Stormarn
Immobilien

Jährlich 80 Millionen Euro für neue Wohnungen in Stormarn

In Stormarn fehlen viele bezahlbare Wohnungen. Deswegen soll nun eine Bauoffensive gestartet  werden

In Stormarn fehlen viele bezahlbare Wohnungen. Deswegen soll nun eine Bauoffensive gestartet werden

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Acht Unternehmen stehen für Bündnis im Kreis Stormarn bereit. Das Ziel ist die Schaffung von 500 bezahlbaren Einheiten in jedem Jahr.

Bad Oldesloe.  Die vom Kreis angepeilte Wohnungsbau-Offensive wird konkret. Ein Pakt mit acht Genossenschaften und Unternehmen sowie den Kommunen soll dafür sorgen, dass regelmäßig vor allem bezahlbare Einheiten geschaffen werden. Die Akteure aus der Wohnungswirtschaft sind bereit, pro Jahr bis zu 80 Millionen Euro in Stormarn zu investieren und mindestens 500 Wohnungen verstreut über die Kommunen zu bauen. Das Konzept für die Zusammenarbeit wird am heutigen Mittwoch der Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschuss des Kreises absegnen. „Dafür habe ich die Zusage aller Fraktionen“, sagt der Ausschussvorsitzende Wolfgang Gerstand (CDU).

Verbände sind als Schnittstelle für alle Beteiligten vorgesehen

Ihre Bereitschaft, dem Bündnis beizutreten, haben nach Abendblatt-Informationen die Genossenschaften Neue Lübecker, Walddörfer, Bergedorf-Bille, Wohnstätten Bad Oldesloe, Sachsenwald sowie die Firmen Semmelhaack, Plambeck und die Frank-Gruppe signalisiert. Zusammen verfügen sie über 73.000 Wohnungen im Bestand. Laut Prognose von Experten fehlen im Kreis bis 2030 mindestens 15.000 neue Einheiten. „Wir haben schon lokale Bündnisse, wo es gut funktioniert, zum Beispiel in Kiel“, sagt Christoph Kostka, Geschäftsführer des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) in Schleswig-Holstein. Mit im Boot ist der BFW Landesverband Nord, der ebenso Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und der Immobilienwirtschaft ist. Kostka, der während der Anschubphase ein Ansprechpartner für alle Seiten ist, sagt: „Es geht darum, vertrauensvoll miteinander umzugehen.“

Wie sich die Zusammenarbeit gestalten könnte, darüber gibt es klare Vorstellungen. Der Kreis soll die Rolle des Koordinators einnehmen und als kommunaler Ansprechpartner zum Beispiel für die Themen städtebauliche Konzepte, Planungs-, Bauordnungs- und Umweltrecht sowie Wertermittlung fungieren. Durch die Bündelung von Kreisaufgaben in diesen Bereichen „können Bauanfragen zügig und koordiniert abgearbeitet werden“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Die Unternehmen sollen Konzepte und Kaufangebote erstellen

Der Weg bis zur Bebauung könnte so aussehen: Nachdem ein Standort ausgemacht ist, erstellt eine Kommune ein Datenblatt. Darin stehen die Kennwerte des Grundstücks wie Größe und Baugrenzen sowie die städtebaulichen Ziele – zum Beispiel der Anteil von Sozialwohnungen. Über die Verbände wird das Papier an die kooperierenden Unternehmen weitergereicht, die ein Bebauungskonzept samt Angebot für den Grundstückskauf erstellen. Darüber haben wiederum die politischen Gremien in den Städten und Gemeinden zu beraten, wenn zum Beispiel ein Bebauungsplan geändert werden muss.

Voraussetzung für ein Gelingen des Projektes ist jedoch, dass genügend baureife Grundstücke zur Verfügung stehen werden. Zahlreiche Städte und Gemeinden betonen, keine eigenen Flächen zu haben. Doch vielerorts ist Land vorhanden. Dieses ist zwar nicht in kommunalem Eigentum und wird vielfach landwirtschaftlich genutzt. Allerdings kann die Politik Flächennutzungspläne ändern oder solche neu erstellen lassen. Im sogenannten F-Plan sind Bereiche aufgeführt, die bebaut werden können. Ein Beispiel dafür ist Barsbüttel. Die Gemeinde wird den jetzigen Flächennutzungsplan ersetzen und ermöglicht dadurch an mehreren Orten Wohnungsbau, die bisher noch Grünfläche sind. Die 13.000-Einwohner-Kommune benötigt in den kommenden 13 Jahren rund 1000 neue Einheiten.

Die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft war gescheitert

Eine interfraktionelle Arbeitsgruppe aus Kreispolitikern, der auch Landrat Henning Görtz angehört, tüftelte Monate an einem Konzept, wie bezahlbarer Wohnraum in Stormarn entstehen könnte. Dabei wurde über vier Modelle diskutiert. Wie berichtet, sah eines die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft vor. Dafür schickte die Kreisverwaltung im vergangenen Dezember Fragebogen an die 55 Stormarner Kommunen. Zu viele konnten der Idee nichts Positives abgewinnen. Also wurde das Projekt genauso begraben wie ein Wohnungsbaumodell mit einzelnen ortbezogenen Gesellschaften und eines unter dem Dach der Sparkasse Holstein.

Im April legte sich die Arbeitsgruppe auf die Variante mit der engen Zusammenarbeit zwischen Kreis, Kommunen und der Wohnungswirtschaft fest. Auch, weil die Kommunen in diesem Konstrukt kein finanzielles Risiko eingehen. „Grundsätzlich ist das eine gute Sache. Jede Kooperation mit der Wohnungswirtschaft hilft weiter“, sagt Glindes Bürgermeister Rainhard Zug.

Das jetzt auserwählte Modell bedeutet allerdings nicht, dass Bauprojekte mit einem der acht Unternehmen, die als Kooperationspartner zur Verfügung stehen, auch verwirklicht werden müssen. „Die Kommunen können sich auch Angebote bei anderen Firmen einholen. Projekte werden frei auf dem Markt platziert“, sagt Gerstand. Er berichtet, dass die acht Akteure sogar in der Lage seien, bis zu 800 Einheiten im Jahr in Stormarn zu bauen.

Die Unternehmen stellen sich noch den Politikern vor

Nachdem die Kreispolitiker den Konzeptentwurf verabschiedet haben, soll eine Absichtserklärung von allen Beteiligten unterschrieben werden, die das Ziel der schnellen Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zum Inhalt hat. Zuvor wird Stormarns hauptamtlichen Bürgermeistern sowie den Leitern der Ämter das Konzept noch einmal detailliert präsentiert, anschließend diskutieren die politischen Gremien in den Kommunen darüber. Kurz vor oder nach der Sommerpause stellen sich die Unternehmen den Bürgermeistern und Politikern vor. Noch in diesem Jahr könnte das Millionen-Projekt richtig Fahrt aufnehmen.

Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschuss des Kreises, Mittwoch, 10. Mai, 18.30 Uhr, Jugendgästehaus Lütjensee, Seeredder 20