Glinde

Der Bürgermeister will’s noch mal wissen

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René Soukup
Glindes Bürgermeister Rainhard Zug mit seiner Frau Margitta und den Kindern Laura (16) und Leonie (12) im Garten ihres Hauses in Groß Rönnau

Glindes Bürgermeister Rainhard Zug mit seiner Frau Margitta und den Kindern Laura (16) und Leonie (12) im Garten ihres Hauses in Groß Rönnau

Foto: René Soukup / HA

Amtsinhaber Rainhard Zug tritt erneut als Bürgermeisterkandidat an. Das Abendblatt stellt den letzten der drei Bewerber vor.

Glinde.  Der Mann hat einen langen Atem. Viermal ist Rainhard Zug beim Hamburg-Marathon mitgelaufen. Seine Bestzeit über die 42,195-Kilometer-Strecke liegt bei drei Stunden und 26 Minuten. „Gerade in der Vorbereitungszeit ist man mitunter ziemlich einsam“, sagt der 46-Jährige und meint damit das monatelange Training ohne Partner.

Einsam ist er auch in seinem Job als Glinder Bürgermeister. Nicht oft, aber manchmal. Allein steht Zug zum Beispiel mit dem Wunsch da, die Fusion der Gemeinschaftsschulen Wiesenfeld und Sönke-Nissen erst in zwei oder drei Jahren zu verwirklichen, damit am Schulzentrum noch umgebaut werden kann. Die Politik folgte ihm nicht, beschloss die Zusammenlegung für den Sommer 2018. Das Projekt könnte kippen, denn eine Elterninitiative hat dagegen mobil gemacht. Am 24. September kommt es zum Bürgerentscheid.

CDU unterstützt den parteilosen Amtsinhaber

An jenem Tag entscheidet sich auch die berufliche Zukunft von Zug. Dann wählt die 18.600-Einwohner-Stadt ihren Bürgermeister. Der Amtsinhaber, seit April 2010 Rathauschef und Vorgesetzter von 220 Mitarbeitern, kandidiert erneut. Zusammen mit den Parteien hat er in den vergangenen Jahren einiges erreicht, zum Beispiel die Betreuung in den Kindertagesstätten ausgebaut. Auch ist in der Zeit ein Seniorenzentrum mit neuen betreuten Wohnformen entstanden.

Doch seine Mission ist noch nicht beendet, findet der gebürtige Reinbeker. Zug sagt: „Wenn der Bürger nach Qualität geht, muss er mich wählen.“ Einen Plan B, falls es schief geht, habe er nicht. Und fügt schnell hinzu: „Den benötige ich auch nicht.“

Aussagen wie diese dokumentieren sein Selbstbewusstsein. Zug ist ein Mann mit eloquentem Auftreten, der seine Worte bewusst wählt. Aggressivität liegt ihm fern. Es gibt aber auch Kritik an seiner Amtsführung. Der Grünen-Ortsvorsitzende Jan Schwartz und SPD-Fraktionschef Frank Lauterbach sind der Überzeugung, sie könnten den Job besser machen. Beide treten bei der Bürgermeisterwahl gegen Zug an.

Der Amtsinhaber sagt, der Gegenwind aus der Politik sei heftiger geworden, seit die Konkurrenten ihre Kandidatur bekanntgegeben haben. „Anträge der SPD wurden nicht mehr wie früher mit mir abgestimmt.“ Die CDU unterstützt den Parteilosen in dessen Bestreben, im Amt zu bleiben.

Den Wahlkampf finanziert er selbst

Seinen Wahlkampf finanziert der Rathauschef indes aus dem eigenen Portemonnaie. Immerhin 9000 Euro für Flyer, Plakate und die Internetseite hat er ausgegeben. Dort sind 21 Punkte aufgeführt, die ihm am Herzen liegen und wie er Glinde voranbringen will. Darunter ist auch ein Ortsmittekonzept, das Zug mit den Bürgern entwickeln möchte. Geplant sind Workshops mit einem Moderator.

Was ihm noch wichtig ist? Der Ausbau der digitalen Angebote der Verwaltung für die Bürger und Glinde zu entschulden. Die Stadt hat Kredite über 10,5 Millionen Euro, allerdings auch von 2011 bis Ende vergangenen Jahres 32 Millionen Euro investiert. Zudem will Zug Glinde innerhalb von drei Jahren zur saubersten Stadt Stormarns machen. „Das Thema wird zur Chefsache.“

Sauberkeit ist ihm wichtig, auch in den eigenen vier Wänden. Der Bürgermeister lebt mit seiner Frau Margitta (48) sowie den Töchtern Laura (16) und Leonie (12) in einem schmucken Einfamilienhaus mit rotem Backstein im 600 Einwohner zählenden Groß Rönnau nahe Bad Segeberg. Die Räume sind in hellen Farbtönen gehalten, es ist blitzblank. Daran ändert auch Benny nichts, das jüngste Familienmitglied. Der kleine Kater hat dort vor vier Wochen ein neues Zuhause gefunden.

