Stormarn
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Fußball gucken in der Kneipe? Wirte müssen draufzahlen

Lennart und Kristian Harms vor dem Fernseher im Dorfkrug in Ammersbek

Lennart und Kristian Harms vor dem Fernseher im Dorfkrug in Ammersbek

Foto: Jendrik Neumann / HA

Sky stoppt Übertragung der Freitagsspiele der Bundesliga. Viele Stormarner Gastronomen erwerben jetzt ein Eurosport-Abonnement.

Ahrensburg.  Heute hat das Warten für Millionen Fußball-Fans ein Ende. Die Bundesliga-Hinrunde 2017/18 beginnt. Doch die Freitagsspiele der Bundesliga und auch einige Partien am Sonntag oder Montag werden nicht mehr vom Pay-TV-Sender Sky übertragen. Eurosport hat sich die Rechte gesichert. Das hat auch für Gastronomiebetriebe Folgen, bei denen Gäste die Fußballspiele verfolgen können. Die Lokale besitzen kein Abonnement für Eurosport und können die Freitagsspiele nicht mehr zeigen.

Für das Zusatz-Abo werden im Jahr knapp 30 Euro fällig

Seit dieser Woche gibt es eine Wende im Streit zwischen Sky und Eurosport. Gastronomen können über ihren Sky-Vertrag hinaus auch ein Abonnement mit Eurosport abschließen. Das kostet 29,90 Euro im Jahr. Die Spiele über Eurosport können allerdings nur mithilfe einer schnellen Internetleitung empfangen werden. Damit kann noch nicht jede Bar dienen.

„Wir haben nicht die stabilste Internetverbindung“, sagt Stephan Willer, Betreiber des Freizeitzentrums Lohe in Bargteheide. Je nach Bedeutung des Spiels kämen an einem üblichen Freitag zwischen 30 und 80 Gäste in die Sportsbar. „Bei Heimspielen des HSV sind es etwas weniger, viele sind dann im Stadion“, sagt der 51-Jährige. Allein von den ersten vier Spielen des Nordclubs wird nur eine Partie bei Sky übertragen. Er will das zusätzliche Paket von Eurosport kaufen. „Wir sind ja auf die Gäste angewiesen“, sagt Willer, der seit mehr als zehn Jahren zum Public Viewing einlädt. Ohne den Zukauf müsse er mit Einnahmeverlusten von etwa 600 bis 900 Euro pro Spiel des HSV rechnen. Für sein Sky-Abonnement zahlt Willer etwa 500 Euro im Monat.

Viele verunsicherte Gäste erkundigen sich bei den Wirten

Ähnlich sieht das Heiko Siems, der seit zwei Jahren das „Rockefeller“ in Ahrensburg betreibt. Der Sky-Vertrag des Restaurants läuft am 31. August aus. „Ich weiß noch nicht, ob ich ihn verlängern werde, es rentiert sich nicht“, sagt Siems, der 865 Euro im Monat für sein Abonnement zahlt. Dafür haben die Gäste die Möglichkeit, Bundesligaspiele auf vier verschiedenen Fernsehern und einer Leinwand zu gucken. Sollte er nicht kündigen, würde Siems auch das Eurosport-Paket buchen. „30 Euro im Jahr sind ja im Vergleich ein Schnäppchen“, sagt der 34-Jährige und lacht.

Nicht nur die Wirte sind mit der rechtlichen Situation unzufrieden. Das kommt auch bei den Gästen an. „Ein Großteil der Gäste ist verunsichert und fragt uns, was wir zeigen können“, sagt Stephan Willer. Er akzeptiert die Rechtevergabe, zeigt sich aber von den Sky-Vertretern enttäuscht. „Wenn ich nachgefragt habe, bin ich meistens auf taube Ohren gestoßen“, sagt Willer. „Stattdessen werde ich darauf verwiesen, dass Sky selbst immer noch 93 Prozent der Spiele zeigt und andere tolle Sportangebote – wie zum Beispiel die Formel 1 – im Programm hat.“

So denkt auch Kristian Harms vom Restaurant „Zum Dorfkrug“ in Ammersbek. Er freue sich, dass er Eurosport nun auch als Gastronom kaufen kann. „Wir werden das Paket notgedrungen dazukaufen“, sagt der 30-Jährige zum Abendblatt. „Über die ganze Saison betrachtet wird es sich wahrscheinlich lohnen.“ Harms werde die Spiele mithilfe seines Laptops, der an den Fernseher angeschlossen wird, übertragen. Wer heute Abend das Eröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga sehen möchte, kann das im Free-TV (ZDF) tun. Dazu laden alles Sportsbars ein.