Stormarn
Bauvorhaben

Reinbeker träumen von neuer Sportanlage

Vorstandsmitglieder des FC voran Ohe (v.l.):  Heinz Pich, Marco Luther und Ronald Gust auf dem Rasenplatz am Amselstieg, der mal wieder gesperrt war

Vorstandsmitglieder des FC voran Ohe (v.l.): Heinz Pich, Marco Luther und Ronald Gust auf dem Rasenplatz am Amselstieg, der mal wieder gesperrt war

Foto: René Soukup / HA

FC Voran Ohe soll nach Neuschönningstedt ziehen. Projekt kostet rund zehn Millionen-Euro. Politiker wollen es über Jahre strecken.

Die roten Bodenkacheln in der Geschäftsstelle des FC Voran Ohe sacken immer mehr ab. Nicht besser sieht es im Abstellraum nebenan aus, wo sich durch feuchte Wände Schimmel gebildet hat. Da hilft auch das Überstreichen mit weißer Farbe nicht mehr. Und der Rasenplatz war unter der Woche für die Fußballer gesperrt – wie so oft bei Niederschlägen. Es fehlt eine Drainage. Kurzum: Die Sportanlage im Reinbeker Stadtteil an der Straße Amselstieg ist marode. Weil der 1200 Mitglieder zählende Verein ohnehin mehr Kapazitäten benötigt, soll er irgendwann umziehen. Für die Stadt wird es kein günstiges Unterfangen. Eine neue Anlage, die den Bedarf deckt, kostet rund zehn Millionen Euro.

Diese Zahl basiert auf einer groben Schätzung der Verwaltung. Sie erstellt gerade eine Vorlage, die in Kürze an die Politiker verschickt wird. „Wir stellen darin auch einen Lageplan vor, wie man zum Beispiel die Plätze positionieren könnte“, sagt Bauamtsleiter Sven Noetzel. Erfülle man alle Wünsche der Sporttreibenden, bewege sich das Projekt im zweistelligen Millionenbereich. Angedacht ist, dass der FC Voran Ohe an die Haidkrugchaussee gegenüber dem Kalksandsteinwerk im Stadtteil Neuschönningstedt eine neue Heimat findet. Diese Variante hatte eine Arbeitsgruppe aus Politik, Verwaltung und Vereinsvertretern als beste Lösung ausgemacht. Auch, weil die Fläche der Stadt gehört. Daraufhin beauftragten die Entscheidungsträger Bürgermeister Björn Warmer mit einer Kostenprüfung.

Zwei Drittel der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche

Details sollen am 21. November im Jugend-, Sport- und Kulturausschuss genannt werden. Unter anderem geht es auch darum, wieviel Geld Reinbek durch den Verkauf der Fläche am Amselstieg einnehmen könnte, um dort Wohnungsbau zu ermöglichen und die Summe in die neue Anlage zu investieren. „Ich gehe von einem Erlös von bis zu vier Millionen Euro aus“, sagt Sven Noetzel. Zudem wird den Politikern präsentiert, wie viel es kostet, die jetzigen Sportstätten auf Vordermann zu bringen. Laut Noetzel sind es zwischen 2,5 und drei Millionen Euro.

Das wäre die Minimallösung. „Sie bringt uns aber nicht weiter“, sagt Roland Gust (58). Der Versicherungskaufmann ist seit sechs Jahren Vorsitzender des FC Voran Ohe und betont, man sei bereits an seine Grenzen gestoßen. „Wir haben potenzielle Mitglieder abgewiesen, arbeiten in Abteilungen mit Wartelisten.“ Vor allem fehlt eine Sporthalle. „Der Vorschlag, eine Dreifeldhalle zu errichten, ist von der Politik gekommen“, erzählt Gust. Sie ist mit rund sechs Millionen Euro der teuerste Posten in dem Großprojekt.