Einen Umzug nach Glinde hatte Rainhard Zug angekündigt, als er das erste Mal kandidierte. Doch die Familie entschied sich dann anders. Die Gründe sind plausibel. Zum einen bekomme man in Glinde nichts Vergleichbares zum selben Preis, sagt der Bürgermeister. Genauso wichtig: Omas und Opas leben in unmittelbarer Nähe, sind auch Bezugspersonen für die Töchter, die dann doch nicht aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen werden sollten.

Der Diplom-Verwaltungswirt ist auch handwerklich begabt

Das Haus, Baujahr 1998, haben die Zugs mithilfe eines Architekten entworfen und beim Bau auch viele Dinge selbst erledigt. „Über mehrere Wochen und unter Anleitung. Ich habe Fenster eingebaut und Elektroleitungen verlegt“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt. Damals konnte er als kaufmännischer Leiter der Volkshochschule Norderstedt noch Überstunden abbummeln. Weitere Positionen in der Stadt waren die des Referenten für den Oberbürgermeister und Leiter des Rechnungsprüfungsamtes.

Inzwischen sind seine Arbeitstage länger geworden mit einer 60-Stunden-Woche ohne Freizeitausgleich. Das gehört laut Zug zum Job eines Bürgermeisters. Und es macht ihm nichts aus. Das Frühstück mit der Familie will er aber nicht missen, ebenso das gemeinsame Kochen am Wochenende.

„Dass ich nicht in Glinde lebe, hat keine negativen Auswirkungen auf die Arbeit“, sagt der Verwaltungschef. Er sei präsent in der Stadt und zum Beispiel bei jeder Demonstration gegen den Thor-Steinar-Laden mit seiner bei Rechten beliebten Kleidung dabei gewesen. Das Geschäft ist mittlerweile geschlossen worden. Auch habe er nachts schon mal um 23 Uhr die Qualität der Straßenbeleuchtung überprüft.

Viel Einsatz musste Zug auch beim Wohnbauprojekt Altes Gleisdreieck zeigen, um ein Scheitern zu verhindern. Dass es auf der Kippe stand, daran ist die Verwaltung nicht ganz unschuldig. Nach der Beschwerde einer Bürgerinitiative kam heraus, dass Glinde ein städtisches Grundstück zu günstig an den Investor verkauft hatte. Kurios: Bei der Bewertung der Fläche orientierte sich die Stadt an der Berechnung des Gutachterausschusses des Kreises.

Das Unternehmen Semmelhaack musste schließlich draufzahlen, baut in der City nun aber weniger Sozialwohnungen als ursprünglich angedacht. Das ist der Kompromiss. Im Rückblick sagt Zug: „Es wäre sicher besser gewesen, ein anderes Verfahren für den Grundstücksverkauf zu wählen.“

Anwohner sind trotzdem sauer auf die Politik und den Bürgermeister, denn das Bauvorhaben können sie nicht mehr verhindern. Demnächst geht es los an der Straße Am Sportplatz. Zug sagt, es sei bei den unterschiedlichen Interessenlagen immer schwer, es jedem recht zu machen.

Flexible Termine statt feste Bürgersprechstunde

Eine feste Bürgersprechstunde hat er übrigens nicht, möchte zeitlich flexibel sein und sich auch nach dem Gegenüber richten können. „Jeder, der anruft, bekommt einen Termin.“ Einen solchen, der in Stein gemeißelt ist, hat auch der Rathauschef für sein Hobby: Jedes Jahr macht er beim Adventslauf um den Ratzeburger See mit, immerhin eine 26-Kilometer-Strecke. Am Start sind dann viele Freunde, von Einsamkeit ist also keine Spur.

Sein kurzfristiges Ziel ist, Bürgermeister in Glinde zu bleiben. Abseits vom Beruf hat sich Zug auch so einiges vorgenommen. Er sagt: „Ich möchte einmal 15 Kilometer über die chinesische Mauer joggen oder den New-York-Marathon laufen.“ Mit der Umsetzung rechnet der Bürgermeister allerdings nicht so schnell. Das ist für ihn aber überhaupt kein Problem. Denn der Mann hat ja einen langen Atem.

Podiumsdiskussion mit allen Kandidaten am 8. September

Am 24. September bei der Bürgermeisterwahl können alle Glinder ab 16 Jahren abstimmen. Neben Rainhard Zug kandidieren SPD-Fraktionschef Frank Lauterbach und der Grünen-Ortsvorsitzende Jan Schwartz.

Der Bürgermeister wird für acht Jahre gewählt. Für den Sieg im ersten Wahlgang benötigt ein Bewerber die absolute Mehrheit, also mehr als 50 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Gelingt das nicht, kommt es am Sonntag, 8. Oktober, zu einer Stichwahl.

Am Freitag, 8. September, stellen sich die drei Kandidaten der Öffentlichkeit bei einer Podiumsdiskussion im Marcellin-Verbe-Haus (Markt 2) vor. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Moderator ist Bürgervorsteher Rolf Budde (CDU). Zuschauer haben dann auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

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