Stormarn
Prozess

Mann wegen Pöbeleien gegen Richter und Anwälte angeklagt

Ein 58-Jähriger muss sich vor dem Ahrensburger Amtsgericht wegen Beleidigung verantworten (Symbolfoto)

Foto: Arne Dedert / dpa

Ein 58-Jähriger muss sich vor dem Ahrensburger Amtsgericht wegen Beleidigung verantworten (Symbolfoto)

Unmut eines Großhansdorfers über Ahrensburger Justiz nimmt groteske Züge an. Jetzt muss er sich dafür vor Gericht verantworten.

Ahrensburg.  Hass, Verbitterung und eine tiefe Verdrossenheit gegenüber Richtern, Anwälten und Bürgern – all das wird deutlich in Briefen und E-Mails, für deren Inhalt sich seit Mittwoch ein 58 Jahre alter Großhansdorfer vor dem Ahrensburger Amtsgericht verantworten muss. Die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen Beleidigung umfasst mehrere DIN-A4-Seiten mit insgesamt 16 Punkten. Fast eine Stunde benötigte der Staatsanwalt, um die komplette Anklage zu verlesen.

Er zitierte aus zahlreichen Briefen, aus Blog-Einträgen im Internet, aus E-Mails, die Erwin T. (Name geändert) in den vergangenen drei Jahren verfasst hatte. In Schreiben an das Amtsgericht Ahrensburg sowie an eine Anwaltskanzlei in der Schlossstadt nannte er einen Rechtsanwalt "Irren, Kriminellen und Betrüger". In einer anderen E-Mail bezeichnete er denselben Juristen als "unterste Stufe der Menschheitsentwicklung".

Nach zahlreichen Zivilstreitfällen hat T. laut Anklage nicht nur Anwälte bepöbelt, sondern auch Richter und den Direktor des Amtsgerichtes. All diese Menschen scheinen dem Angeklagten zutiefst verhasst. Der Großhansdorfer beließ es dabei nicht bei Beleidigungen wie "Betrüger" oder "Krimineller". Mit der Zeit wurde sein Ton immer aggressiver. Er äußerte Fantasien, die abstoßend und wirr wirken.

Angeklagter beschreibt sich selbst als Opfer des Verfahrens

Zielscheibe seiner Aggressionen wurde auch eine Richterin, die sich im Streit um eine einstweilige Verfügung den Zorn des Angeklagten zugezogen hatte. T. dachte sich für die Frau ein "Staubexperiment" aus, wie er selbst zum Prozessauftakt sagte. Die Juristin solle in ein Zimmer gesperrt werden, in das Staub gepustet werde. Ferner sollte ihr "mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen werden", wurde vor Gericht aus einem Brief zitiert.

Auch andere Richter am Amtsgericht Ahrensburg gerieten ins Visier des Angeklagten. Wieder ist von "mit dem Hammer auf den Kopf schlagen" die Rede. Über einen verfeindeten Ahrensburger schrieb er, er solle "an einen Baum gehängt werden". Dessen Grab werde er anschließend schänden, so T., der einen Pflichtverteidiger hat. Richtern und Anwälten warf er schriftlich "Nazi-Methoden" vor, verglich die Justiz mit der der ehemaligen DDR. Ein Rechtsanwalt habe argumentiert "wie Hitler". Frauen wurden auf vulgäre Weise bepöbelt.

Als der Staatsanwalt die Details aus den Schreiben vortrug, ließ der Angeklagte keinerlei Anzeichen von Reue erkennen. Der Mann hörte interessiert zu, beschrieb sich dann selbst als Opfer. Das Verfahren belaste ihn, zumal er deswegen kaum noch Freizeit habe und "auf Sex verzichten" müsse. Ihm sei zudem nicht bewusst gewesen, dass am ersten Verhandlungstag auch Zeugen vernommen werden sollten. Deshalb habe er sich nicht darauf vorbereiten können.

Dieses Argument ließ der Staatsanwalt nicht gelten. Denn das Verfahren gegen Erwin T. war bereits im Juni 2016 eröffnet worden. Es wurde jedoch wegen Befangenheitsanträgen von T. gegen das Gericht ausgesetzt. Auch am Mittwoch stellte T. neun Anträge, unter anderem auf Einstellung des Verfahrens. Alle neun wurden abgewiesen.

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