaltung ist, müssen pro Team 750 Euro für soziale Projekte gespendet werden. Hierfür und für Ersatzteile benötigt die „All Inklusiv Crew“ noch Sach- und Geld- oder auch Zeitspenden.