Elektromobilität

Immer mehr E-Autos rollen durch Stormarn

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Finn Fischer
Manfred Priebsch, Prokurist bei den Vereinigten Stadtwerken, schließt am Montag an der neuen Stromtankstelle am Exer in Bad Oldesloe ein E-Auto an

Manfred Priebsch, Prokurist bei den Vereinigten Stadtwerken, schließt am Montag an der neuen Stromtankstelle am Exer in Bad Oldesloe ein E-Auto an

Foto: Finn Fischer / HA

In Stormarn gibt es 34 Ladestationen. Die Vereinigten Stadtwerke nehmen eine neue in Bad Oldesloe in Betrieb.

Bad Oldesloe.  Elektromobilität fährt in Stormarn auf der Überholspur: Innerhalb weniger Monate hat sich die Zahl der E-Tankstellen im Kreisgebiet mehr als verdoppelt. Auch die Zahl der zugelassenen Elektroautos steigt.

Isa Reher kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Die Klimaschutzmanagerin der Kreisverwaltung verfolgt die Entwicklung mit Begeisterung: „Vor allem die Sachsenwaldregion hat in den vergangenen Monaten stark zugelegt“, sagt Reher zum Abendblatt. Das E-Werk Sachsenwald übernimmt dort die Führung beim Ausbau der Lade-Infrastruktur. Ladesäulen hat der Energieversorger bereits in Reinbek, Glinde, Barsbüttel, Oststeinbek und Wentorf installiert. Weitere sechs sollen 2018 folgen.

Bundesregierung fördert den Bau von Ladesäulen

Fast überall in Stormarn schießen derzeit E-Tankstellen wie Pilze aus dem Boden. Anfang des Jahres gab sich Ina Reher zuversichtlich, dass die E-Tankstellendichte schnell zunehmen werde. Auf etwa 50 innerhalb von ein paar Jahren, lautete damals die vorsichtige Schätzung. Doch die aktuelle Entwicklung übertrifft die Erwartungen. Im Oktober zählte die Kreisverwaltung 34 öffentliche Lademöglichkeiten. Im Januar waren es gerade noch einmal 15 Stück. Bei dem enormen Zuwachs spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen fördert die Bundesregierung derzeit den Bau von Ladesäulen mit einem Zuschuss von bis zu 40 Prozent. Zum anderen ist der Kreis wegen seiner Lage im Hamburger Randgebiet und als Transitregion interessant für den Ausbau. Das ergab auch eine Untersuchung des Landes Schleswig-Holstein. „Im Unterschied zu anderen Kreisen gibt es in Stormarn eigentlich keinen Fleck, an dem eine Ladestation nicht sinnvoll wäre“, sagt Isa Reher. Drei der zehn landesweit besten Standorte liegen in Stormarn. In den größeren Städten und an den Autobahnen ist die Ladestellendichte bereits gut ausgebaut. Entwicklungspotenzial gibt es laut Klimaschutzmanagerin noch in in den ländlicheren Gebieten wie an den Grenzen zu den Kreisen Segeberg und Herzogtum-Lauenburg.

In Stormarns Kreisstadt Bad Oldesloe haben die Vereinigten Stadtwerke jetzt eine weitere Ladesäule ans Netz gebracht. Auf dem Exer-Parkplatz können Besucher der Innenstadt ihre Elektroautos ab sofort aufladen. Es ist die erste Auflademöglichkeit in direkter Nähe zur Oldesloer Innenstadt. Kostenlos ist der Service allerdings nicht. Die Stadtwerke berechnen an der Ladestation mit einer Leistung von 22 Kilowatt den herkömmlichen Preis für den ausgelieferten Ökostrom.

Am Oldesloer Bahnhof könnte weitere Station enstehen

Trotzdem zahle der Energieversorger drauf, heißt es. Dem Unternehmen gehe es bei dem Ausbau weniger um den Gewinn vor Ort: „Für uns ist das eine Investition in die Zukunft“, sagt Prokurist Manfred Priebsch gegenüber dem Abendblatt. Es solle einen Anreiz für den Kauf von Elektroautos schaffen. Je mehr Lademöglichkeiten es gibt, desto attraktiver werde der Kauf von E-Fahrzeugen. „Natürlich wollen wir den Mineralölkonzernen auf lange Sicht etwas von deren Umsätzen streitig machen“, sagt Priebsch. Doch das dürfte noch ein paar Jahre dauern. Bislang lassen sich die wöchentlichen Ladungen an einer Hand abzählen.

Für den Strompoint am Exer haben die Stadtwerke 13 000 Euro ausgegeben. Es soll nicht die letzte „Investition in die Zukunft“ bleiben. Manfred Priebsch sagt: „Wir denken derzeit auch über eine Ladesäule am Oldesloer Bahnhof nach.“ So könnten Pendler künftig ihr Fahrzeug auf dem Park & Ride-Parkplatz aufladen, während sie mit dem Zug zur Arbeit fahren.

Auch immer mehr Firmen schaffen sich E-Fahrzeuge an

Die Möglichkeit, Elektroautos zu laden, wird immer mehr zu einem wirtschaftlichen Wettbewerbsfaktor. So schaffen sich neben Privatpersonen auch immer mehr Unternehmen Elektrofahrzeuge an. Die Deutsche Post hat sogar eigene Fahrzeuge entwickelt. Derzeit sind kreisweit weit mehr als 400 Fahrzeuge mit Elektroantrieb angemeldet, mehr als 100 davon sind reine Elektroautos – Tendenz steigend.

Noch bis Ende Oktober können Gemeinden, Städte und private Investoren bei der Bundesregierung für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur bis zu 40 Prozent Förderung beantragen. Weitere Informationen hat der Kreis Stormarn unter www.kreis-stormarn/go/elektromobil zusammengetragen.

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