Junge Menschen leiden unter dem Platzmangel

Darüber hinaus benötigt der Verein unter anderem zwei Fußballplätze, im Idealfall aus Kunstrasen, weil dieser Untergrund auch im Winter bei kalten Temperaturen bespielbar ist. Hinzu kommen Sportmöglichkeiten für die Leichtathleten und anstatt jetzt sechs dann acht Tennisplätze.

Derzeit weichen Sparten in Hallen aus, für deren Nutzung der Verein bezahlen muss. So sind die Basketballer in Bergedorf aktiv, für die Fußballer ist die Soccer-Halle im Sportpark Reinbek angemietet. „Und unser Jahrgang 2012 darf nur einmal pro Woche für eine Stunde in einer Kleinfeldhalle spielen, das ist nicht optimal“, sagt Fußball-Schiedsrichter-Obmann Marco Luther, der auch Beisitzer im Vorstand ist. Unter dem Platzmangel haben vor allem junge Menschen zu leiden: Zwei Drittel der Vereinsmitglieder sind Kinder und Jugendliche.

Reinbek hat 25 Millionen Euro Schulden

„Die Situation ist nicht erst seit heute dramatisch. Es geht an die Substanz des Vereins. Wir können jungen Familien nichts anbieten“, sagt Gust. Das passe nicht mit der Wohnungsbauentwicklung zusammen. Im benachbarten Neuschönningstedt wird gerade ein neues Quartier gebaut, wo in zwei Jahren rund 700 Menschen leben werden. Der Vereinschef geht davon aus, dass viele von ihnen dem FC Voran Ohe beitreten möchten.

Die Zustände sind den Politikern seit Jahren bekannt. „Bisher gibt es nur Absichtserklärungen“, sagt Gust. Er habe aber auch Verständnis für die Situation der Stadt ob der anstehenden Großprojekte, in die viel investiert werden muss. Allein die neue Feuerwehrwache und der Kunstrasenplatz für die TSV Reinbek am Mühlenredder kosten rund neun Millionen Euro, der Um- und Anbau am gegenüberliegenden Schulzentrum wird voraussichtlich noch teurer. Finanziell ist Reinbek nicht auf Rosen gebettet. Die mit rund 27.500 Einwohnern zweitgrößte Stadt in Stormarn hat 25 Millionen Euro Schulden.

Option: Erst die Plätze, dann die Halle bauen

Nimmt sie durch den Grundstücksverkauf am Amselstieg vier Millionen Euro ein und wird dem Sportbedarf in Ohe gerecht, sind sechs Millionen Euro für die neue Anlage draufzuzahlen. Kann die Kommune sich das leisten? „Sie muss es. Die Zahlen erschrecken mich nicht, damit musste man rechnen“, sagt Heinrich Dierking, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft Forum 21. Er werde an den Plänen festhalten. „Weil der Sport nicht stiefmütterlich behandelt werden darf.“

SPD-Fraktionschef Volker Müller steht auch zum neuen Standort. Er sagt: „Ich bin dafür, dass man es schrittweise macht, also erst die Fußballplätze und dann die Halle. Wenn wir das in den Jahren 2019 bis 2021 schaffen, ist es schon sportlich.“ Die Option, die Halle später zu erstellen, zieht auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Bernd Uwe Rasch in Betracht. „Wir müssen schauen, was wir finanziell leisten können“, sagt der Liberale. Es wäre aber wünschenswert, die Planungskosten im kommenden Haushalt einzustellen.

Gegen eine Umsiedlung an die Haidkrugchaussee sind die Grünen. Fraktionschef Günther Herder-Alpen: „Wir haben die Idee, ein angrenzendes Feld am Amselstieg für die Halle zu nutzen und die jetzigen Sportplätze zu optimieren.“ Er wisse nicht, ob das machbar sei. Für den Umzug hatte Reinbek einen Sportstättenentwicklungsplan anfertigen lassen – eine Forderung des Landes, weil sich das Areal im Außenbereich befindet. Das Gutachten bestätigt den Bedarf. Experten empfehlen der Stadt, mindestens einen Kunstrasenplatz sowie eine Dreifeldhalle zu bauen.