Wahl am 24. September

Acht Fragen an die Glinder Bürgermeister-Kandidaten

| Lesedauer: 10 Minuten
René Soukukp
Rainhard Zug (v.l.), Bürgervorsteher Rolf Budde, Frank Lauterbach und Jan Schwartz  bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Bürgermeisterwahl

Rainhard Zug (v.l.), Bürgervorsteher Rolf Budde, Frank Lauterbach und Jan Schwartz bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Bürgermeisterwahl

Foto: Barbara Moszczynski

Bei der Bürgermeisterwahl in Glinde gibt es drei Kandidaten: Amtsinhaber Rainhard Zug sowie Frank Lauterbach und Jan Schwartz.

Am Sonntag, 24. September, ist in Glinde Bürgermeisterwahl. Gegen den Amtsinhaber Rainhard Zug treten die Kommunalpolitiker Frank Lauterbach (SPD) und Jan Schwartz (Grüne) an. Das Abendblatt hat den drei Bewerbern acht wichtige Fragen gestellt.

Warum sollten die Glinder Sie zum Bürgermeister wählen?

Frank Lauterbach: Weil bei mir die Menschen im Mittelpunkt stehen. Wachstum und Modernisierung allein reicht nicht, um Glinde lebens- und liebenswert zu halten. Wer kein Ohr für die Wünsche, Sorgen und Ängste der Menschen hat, wird diese Stadt nicht verstehen.

Jan Schwartz: Ich will erreichen, dass sich die Glinderinnen und Glinder an der Gestaltung ihrer Stadt beteiligen. Mein Ziel ist es, Glinde zur Fahrradstadt zu machen. Ich setze mich zudem für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ein, für sinnvolle Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche und will identitätsstiftende Gebäude wie die Suck’sche Kate erhalten.

Rainhard Zug: Großes ehrenamtliches Engagement, Lebensqualität und gute Zukunftschancen zeichnen unsere Stadt aus. Glinde hat sich erfolgreich entwickelt. Dies ist eine gemeinsame Leistung der Bürger, Vereine, Betriebe, politischen Gremien und einer gut arbeitenden Stadtverwaltung. Engagiert und kompetent möchte ich diesen gemeinsamen Weg zum Wohle Glindes fortsetzen.

Stichwort Bürgerbeteiligung: Wie wollen Sie die Bevölkerung mitnehmen?

Frank Lauterbach: Indem die Verwaltung frühzeitig über anstehende Aufgaben und Vorhaben informiert. Sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch die Politik. Dann folgt das direkte Gespräch, ob in Bürgerversammlungen oder direkt vor Ort mit den jeweiligen Anwohnern. Eine Bürgersprechstunde ist für mich selbstverständlich. Schließlich möchte ich dazu ermuntern, aktiv in Arbeitsgruppen an der Gestaltung mitzuwirken.

Jan Schwartz: Mir schwebt eine Stadtentwicklungsplanung vor, bei der die Bürgerinnen und Bürger ihre Vorschläge von Anfang an einbringen können. Dabei werden in Workshops, gemeinsamen Spaziergängen und Bürgerversammlungen Ideen für ein Konzept gesammelt, über das später die Politik in der Stadtvertretung entscheidet. Wenn wir an einem Strang ziehen, können wir die Identität mit unserer Stadt stärken.

Rainhard Zug: Mit vielen Bürgerinformationsveranstaltungen, Einwohnerversammlungen oder Diskussionen wie zum Beispiel „Glinde 2035“ möchte ich weiterhin wichtige Themen öffentlich machen und so auch die Bevölkerung im Vorwege der Entscheidungen durch die Politik beteiligen. Bürger erreichen mich jederzeit oder erhalten Termine, gerne auch vor Ort. Mit einer neuen Glinde-App und Zeitungskooperationen möchte ich diese Beteiligungen zusätzlich weiter ausbauen und schneller informieren.

Beim Thema Schulfusion kommt es zum Bürgerentscheid. Hätte das durch eine bessere Informationspolitik verhindert werden können?

Frank Lauterbach: Warum sollte das Recht beschnitten werden? Ein Bürgerentscheid ist ein legitimes Mittel der Willensbildung und ausdrücklich vorgesehen. Inhaltlich sind so viele Informationen von Fusionsbefürwortern und -gegnern vorgestellt worden, mehr geht nicht. Das Thema wird seit Jahren offen von Politik und Verwaltung kommuniziert. Wir haben immer wieder auf die anstehenden Probleme hingewiesen.

