Stormarn
Prozess

Pöbler redet sich vor Ahrensburger Gericht in Rage

Das Amtsgericht in Ahrensburg

Das Amtsgericht in Ahrensburg

Foto: Christian Thiesen

Wegen Beleidigung angeklagter Großhansdorfer fühlt sich von Anwesenheit seines Kontrahenten provoziert. Angeklagter hält Monolog.

Ahrensburg.  „Idiot“, „Nazi-Oberaufseher“ und „Kasper“ – am fünften Verhandlungstag gegen Erwin T. (alle Namen geändert) vor dem Amtsgericht in Ahrensburg kam es gleich zu Beginn zu einer Eskalation. Wutentbrannt und pöbelnd verließ der 58-Jährige, der wegen Beleidigung angeklagt ist, nach kurzer Verhandlung den Saal. Grund für die verbalen Ausraster: Sein Erzfeind, der Ahrensburger Blogger Horst L. (72) saß mit seiner Frau im Publikum.

Erwin T. schrie: „Ich kann diesen Menschen nicht mehr ertragen.“ Der Großhansdorfer fühle sich durch die Anwesenheit des Rentners provoziert. „Wenn L. seine Internetseite nicht betreiben würde, würden wir hier alle nicht sitzen“, sagte der Umzugsunternehmer, der zuvor per Beweisantrag gefordert hatte, Horst L. und dessen Frau des Saales zu verweisen. Der Angeklagte begründete das damit, dass L. noch als Zeuge in Betracht komme.

Das sahen der Richter und der Staatsanwalt jedoch anders. Wie berichtet, waren beim letzten Verhandlungstag alle Anklagepunkte, bei denen es um Beschimpfungen von T. gegen seinen Kontrahenten ging, fallen gelassen worden. Das begründete der Richter damit, dass bei gegenseitigen Beleidigungen beide Parteien straffrei bleiben. Somit wurde der Ahrensburger L. als Zeuge entlassen.

Einlassung auf 25 Seiten verfasst

Am Freitag nun konnte L. als Zuschauer im Saal Platz nehmen, als der Prozess gegen den Umzugsunternehmer aus Großhansdorf nach einer Pause fortgesetzt wurde, in der sich T. wieder beruhigt hatte.

Erwin T. wird zur Last gelegt, neben dem Blogger auch Anwälte und Richter als „Nazis“ oder „Betrüger“ beleidigt zu haben. Während des etwa acht Jahre währenden Streits mit Horst L. trafen sich beide immer wieder vor Gericht. Die Anwälte, die L. vertraten, und die Richter, die offenbar gegen den Großhansdorfer entschieden, wurden laut Anklage ebenfalls immer wieder beschimpft.

Die Beleidigung eines Anwaltspaares versuchte Erwin T. in einem mehrstündigen Vortrag zu erklären. Seine Einlassung hatte er zuvor auf 25 Seiten verfasst. Auch diese Einlassung begann chronologisch mit dem Streit mit L.

Es war ein ermüdender Monolog, in dem er sogar Zusammenhänge zwischen seinem Prozess und der Gewalt während des G20-Gipfels in Hamburg erdachte. Allen Prozessbeteiligten empfahl er Bücher, berichtete zudem über Krankheiten von Zuhörern. Für das Verfahren war hingegen relevant, dass ihn das Anwaltspaar beleidigt habe. Richter und Staatsanwalt zeigten bei dem Vortrag erneut viel Geduld. Auch als T. sagte, auf Nachfragen schriftlich zu antworten. T.: „Ich habe das Gefühl, sie wollen mir eine Falle stellen. Wenn der Deutsche zu freundlich ist, muss man aufpassen.“