Stormarn
Prozess

Großhansdorfer wegen Hetzerei vor Gericht in Ahrensburg

Am Freitag wurde der Prozess gegen einen Großhansdorfer vor dem Ahrensburger Amtsgericht fortgesetzt

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Am Freitag wurde der Prozess gegen einen Großhansdorfer vor dem Ahrensburger Amtsgericht fortgesetzt

58-Jähriger soll Ahrensburger als "Nazi" und "Frauenschänder" beschimpft haben. Anklage wegen Beleidigung.

Ahrensburg.  "Stinkender Nazi", "Frauenschänder", "Internetnazipöbler" – wegen solcher und anderer Äußerungen musste sich am Freitag erneut ein Großhansdorfer vor dem Ahrensburger Amtsgericht verantworten. Der 58 Jahre alte Erwin T. (Namen geändert) ist dort wegen Beleidigungen in zahlreichen Fällen angeklagt (Abendblatt berichtete). Er soll in Briefen, E-Mails sowie Blog-Einträgen und Kommentaren im Internet andere Menschen, vor allem Richter und Anwälte, beschimpft haben. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft umfasst 16 Punkte.

Bei der Verhandlung am Freitag wird der Zeuge L. vernommen. Der 72 Jahre alte Rentner aus Ahrensburg betreibt im Internet einen Blog über die Schlossstadt. Als dessen Betreiber und Autor soll auch er Opfer der verbalen Ausfälle von T. geworden sein. Diese begannen laut L., nachdem er die Bürgermeisterkandidatur von T. in Ahrensburg im Jahr 2009 in seinem Blog angesprochen hatte. "Er hat sich im Wahlkampf merkwürdig benommen und das habe ich kommentiert, persifliert und karikiert, als eine Art von Satire", sagt L. So habe Erwin T. im damaligen Wahlkampf Vorstellungsrunden von Kandidaten vorzeitig verlassen und nicht auf Fragen der Medien geantwortet.

Als Folge seiner Blog-Einträge, so L., habe der Angeklagte ihn mit Beleidigungen, Lügen und Intrigen überzogen. "Er hat mich bei meinen Werbekunden als Nazi bezeichnet und behauptet, ich hätte meine Ex-Frau misshandelt", berichtet der Zeuge dem Gericht.

Das Amtsgericht verhängte bereits ein Kontaktverbot

Laut L. hat der Angeklagte Hunderte ­E-Mails und Briefe mit Beleidigungen und falschen Behauptungen gegen ihn geschrieben. Diese gingen an ihn selbst und an Dritte, darunter auch Kommentarschreiber auf seinem Internet-Blog, etwa Ahrensburger Stadtverordnete.

Auf einige dieser E-Mails aus den vergangenen Jahren geht Richter Paul Holtkamp in der Verhandlung näher ein. So soll Erwin T. in einer Mail an einen Stadtverordneten und den Zeugen L. letzteren als "Frauenschänder" bezeichnet haben. "Wegen L. passieren Attentate wie in Paris" heißt es weiter in dem Text, bezogen auf die Terroranschläge in Paris im Jahr 2015.

In einer weiteren E-Mail wird L. als "stinkender Nazi" tituliert, der an einem Baum aufgehängt gehöre. In einem anderen Fall soll T. geschrieben haben, dass L. durch den Schornstein ins Krematorium gehöre und er jeden Tag auf dessen Grab urinieren würde.

Angeklagter und Zeuge sprechen nicht miteinander

"Was haben alle diese Worte bei ihnen bewirkt?" will der Richter von L. wissen. "Sie haben mich wütend gemacht und aggressiv", antwortet der Zeuge. "Zudem habe ich an Schlafstörungen gelitten." Und auch auf seine Familie hätten die Beschimpfungen Auswirkungen gehabt. So habe der Angeklagte einen Brief an Freunde von sich in Umlauf gebracht, in dem er beschrieben habe, wo sich angeblich das Zimmer der sechsjährigen Tochter von L. befinde und wie das Autokennzeichen von L. laute. "Meine Frau hat sich im Dunkeln nicht mehr aus dem Haus getraut und wollte unsere Tochter nicht mehr allein lassen", sagt L. vor Gericht aus.

Auf Nachfrage des Richters berichtet L., dass er die Beleidigungen von T. in seinem Blog öffentlich gemacht habe. "Ich habe ihn dabei auch als Psychopath bezeichnet. Aber ich habe immer nur auf seine Äußerungen reagiert."

Angeklagter macht sich Notizen

Die Vorfälle zwischen Erwin T. und L. hatten bereits juristische Folgen. Unter anderem verhängte das Amtsgericht Ahrensburg gegen T. ein zeitweiliges Kontaktverbot, bezogen auch auf ­E-Mails an L. und Einträge auf dessen Blog. "Das hat T. aber nicht interessiert, er hat dagegen verstoßen", sagt Zeuge L.

Der Angeklagte Erwin T. hört den Aussagen von Zeuge L. ohne äußere Emotionen interessiert zu und macht sich Notizen. Zu den Vorwürfen von L. wird er an diesem Verhandlungstag nicht befragt. Ebenso haben er und sein Verteidiger keine Gelegenheit mehr, selbst Fragen an L. zu stellen. Der Grund: Wegen eines dringenden Termins des Anwalts muss die Verhandlung mittags vertagt werden. Die Vernehmung von L. wird am nächsten Prozesstermin fortgesetzt. Dieser ist am Mittwoch, 14. Juni, ab 13 Uhr in Saal 1 des Ahrensburger Amtsgerichts an der Königstraße 11.

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