Wohltätigkeit

Ahrensburgs Regenten für den guten Zweck

Der neue Präsident vom Rotary Club Carsten Bona (l.) und sein Vorgänger Ingmar Grambow

Der neue Präsident vom Rotary Club Carsten Bona (l.) und sein Vorgänger Ingmar Grambow

Foto: Sebastian Knorr / HA

Rotary, Round Table, Lions: Serviceclubs haben das Image, elitär zu sein. Zu unrecht, sagen fünf Ahrensburger Präsidenten.

Ahrensburg.  Die Leuchter tauchen den Raum Regent im Ahrensburger Park Hotel in ein angenehmes Licht. Weiße Decken liegen auf den runden Tischen. Die Abendgesellschaft hat Platz genommen, redet, trinkt. Man kennt einander. Etwa 40 Freunde sind zusammengekommen, um Ingmar Grambow zu verabschieden und Carsten Bona als neuen Präsidenten vom Rotary Club Ahrensburg Schloss zu begrüßen. Geschäftsführer sind darunter, Rechtsanwälte, Ärzte, Manager, Hoteliers.

Fünf Serviceclubs gibt es in Ahrensburg, fünf Präsidenten stehen ihnen vor: zwei Rotary Clubs, ein Lions Club, ein Round Table und ein Old Table. Ihre Mitglieder treffen sich regelmäßig in Restaurants und Tagungsräumen. Hören Vorträge zu unterschiedlichen Themen, sorgen für Austausch und bewegen etwas in der Stadt. Sammeln Geld durch Benefizaktionen. Finanzieren da, wo öffentliche Gelder fehlen.

Wesentlich: Verbindung zu Menschen aufbauen

Auf der Internetpräsenz des Rotary Clubs Ahrensburg Schloss, der sich zur Ämterübergabe im Raum Regent im Park Hotel versammelt hat, steht ein simpler Satz. Es ist das Motto von Ingmar Grambows Amtszeit, die jetzt vorbeigeht: „Rotary hilft Menschen.“ So knapp, so klar. Nur: Wem ist geholfen, wenn sich im Hotel ein exklusiver Kreis trifft?

Das Abendblatt blickt hinter die Kulissen. Die fünf Präsidenten haben die Türen geöffnet und stellen ihre Ziele vor. „Wer uns nicht kennt, wird sich in Unkenntnis ein Bild machen“, sagt Christian Voss, Präsident der Ahrensburger Lions. „Wer uns kennenlernt, wird hoffentlich feststellen, dass wir anders sind als zunächst vermutet, nämlich deutlich nahbarer.“ Wesentlich für die Vereinigungen sei, eine Verbindung zu den Menschen aufzubauen, sagt Voss und ergänzt durchaus selbstkritisch: „Das geht nur, wenn wir uns nicht verschließen.“

Neue Mitglieder werden ausschließlich vorgeschlagen

Die Clubs haben sich also über die Einladung des Abendblattes gefreut. Aus zwei Gründen: Zum einen hängt der Servicegedanke stark von der öffentlichen Wahrnehmung ab, Benefizaktionen sollen ja Geld einbringen. Zum anderen hilft positive Außenwirkung auch für die innere Entwicklung der Clubs, Stichwort: Mitgliederakquise.

Wer selbst zu Rotariern und Lions will, hat es zunächst allerdings schwer. Neue Mitglieder werden vorgeschlagen, alte Clubmitglieder müssen zustimmen. Beim Round Table wird man immerhin ermutigt, sich auch selbst zu melden. Zum Old Table wird nur geladen, wer vorher bei Round Table war.

Einzig bei den Rotariern dürfen auch Frauen eintreten

„Nachwuchs ist immer ein Thema“, sagt Philipp Ritterhoff, der derzeit dem Round Table Ahrensburg vorsteht, einem Club für junge Männer zwischen 18 und 40 Jahren.

