Stormarn
Thema Propaganda

Oldesloer Kulturzentrum zeigt Kino aus der NS-Zeit

Die Regisseurin Leni Riefenstahl bei Dreharbeiten für einen ihrer Filme

Die Regisseurin Leni Riefenstahl bei Dreharbeiten für einen ihrer Filme

Foto: Bundesarchiv / HA

KuB zeigt eine Reihe von Filmen in Kooperation mit der Volkshochschule. Medienpädagoge hält Vorträge und bietet Raum für Gespräche.

Bad Oldesloe.  Propaganda, Antisemitismus, Gleichschaltung – inhaltlich ist die neue Filmreihe „Propaganda. Das Kino der NS-Zeit“, die ab dieser Woche im Kultur- und Bildungszentrum (KuB) in Bad Oldesloe gezeigt wird, alles andere als leichte Kost. Gemeinsam mit der Oldesloer Volkshochschule entstaubt die Kulturabteilung der Stadt alte Nazi-Filme.

Der Hintergrund ist ein aktueller, wie KuB-Leiterin Inken Kautter erklärt: „Europaweit wird wieder vermehrt mit Mitteln von Kunst und Kultur Stimmung gemacht.“ Das betreffe etwa Ungarn, wo sich Künstler immer häufiger durch staatliche Repressionen gegängelt fühlen. „Ich kenne ungarische Musiker, die ihre Werke nicht mehr im eigenen Land publizieren, weil sie Angst haben.“

Doch die Kontrolle der deutschen Filmindustrie durch die Nationalsozialisten in den 1930er- und 40er-Jahren ist wohl beispiellos. „Die meisten Produktionen waren Unterhaltungsfilme“, sagt Inken Kautter. Offensichtlich politisch seien nur etwa 20 Prozent der publizierten Streifen gewesen. Die eigentlichen Aussagen schwingen oft im Subtext mit, wie etwa in dem Spielfilm „Jud Süß“ von Veit Harlan aus dem Jahr 1940 – dem zweiten Film der Reihe (1. Juni, 19 Uhr, KuB-Saal).

Vor jeder Vorführung gibt es einen Vortrag eines Experten

Inhaltlich ist das Werk an das Leben der historischen Figur Joseph Süß Oppenheimer angelehnt. „Inszeniert wurde der jüdische Finanzbeamte allerdings als hakennäsiger Lüstling“, so Kautter. Jud Süß wurde nach dem Krieg wie viele andere Nazi-Filme verboten. Die freie Vorführung ist nur unter Auflagen erlaubt. Das soll sicherstellen, dass die Filme in einem geschützten Rahmen gezeigt werden und eine inhaltliche Diskussion zulassen. Das soll auch bei den Vorführungen im KuB passieren. Die Filmreihe wird vom Kieler Filmwissenschaftler und Medienpädagogen Felix Arnold begleitet. Den Vorführungen geht eine Einführung voraus, anschließend soll es Raum für Diskussionen geben. Neben inhaltlichen Aspekten geht es dabei auch um die technische Inszenierung, Kameraführung, Filmästhetik.

Veranstalter wollen junges Publikum und Großeltern-Generation ansprechen

Viel Stoff bietet dabei der erste Film der Reihe, der am Donnerstag, 27. April, um 19 Uhr im KuB-Saal gezeigt wird. Die Pseudodokumentation „Triumph des Willens“ über den Reichsparteitag der NSDAP 1934 in Nürnberg von Leni Riefenstahl. Der Propagandafilm arbeitet mit imposanten Bildern und ist unter filmästhetischen Aspekten von enormer Bedeutung für die Filmindustrie. Bis heute werden in Filmen ähnliche oder teilweise ganze Szenen übernommen – unter anderem in Herr der Ringe, König der Löwen oder Clockwork Orange. Am 1. September wird mit „Hitlerjunge Quex“ schließlich der dritte und letzte Film der Reihe gezeigt. „Wir hoffen, dass wir mit der Reihe jüngere und auch die Großeltern-Generation erreichen und für einen Austausch sorgen“, sagt VHS-Leiterin Karin Linnemann.

Die Filmreihe „Propaganda. Das Kino der NS-Zeit“ beginnt am Donnerstag, 27. April, mit „Triumph des Willens“, wird am 1. Juni mit „Jud Süß“ fortgesetzt und findet ihren Abschluss am 1. September mit „Hitlerjunge Quex“. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, Eintritt kostet 6,50 Euro (ermäßigt 4,50 Euro).