Jan Schwartz: Schwer zu sagen. Die fehlende Kinder- und Jugendbeteiligung war sicher ein Fehler. Die Ablehnung der Elternschaft der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld war allerdings von Anfang an sehr groß. Selbst das fortgeschriebene Schulentwicklungsgutachten, das eindeutig die Schulfusion für notwendig und realistisch machbar hält, hat nicht zu einer Änderung der Einstellung der Fusionsgegner geführt.

Rainhard Zug: Nein, es haben ja von Beginn an ungezählte öffentliche und nichtöffentliche Gespräche und Sitzungen stattgefunden. Kompromisse wurden bisher abgelehnt. Bei so gegensätzlichen Ansichten zwischen politischer Entscheidung und Bürgern ist es letztendlich gut, dass es zu einem Bürgerentscheid kommt. Diese Entscheidung haben dann alle Beteiligten zu respektieren.

Wenn Sie die Wahl gewinnen: In welchen Bereichen wollen Sie zuerst Akzente setzen?

Frank Lauterbach: Eine meiner ersten und wichtigsten Aufgaben wird das Thema Personalführung sein. Wichtig ist auch die Versöhnung zwischen Schulfusionsbefürwortern und -gegnern, damit wir gemeinsam konstruktiv an Lösungen arbeiten können. Weitere aktuelle Themen werden die eigene Verkehrsaufsicht sowie intensive Gespräche mit dem örtlichen Gewerbe und Vereinen. Ich möchte eine Kultur von Gemeinsamkeit festigen.

Jan Schwartz: Als erstes möchte ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenlernen. Denn eine gute Zusammenarbeit ist die Grundlage für die weitere Arbeit. Danach gehen wir die Ziele im Team an: die Innenstadt gestalten, Glinde zur Fahrradstadt machen, uns für bezahlbaren Wohnraum einsetzen. Jeder hat seinen Platz in Glinde und soll mitreden. Nach dem Bürgerentscheid werden die Schulen weiter ein ganz wichtiges Thema bleiben.

Rainhard Zug: Drei Schwerpunkte stehen bei mir an erster Stelle: die gemeinsame Erarbeitung eines Konzeptes für die Entwicklung unserer Ortsmitte mit umfangreicher Beteiligung der Eigentümer, Mieter, Bürger und Unternehmen, die Verbesserung der Sauberkeit in der Stadt und vor allem die weiterhin sichere Leitung der Verwaltung und der Finanzen.

Die Stadt Glinde hat 10,5 Millionen Euro Schulden. Wie wollen Sie diese abbauen?

Frank Lauterbach: Die meisten großen Projekte sind in Arbeit. Es fehlen aber noch kostenintensive Vorhaben wie Straßenausbau und die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft oder einer vergleichbaren Form, um den geförderten Wohnungsbau voranzubringen. Der Schuldenabbau wird nur langfristig möglich sein. Ich erwarte bei den geplanten Vorhaben auch mehr Unterstützung durch Bund, Land und Kreis. Wir müssen alle Fördermöglichkeiten ausschöpfen, um Kosten zu senken.

Jan Schwartz: Solange die Zinsen so niedrig sind wie jetzt, hat es Sinn ergeben, Kredite aufzunehmen. Wir kommen jetzt langsam an einen Punkt, wo der Schuldendienst Gefahr läuft, bei weiteren Kreditaufnahmen zu hoch zu werden. Ich will ausgeglichene Haushalte vorlegen, die es erlauben, die Abschreibungen durch wirtschaftliche und sparsame Haushaltsführung auszufinanzieren und Kredite zu tilgen. Außerplanmäßige Einnahmen will ich zur Schuldentilgung verwenden.

Rainhard Zug: Von 2011 bis 2016 hat die Stadt mehr als 18 Millionen Euro an Jahresüberschüssen erwirtschaftet, gleichzeitig 32 Millionen Euro investiert, aber auch 4 Millionen Euro Kredite aufgenommen. Durch eine geringe Rücknahme und zeitliche Streckung der Investitionen würde die Stadt keine neuen Kredite benötigen und kontinuierlich Schulden abbauen. Somit könnten jährlich rund 750.000 Euro für Zins und Tilgung gespart werden.

Nennen Sie drei Dinge, die Sie besser als Ihre Mitbewerber können?

