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Ammersbek

Streit um Quartierszentrum: Pastor gibt Amt ab

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Ralf Weisswange tritt vom Vorsitz des Kirchengemeinderates in Hoisbüttel zurück. Auch dessen Finanzchef legt sein Amt nieder.

Ammersbek.  Für Politik und Verwaltung in Ammersbek kam die Nachricht völlig unerwartet: Pastor Ralf Weisswange hat sein Amt als Vorsitzender des Kirchengemeinderates niedergelegt. Auch Uli Ulbricht, Vorsitzender des Finanzausschusses, ist zurückgetreten. Beide geben mit diesem Schritt die Verantwortung für das umstrittene Quartierszentrum ab, mit dem die Kirche im Ammersbeker Ortteil Lottbek gerettet werden soll.

Bürgermeister Horst Ansén hat die Politik über die Rücktritte am Dienstagabend bei der Sitzung der Gemeindevertreter informiert. „Beide gaben persönliche Gründe für ihre Entscheidungen an“, sagt Ansén und fügt hinzu: „Pastor Weisswange möchte sich auf seine Kernaufgabe als Pastor konzentrieren und weiter keine Aufgaben im Zusammenhang mit dem Quartierszentrum übernehmen.“ Auch Uli Ulbricht, der quasi Projektleiter war, habe sich überfordert gefühlt. Der Rentner, der sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde engagiert, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auch Pastor Ralf Weisswange wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Damit bleibt die Frage, wie es jetzt mit der Kirchengemeinde Hoisbüttel weitergehen soll. Wie berichtet, hat der Kirchenkreis Hamburg-Ost das Gotteshaus An der Lottbek als nicht mehr förderungsfähig eingestuft. Das heißt, für die Erhaltung des Gebäudes muss die Gemeinde selbst aufkommen. Kann sie dies nicht, droht ihm das Aus.

SPD glaubt nicht mehr an eine Umsetzung des Projekts

Um dies zu verhindern, hat die Kirchengemeinde gemeinsam mit der Ammersbeker Verwaltung und dem Kirchenkreis Hamburg-Ost eine Lösung gefunden : Die Kirchengemeinde verpachtet ihr rund 3000 Quadratmeter großes Grundstück an einen Investor. Dieser lässt die alte Kirche abreißen und baut ein Quartierszentrum, in dem Gottesdienste stattfinden können. Die Kirchengemeinde zahlt dafür Miete. Vertraglich ist vereinbart, dass der Erbpachtzins mindestens die Mietkosten deckt. Ferner könnte die Kirche die Räume weitervermieten. Damit sich ein solches Vorhaben auch für den Investor rentiert, will er Wohnungen auf dem Kirchenareal bauen und vermieten. In einem ersten Entwurf ist ein mehrgeschossiges Haus mit 35 Einheiten geplant. Die Fraktionen in Ammersbek befürworten das Konzept, allerdings ist allen der erste Entwurf des Mehrfamilienhauses zu massiv.

Auch bei den Anwohnern formierte sich heftiger Widerstand einer Bürgerinitiative . Diese kritisiert, dass rund um die Kirche nur eingeschossig gebaut werden darf und nun eine Ausnahme gemacht werden soll. Ferner präsentierte die Initiative auch Ideen, wie die Kirche ohne Investor gerettet werden könnte. Dies war der Grund, warum der Aufstellungsbeschluss für eine Änderung des Bebauungsplan bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses auf Antrag der SPD von der Tagesordnung genommen wurde. Die Politiker wollen zunächst abwarten, ob ein Arbeitskreis, gegründet aus Mitgliedern der Initiative und der Kirchengemeinde, andere Lösungen für den Erhalt der Kirche findet. Doch mit den Rücktritten hat die Bürgerinitiative IGEL (Interessen-Gemeinschaft erhaltenswertes Lottbek) ihre Ansprechpartner verloren. „Wir wissen jetzt auch nicht, wie es mit dem Arbeitskreis weitergehen soll“, sagt Initiativen-Sprecherin Andrea Beeck.

Laut Remmer Koch, Sprecher des Kirchenkreises Hamburg-Ost, soll weiterhin an der Zusammenarbeit mit dem Investor festgehalten werden. Gabriela Späte, Vorsitzende der FDP-Fraktion in Ammersbek, vermutet, dass massive Anfeindungen der Grund für die Rücktritte sind. Dennoch hofft sie, dass das Projekt damit jetzt nicht gestorben ist.

Weniger optimistisch ist hingegen der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Ehrig: „Die Kirche hat sich wohl verkalkuliert und die Gemeinde gebeten, sich an den Betriebskosten von jährlich 18.000 Euro für das Quartierszentum zu beteiligen. Doch es wird von uns kein Geld geben.“ Ferner habe der Investor signalisiert, dass sich weniger Wohnungen nicht rentieren. „Somit glaube ich nicht mehr daran, dass das Projekt noch umgesetzt wird.“