Die Rotarier haben bereits reagiert. „Wir haben die Anwesenheitspflicht aufgeweicht“, sagt Ingmar Grambow. Zudem begrüße der Club heute auch Anwärter mit „Potenzial“, wie Grambow es nennt. Immer mehr Frauen engagierten sich. „Die Zeiten der reinen Männerclubs sind bei den Rotariern vorbei“, sagt der 78-Jährige. „Das gilt auch für uns.“

Es existieren auch reine Frauenclubs

Bei den Lions sowie Round und Old Table bleiben die Männer dagegen noch immer unter sich. „Zeitgemäß ist das nicht“, sagt Philipp Ritterhoff, mit 36 der Jüngste im Round Table. Die Regeln mache der internationale Dachverband. „Hinzu kommt, dass die Frauen schon jetzt viel am Clubleben teilhaben.“ Es existieren auch reine Frauenclubs, ergänzt Stefan Wessler (49, Old Table).

Tatjana Ceynowa ist Präsidentin des Rotary Clubs Ahrensburg und freut sich, dass ihr Club keinen Geschlechterunterschied macht. „Ich bin die dritte Präsidentin“, sagt sie, „von daher ist alles gut.“ Sie sei „funktionsbedingt“ durch ihre Anstellung im Schloss zum Club gekommen, sagt sie. Auch eine Möglichkeit, in die erlesenen Zirkel einzutreten. Andere kamen durch Kollegen oder Freunde, nicht selten war ein Familienmitglied schon aktiv dabei.

Clubs nehmen unterschiedliche Berufsgruppen auf

Ob sich die fünf Präsidenten als Teil einer Elite fühlen? „Nein“, sagt Philipp Ritterhoff, „überhaupt nicht.“ Darauf angesprochen, dass am runden Tisch in Ahrensburg keine Pfleger und Friseure sitzen, sondern Geschäftsführer und Banker, reagiert er gelassen. „Das sind fleißige und intelligente Leute“, sagt Ritterhoff, „dass die eine Position erreicht haben, darf man ihnen nicht vorwerfen.“

Die Clubs achten darauf, so weit es geht unterschiedliche Berufsgruppen aufzunehmen. So ist es auch in ihren Statuten vereinbart. In der Praxis klappt das nicht immer. Klar ist auch: Aufgenommen wird, wer es in seinem Feld zu etwas gebracht hat. Lions-Präsident Christian Voss formuliert das so: „Wir brauchen Mitglieder, die über ihre Erfahrung, ihre berufliche Situation und das, was sie geschaffen haben, Ressourcen mitbringen, um anderen zu helfen, die können geistig oder materiell sein.“

Mitglieder packen bei Aktionen selbst an

Mit diesen Ressourcen unterstützen die Clubs unterschiedliche internationale und regionale Projekte. Eine Übersicht finden Sie auf dieser Seite.

Sie alle folgen dabei demselben Prinzip: Durch eine gemeinschaftliche Aktion – Flohmarkt, Golfturnier oder der Kinosommer auf der Schlossinsel – wird Geld gesammelt, das später gezielt für gute Zwecke ausgegeben werden kann.

Mitglieder wollen etwas an Gesellschaft zurückgeben

Hauptsächlich bieten die Clubmitglieder also ihre Arbeitskraft, spenden aber auch selbst oder suchen Sponsoren. Dabei helfen gute Kontakte und Know-how aus unterschiedlichen Branchen. Dinge, die auch den Clubmitgliedern nicht schaden.

„Rotarier helfen sich untereinander“, sagt Ingmar Grambow, „und zwar kostenlos.“ Ähnlich ist es auch bei den anderen Clubs, daraus machen die Präsidenten kein Geheimnis. Gemeinsam Geschäfte zu machen, sei dagegen verpönt, sagt Philipp Ritterhoff. „Das ist explizit nicht gewünscht.“

„Es ist eine Kombination“, sagt Christian Voss, „aus der Möglichkeit, in einen Kreis sympathischer Menschen zu kommen, von denen man etwas lernen kann und der Möglichkeit, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben.“

Die Clubs im Überblick:

