Lütjensee/Grossensee

Ärger am Grossensee: Nun greifen die Gemeinden durch

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Henrik Bagdassarian
Trotz Verbots: Immer wieder lassen Halter ihre Hunde ins Wasser, Kothaufen verunreinigen den Strand

Trotz Verbots: Immer wieder lassen Halter ihre Hunde ins Wasser, Kothaufen verunreinigen den Strand

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Amt Trittau sperrt Parkplatz an der Großenseer Straße dauerhaft. Polizei kündigt verstärkte Kontrollen am Nordstrand und Umgebung an.

Pferdeäpfel am Ufer, Glassplitter, Hundehaufen, Plastikmüll und glühende Holzkohlereste im Sand – immer wieder verhalten sich Besucher des Nordstrands in Großensee rücksichtslos gegenüber ihren Mitmenschen oder der Umwelt. Alle Appelle der Verwaltung verhallten, Verbotsschilder wurden ignoriert und demoliert. Nun greifen die Gemeinden Großensee und Lütjensee durch, erschweren den Zugang zum Strand: Der Parkplatz an der Großenseer Straße wird auf Dauer gesperrt.

Lütjensee/Grossensee. Seit Mitte der Woche blockiert ein rot-weißes Sperrgitter die Zufahrt zum Parkplatz. Weitere Umbauten sind geplant. „Über Art und Umfang geben wir noch keine Auskunft, da die Planungen noch nicht abgeschlossen sind“, sagt Bodo Lork, Leiter des Ordnungsamts in Trittau, auf Abendblatt-Anfrage. Fakt ist: Mit diesem ersten Schritt reagieren die Gemeinden auf den seit Jahren steigenden Besucherandrang am See und die daraus resultierenden Folgen.

Verstärkte Kontrollen der Polizei in Sommersaison

„Einem kleinen Naturgebiet wie dem Nordstrand dürfen wir die Masse an Badegästen nicht länger zumuten“, sagt Bodo Lork. „Es gibt keine Struktur vor Ort, keine Badeaufsicht und keine angesichts der großen Zahl von Besuchern notwendigen sanitären Anlagen.“ Lork hofft auf das Verständnis der Einwohner von Lütjensee, Großensee und der näheren Umgebung. Er sagt: „Letztendlich haben wir den Auftrag, die Natur zu schützen. Andere Schritte als eine Sperrung des Parkplatzes kamen leider nicht mehr in Betracht.“

Befürchtet die Polizei nun einen wachsenden Besucherzustrom über den Strandweg, die zweite direkte Verbindung zum Nordstrand? „Nein“, sagt Frank Schümann, Leiter der Polizeidienststelle Trittau. „Der Parkraum dort ist sehr begrenzt. Außerdem regelt eine entsprechende Beschilderung die Situation eindeutig.“ Im Übrigen setze die Polizei in der kommenden Sommersaison auf verstärkte Kontrollen. „In den Spitzenzeiten werden wir regelmäßig vor Ort sein und konsequent durchgreifen“, sagt der Dienststellenleiter.

Sonderregelungen für bestimmte Parkbuchten

Das Parken auf dem rund 100 Meter langen Seitenstreifen zwischen der Zufahrt zu den Häusern Strandweg 24 bis 28 und dem Fußweg zum Nordstrand bleibt weiterhin erlaubt. „Die Fahrzeugführer müssen aber gewährleisten, dass die verbleibende Fahrbahnbreite vorbeifahrenden Autos keine Probleme beschert“, sagt Frank Schümann.

Eine Sonderregelung gilt für die Parkbuchten links neben dem Fußweg zum Nordstrand. Die beiden Flächen neben dem Schild Schleushörn befinden sich ebenso auf Privatgelände wie die drei Parkmöglichkeiten direkt gegenüber. „Solange die Eigentümer keinen Handlungsbedarf sehen, werden auch wir nichts unternehmen“, sagt der Polizeibeamte.

Freibad am Südstrand bietet Badespaß für wenig Geld

Der Badespaß am Großensee bleibt den auswärtigen Besuchern trotz der Einschränkung am Nordstrand weiterhin erhalten. Am gegenüberliegenden Seeufer zahlen Erwachsene für eine Tageskarte im Naturfreibad drei Euro, Kinder einen Euro. Ausreichend kostenloser Parkraum ist vorhanden.

Die Sperrung des Parkplatzes an der Großenseer Straße könnte das letzte Kapitel von Ärgernissen sein, über die das Abendblatt mehrfach berichtete. Bei schönem Wetter ist der Badestrand ein beliebter Treffpunkt bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Doch viele Besucher wollen sich offenbar nicht richtig benehmen: Zigarettenstummel, Glasflaschen und Holzkohlereste hinterließen sie mehrfach dort, wo kurze Zeit später Kinder spielten.

Unbekannte besprühten ein Hinweisschild

Nach Exzessen am Vatertag 2004 beabsichtigte das zuständige Forstamt Hamburg Süd sogar, den größten Teil des Nordstrands dauerhaft für die Öffentlichkeit zu sperren. Die Gemeinden Lütjensee und Großensee waren – um Schlimmeres zu verhindern – also zum Handeln gezwungen.

Doch selbst das Aufstellen eines großen Hinweisschildes, auf dem einfache Ver- und Gebote zu erkennen waren, zeigte keine Wirkung. Im Gegenteil: Erst besprühten Unbekannte die kleinen Piktogramme mit Farbe, dann wurde das Schild sogar gestohlen. Lütjensees Bürgermeisterin Ulrike Stentzler (CDU) mahnte damals im Abendblatt: „Wenn es so weitergeht, dann wird der Nordstrand auf lange Sicht keine Badestelle mehr bleiben können.“

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