Prozess

Angeklagter wirft Richter Nazi-Methoden vor

Seit Monaten dauert der Prozess gegen den Großhansdorfer Erwin T. (Name geändert) vor dem Amtsgericht in Ahrensburg an

Seit Monaten dauert der Prozess gegen den Großhansdorfer Erwin T. (Name geändert) vor dem Amtsgericht in Ahrensburg an

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Vor dem Amtsgericht in Ahrensburg muss sich ein Großhansdorfer Unternehmer wegen Beleidigung verantworten.

Ahrensburg.  „Ich muss mich hier als Nazi und Krimineller beschimpfen lassen, und Sie reagieren nicht darauf“: Diesen Vorwurf machte ein Zeuge dem Richter am Montag in dem seit Monaten andauernden Prozess gegen Erwin T. (Name geändert) vor dem Amtsgericht in Ahrensburg. Richter Paul Holtkamp toleriere das Verhalten des Angeklagten. Der Großhansdorfer Unternehmer muss sich wegen Beleidigung verantworten. Als Zeuge war erneut ein Ahrensburger Anwalt geladen, dessen Befragung nur wenige Minuten dauerte.

Richter Holtkamp hatte nur drei Fragen des Angeklagten an den Anwalt zugelassen, der einen Ahrensburger Internet-Blogger in einem Zivilverfahren gegen Erwin T. vertreten hatte. Dabei hatte der Angeklagte einen ganzen Fragenkatalog eingereicht, doch die meisten seiner Wünsche standen in keinem Zusammenhang mit dem Verfahren.

T. empfindet psychiatrisches Gutachten als Beleidigung

Erwin T. hatte den Zeugen im Zuge der Verhandlung bereits als Nazi-Anwalt bezeichnet und ihm vorgeworfen, Richter bestochen zu haben. Am Montag ergänzte T., dass der Anwalt auf die Anklagebank gehöre, nicht er selbst. Der Zeuge ärgerte sich über diese Unterstellung, zumal Richter Holtkamp auch in dieser Situation geduldig blieb. Er forderte den Angeklagten zur Contenance auf.

Die Ruhe bewahrte T. allerdings nur kurz. Kurz nachdem der Anwalt als Zeuge entlassen worden war, versuchte der Großhansdorfer, den Richter zu provozieren. „Glauben Sie, dass ich psychisch krank bin?“, fragte T. Der Richter hatte vor dem Verfahren ein psychiatrisches Gutachten über T. erstellen lassen. Wie berichtet, kam der Mediziner zu dem Ergebnis, dass T. keine seelische Krankheit habe und voll schuldfähig sei. Jetzt meinte der Angeklagte, dass er das Gutachten als Beleidigung empfinde und Strafantrag stellen könnte. Dann sprach er erneut von Nazi-Methoden.

„Seien Sie vorsichtig“, sagte der Richter, bevor T. sich weiter in Rage reden konnte. Der Prozess soll am 25. Oktober fortgesetzt werden. Dann will der Richter weiter über die 39 Anträge des Angeklagten entscheiden.