Stormarn
Jugendamt

Zahl der Inobhutnamen erreicht Höchststand im Kreis

Immer mehr Kinder in Stormarn müssen in Obhut genommen werden

Immer mehr Kinder in Stormarn müssen in Obhut genommen werden

Foto: Patrick Pleul / dpa

Zahlen steigen vor allem durch minderjährige Flüchtlinge, die bei Einreise vorläufig in Obhut genommen werden müssen.

Bad Oldesloe.  Die Jugendämter in Schleswig-Holstein müssen immer häufiger zum Schutz von Kindern und Jugendlichen eingreifen. Das trifft besonders auf Stormarn zu, wo die Zahlen im Jahr 2016 um 80 Prozent gestiegen sind. Auf Schleswig-Holstein bezogen erhöhte sich die Zahl der Eingriffe um 20 Prozent. Auch das ist ein neuer Höchststand, wie die Zahlen des statistischen Landesamtes belegen.

Zahlen steigen hauptsächlich wegen minderjährigen Flüchtlingen

Zu dem sprunghaften Anstieg ist es im Zuge der Flüchtlingskrise gekommen“, sagt Sabine Schmidt vom Jugendamt in Bad Oldesloe. Ein Großteil der vorläufigen Schutzmaßnahmen sei – wie auch im Land – auf unbegleitete minderjährige Ausländer zurückzuführen, die bei ihrer Einreise von Rechts wegen in Obhut genommen werden müssen, so die stellvertretende Fachdienstleiterin. Dass es so viel mehr als im Landesschnitt waren, erklärt sie sich mit dem guten Ruf, den die Unterbringung im Kreis genieße. „Die Meisten kamen direkt hierher, hatten vom Kinder- und Jugendhaus St. Josef in Bad Oldesloe gehört und wurden nicht vom Land zugewiesen“, sagt sie.

Von 194 Inobhutnahmen in 2016 entfielen 106 auf unbegleitete Minderjährige. „Normal“ sei die Verteilung zuletzt 2014 gewesen, als von 70 vorläufigen Schutzmaßnahmen lediglich acht auf diese Gruppe entfielen. Mit dem Abflauen des Flüchtlingsstroms sei deren Zahl jedoch stark zurückgegangen: „Seit Anfang 2017 gibt es praktisch keine neuen Fälle mehr“, sagt Schmidt. Die Kreisbehörde hatte für die Bearbeitung dieser Fälle zwei neue Stellen bekommen. „Die Politik hat auf unsere Anfrage schnell reagiert“, sagt Schmidt. Sie sollen nun zur Weiterbetreuung bestehen bleiben.

80 Prozent der unbegleiteten Minderjährigen aus Afghanistan

Besorgniserregend sei, dass die Zahl der vorläufigen Schutzmaßnahmen auch ohne die Flüchtlinge ansteigt. Sie haben sich von 62 Fällen in 2014 auf 88 in 2016 erhöht. Grund dafür seien akute Kindeswohlgefährdungen, wie die Überforderung der Eltern, Beziehungsprobleme in der Familie oder Schwierigkeiten bei der Integration in ein Heim oder die Pflegefamilie. Vernachlässigung, Gewaltanwendung oder Missbrauch können Anlässe sein, bei denen das Jugendamt sofort tätig wird.

Bezogen auf die Zahlen aus ganz Schleswig-Holstein war die Mehrheit (53 Prozent) der in Schutz genommenen Kinder und Jugendlichen im Alter von 16 bis unter 18 Jahren, 24 Prozent 14 oder 15 Jahre, der Rest jünger. Nach Angaben des Jugendamtes in Stormarn kommen 80 Prozent der hiesigen unbegleiteten Minderjährigen aus Afghanistan, der Rest überwiegend aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern und dem Balkan, Syrer sind kaum darunter.