Stormarn
Prozess

Wenn zwei sich streiten ... stellt das Gericht ein

Ein 58 Jahre alter Mann aus Großhansdorf muss sich derzeit vor dem Amtsgericht in Ahrensburg wegen Beleidigung verantworten (Symbolfoto)

Ein 58 Jahre alter Mann aus Großhansdorf muss sich derzeit vor dem Amtsgericht in Ahrensburg wegen Beleidigung verantworten (Symbolfoto)

Foto: Arne Dedert / dpa

Prozess wegen Beleidigung:Ahrensburger Richter lässt einige Anklagepunkte gegen Großhansdorfer fallen, der sich darüber ärgert.

Ahrensburg.  Beleidigung – so lautet der Straftatvorwurf gegen den Großhansdorfer Erwin T. (Namen geändert). Doch am vierten Verhandlungstag vor dem Ahrensburger Amtsgericht wirkte der 58 Jahre alte Unternehmer selbst ein wenig beleidigt, genauso wie sein Erzfeind Horst L., der eigentlich als Zeuge aussagen sollte. Der Grund: Der Richter hat am Freitag das Verfahren bezüglich jener Anklagepunkte eingestellt, in denen es um die Beleidigungen gegen den 72 Jahre alten Ahrensburger L. ging. Denn es sei kaum zu klären, wer mit den provokanten und beleidigenden Äußerungen angefangen habe.

Fest steht, dass sich beide in den vergangenen Jahre quasi nichts geschenkt haben. Erwin T. bezeichnete den Rentner, der ein Internetblog über Ahrensburg betreibt, als „Frauenschänder“ und „stinkenden Nazi“. L. soll über den Angeklagten gesagt haben, er sei ein „Lügner“ und „Betrüger“. Wobei diese Beispiele im Vergleich zu dem, was sonst noch geäußert worden ist, eher harmlos sind.

Der Staatsanwalt kam zu dem Ergebnis: „Eine Verfolgung dieser Taten ist nicht erforderlich.“ Denn bei gegenseitigen Beleidigungen blieben beide laut Gesetz straffrei. Eher irritiert wirkte Erwin T.: „Ich muss kurz fünf Minuten überlegen, damit habe ich jetzt nicht gerechnet.“ Eine Äußerung, die wiederum beim Ankläger Verwunderung auslöste: „Sie haben die Einstellung doch selbst beim letzten Mal beantragt.“

Doch offenbar wollte der Großhansdorfer zuvor noch das bizarre Verhältnis zwischen sich und L. geklärt haben. Er habe sich sogar bis spät in die Nacht auf die Befragung seines Erzfeindes vorbereitet, was nun vergebens sei.

Angeklagter beleidigte auch Richter und Anwälte

Auch der Ahrensburger, der eigentlich am Freitag als Zeuge vernommen werden sollte, reagierte empört über die Entscheidung des Gerichts: „Ich würde aber gern aussagen, zumal es inzwischen eine Zeugenbeeinflussung gegeben hat“, so der 72-Jährige, der als Zeuge aber nicht mehr gebraucht wurde. „Nein, nein, das kann nicht sein. Es muss doch ihre Aufgabe sein, dies zu klären. Ich habe inzwischen Morddrohungen erhalten“, so der Blogger. Der Richter: „Das ist hier kein Prozess, in dem sie sich gegenübersitzen.“ Ferner wisse L. ja, wie er gegen eine Morddrohung vorgehen könnte. Gegenüber Erwin T. sagte der Richter: „Sie haben gehofft, Genugtuung zu erfahren für die Sachen, die Ihnen Herr L. an den Kopf geworfen hat. Doch das ist nicht Ziel dieses Verfahrens.“

Denn in dem Strafverfahren soll geprüft werden, ob Erwin T. die Beleidigungen nachgewiesen werden können. Und diese richteten sich eben nicht nur gegen L., sodass das Verfahren gegen T. nicht in Gänze eingestellt wurde. Laut Anklage hat er auch diverse Anwälte und Richter als „Nazis“ oder „Betrüger“ beleidigt. Die Juristen hatten offenbar alle nicht in seinem Sinne entschieden oder seine Kontrahenten vertreten. So ist zum Beispiel auch der Anwalt von L. dadrunter, oder ein Richter, der in einem Zivilverfahren ein Kontaktverbot zu dem Blogger angeordnet hatte. Darüber wird nun am 7. Juli verhandelt.