1) Lions Club Ahrensburg

Mitglieder : 47
Motto: „We serve“ – wir dienen
Name und Logo : Der namensgebende Löwe („Lions“) ziert das Logo der internationalen Organisation. Lions steht für Grundsätze: Liberty (Freiheit), Intelligence (Intelligenz), Our Nations (die Nation, gemeint sind die gemeinsame Sprache, Geschichte und Kultur) und Safety (gemeint ist „sozial gestärkte Lebenssicherheit“)
Benefizaktionen: Unter anderem ein Golfturnier, die „Nacht der Löwen“ und ein Requiemkonzert in der Auferstehungskirche in Großhansdorf
Auswahl geförderter Projekte: Woldenhornschule, Kinderschutzbund, Hospiz Ahrensburg, Marstall
Frauenanteil: Herrenclub, Frauen sind bis auf zwei Versammlungen aber bei allen Treffen und Aktionen dabei

2) 360° Old Tablers

Mitglieder: 19
Motto: „Happy Old Tabling“
Name und Logo: Das Logo greift das deutschlandweite Motto „Mögen die Ketten der Freundschaft niemals rosten“ auf. 360° ist die Nummer des Ahrensburger Tisches.
Besonderheit:
Streng genommen ist der Old Table kein eigenständiger Serviceclub. In ihm kommen ehemalige Mitglieder des Round Table zusammen, wenn sie mit 40 Jahren für den Club zu alt sind. Sie „müssen“ keine eigenen Serviceprojekte umsetzen, engagieren sich aber trotzdem und unterstützen auch die Kollegen der Round Table
Benefizaktion: Die Old- und Youngtimerausfahrt ist eine Gemeinschaftsaktion von den Ahrensburger Old und Round Tablern. Der Ausfahrt in Norddeutschland folgt ein Fest in Ahrensburg, Erlöse gehen an soziale Projekte

3) Round Table 60

Mitglieder: 15
Motto: „Adopt, Adapt, Improve“, steht für die Übernahme bewährter Lösungen, deren Weiterentwicklung und Verbesserung
Name und Logo: Der Ahrensburger Round Table hat die Nummer 60 in Deutschland, auf dem Logo nimmt der Club besonders Bezug auf das Schloss und den dort gedrehten Edgar-Wallace-Film „Der grüne Bogenschütze“
Benefizaktionen: Unter anderem ein Spielzeugflohmarkt, die Oldtimerausfahrt und der Weihnachtsbaumverkauf
Auswahl geförderter Projekte: Verein Pryvit, Kinder Unfallhilfe, Weihnachtspäckenkonvoi nach Rumänien, Gefangene helfen Jugendlichen
Frauenanteil: Männerclub, Frauen sind bei den Tischabenden als Gäste eingeladen und bei den Aktionen dabei

4) Zwei Rotary Clubs in Ahrensburg

Motto: „Service above Self“, selbstlos Dienen
Name und Logo: Das Rad erinnert an das „Rotieren“ der Zusammenkünfte der ersten vier Mitglieder des Clubs in Chicago Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie trafen sich abwechselnd in ihren Büros
Die Vier-Fragen-Probe: Jeder Rotarier soll sein Verhalten nach vier Fragen ausrichten: 1. Ist es wahr? 2. Ist es fair für alle Beteiligten? 3. Wird es Freundschaft und guten Willen fördern? 4. Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen?

Club Ahrensburg

Mitglieder: 55
Benefizaktionen: Kinosommer im Schlosspark
Auswahl geförderter Projekte: Kinderschutzbund; Shelterboxen, die in Krisengebieten verteilt werden können; Arbeiter-Samariter-Bund; Tobiashaus; Hip Hop Academy Hamburg
Frauenanteil: Gemischter Club, der Frauenanteil liegt derzeit bei knapp 15 Prozent

Club Ahrensburg Schloss

Mitglieder: 25
Benefizaktionen: Noch hat der relativ junge Club (Gründungsjahr ist 2004) keine eigene Aktion entwickelt. Eine solche sei aber geplant. Noch spenden die Mitglieder daher so gut es geht selbst, suchen Sponsoren und unterstützen andere Clubs bei ihren Aktionen
Auswahl geförderter Projekte: Schloss, Shelterboxen, Verein Robben, End Polio Now, gemeinsam mit anderen Clubs engagieren sich die Schloss-Rotarier zudem für ein Projekt der Syriac Cross Organisation, die humanitäre Hilfe in Syrien leistet
Frauenanteil: Ein gemischter Club, in dem derzeit aber nur männliche Mitglieder sind. Noch hat sich keine erste Frau gefunden