Frank Lauterbach: Falsche Frage oder falscher Adressat. Ich werde mich nicht über meine Mitbewerber stellen. Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Wer der Beste ist, entscheiden einzig die Bürgerinnen und Bürger Glindes. Meine Stärken sind zuhören, verstehen und lösungsorientiert arbeiten.

Jan Schwartz: Ich möchte nicht über meine Mitbewerber urteilen. Ich kenne mich gut aus in der Stadt und weiß um ihre Stärken und ihre Probleme. Ich möchte immer ansprechbar für die Bürgerinnen und Bürger sein und gemeinsam mit ihnen die Stadt entwickeln und verbessern. Ob ich das besser kann als meine Mitbewerber, müssen die Wählerinnen und Wähler am Sonntag entscheiden.

Rainhard Zug: 220 Mitarbeiter, 35 Millionen Euro Jahresumsatz. Kurz: Das Amt des Bürgermeisters als Verwaltungschef ist mit vielfältigen juristischen, wirtschaftlichen, personellen und persönlichen Anforderungen verknüpft. Ich verfüge über die erforderliche fachliche und soziale Kompetenz, die Verwaltung erfolgreich zu führen, Konzepte voranzubringen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Wie stehen Sie zur Erhöhung von Grundsteuern, um Projekte zu finanzieren?

Frank Lauterbach: Ich sehe keine Notwendigkeit von Steuererhöhungen. Wir liegen mit unseren Hebesätzen schon im oberen Bereich. Projektfinanzierung bedeutet auch, sich starke Partner ins Boot zu holen. Es bedeutet auch, alle Fördermöglichkeiten auszuschöpfen. Schließlich kann es auch bedeuten, Projekte aus Vernunftgründen erst später zu realisieren. Wichtig ist immer, verschiedene Ziele abzuwägen und am Ende eine konsensfähige Lösung zu erarbeiten.

Jan Schwartz: Projekte sind immer aus laufenden Haushaltsmitteln zu finanzieren. Falls aber demnächst die Landesregierung die Steuerfinanzierung der Straßenunterhaltung erlaubt, will ich mich für die Abschaffung der Anliegerbeiträge einsetzen. Bürger werden damit durch den Wegfall zum Teil fünfstelliger Beiträge, die Verwaltung durch Einsparung bei der Beitragserhebung entlastet. Dafür würde ich eine geringe Erhöhung der Grundsteuer in Kauf nehmen, da langfristig alle profitieren.

Rainhard Zug: Diese Entscheidung trifft die Stadtvertretung, nicht der Bürgermeister. Wenn die Politik keine zusätzlichen Aufgaben und Investitionen beschließt, sehe ich bei der aktuellen guten Konjunktur und positiven Haushaltslage der Stadt keine Notwendigkeiten für Steuererhöhungen.

Glinde heute und 2025: Was ändert sich in der Zeit, wenn Sie Bürgermeister sind?

Frank Lauterbach: Die Stadt besinnt sich auf ihre Stärken, ihre Menschen. Die sozialen und Freizeiteinrichtungen stehen nicht im Widerspruch zum Wachstum, sondern sind ein entscheidender Teil zu mehr Miteinander. Der Marktplatz wird zum Treffpunkt für alle Generationen. Niemand wird ausgeschlossen. Die gegenwärtig noch schlecht angebundenen Ortsteile oder Einrichtungen führen durch verbesserten Nahverkehr zu mehr Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Der Ausbau der Radwege macht Glinde noch mehr zu einer Stadt der kurzen Wege.

Jan Schwartz: Glinde ist spätestens 2025 Fahrradstadt, die Verkehrssituation hat sich entspannt, immer mehr Menschen lassen das Auto stehen und steigen um. Es gibt wieder mehr und hoffentlich ausreichend bezahlbaren Wohnraum. Die Glinderinnen und Glinder engagieren sich für ihre Stadt und arbeiten bei Projekten mit. Es ist uns gelungen, Glinde als junge Stadt im Grünen zu erhalten, die Bürger identifizieren sich mit ihr.

Rainhard Zug: Digitale Verwaltungsangebote werden in allen Bereichen den Gang in das Rathaus ersetzen, die Sanierung der städtischen Infrastruktur wird weiter stark vorankommen, und das neue Ortsmittenkonzept wird umgesetzt. Glinde ist weiterhin ein attraktiver Standort zum Wohnen, Arbeiten und Leben, und viele Menschen engagieren sich in unserem Gemeinwesen – hierfür werde ich mich einsetzen.

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