Stormarn
Auszeichnung

Ein Jersbeker ist der „Spitzenvater des Jahres 2017“

Oliver Blau wurde zum „Spitzenvater 2017“ gewählt. Neben seinem Vollzeitjob engagiert er sich für die Betreuung seiner drei Kinder Niklas (6), Felix (2) und Charlotte (2).

Oliver Blau wurde zum „Spitzenvater 2017“ gewählt. Neben seinem Vollzeitjob engagiert er sich für die Betreuung seiner drei Kinder Niklas (6), Felix (2) und Charlotte (2).

Foto: Melissa Jahn

Oliver Blau arbeitet in gehobener Position – ebenso wie seine Frau. Doch ihre drei Kinder können sie trotzdem gut betreuen. Wie geht das?

Jersbek.  Immer mehr Väter schaffen es, Familienleben und Job in Einklang zu bringen. Und ein Stormarner bekommt das ziemlich gut hin. Deswegen wurde Oliver Blau aus Jersbek jetzt als „Spitzenvater 2017“ von der Großbäckerei Mestemacher ausgezeichnet. Er verkörpert eine Generation von Männern, die ihre Vaterrolle neu definieren will. Doch was macht ihn aus, den emanzipierten Mann?

Auf den ersten Blick verläuft das Leben bei Familie Blau nach einem altbekannten Muster: Ein Haus im Grünen, drei Kinder innerhalb von vier Jahren und ein Vollzeitjob in gehobener Position. Das Besondere daran ist: Auch Mutter Sylvia arbeitet – und zwar nicht in Teilzeit sondern ebenfalls mit voller Kraft als Leiterin der Produktentwicklung in der Lebensmittelindustrie. Damit das funktioniert, ist mehr nötig als ein paar Absprachen. Und diese trafen Oliver und Sylvia Blau noch, bevor das erste Kind auf die Welt kam. „Wir haben beide viele Jahre in unser Ingenieurstudium und später in den Beruf investiert“, sagt der Abteilungsleiter für Marketing und Vertrieb. „Keiner wollte dem anderen seinen Job nehmen.“

Was bei vielen Paaren nicht mehr als ein Versprechen bleibt, funktioniert bei der Jersbeker Familie auch noch nach der Geburt des dritten Kindes. Da Mutter Sylvia erst vor einem Jahr wieder in leitender Funktion eingestiegen ist, übernimmt Oliver Blau noch mehr Aufgaben: Er bringt die Kinder in die Kita, holt sie ab und ist auch für Freizeitaktivitäten wie den Fußballverein von Sohn Niklas (6) zuständig. Pro Tag verbringt er so im Schnitt vier Stunden mit seinen Kindern. Auch der Haushalt wird partnerschaftlich geteilt – bis auf das Bügeln. Denn da hat der Ingenieur zwei linke Hände.

Oliver Blau wurde von der Tagesmutter seiner jüngsten Tochter vorgeschlagen

„Ich wollte kein Vater sein, der erst spät abends oder nur am Wochenende da ist“, sagt der 43-jährige. „Die Kinder sind nur einmal klein.“ Für sein Engagement zeichnete die Firma Mestemacher Oliver Blau nun mit dem Titel „Spitzenvater des Jahres 2017“ aus. Zweiter Preisträger ist Yoshinao Mikami aus Essen.

Der Stormarner wurde von der Tagesmutter seiner jüngsten Tochter vorgeschlagen, die von dem Engagement des dreifachen Vaters überzeugt ist. Selber sei er nie auf die Idee gekommen, sich zu bewerben. „Für uns ist dieser Lebensstil selbstverständlich“, sagt der Familienvater. „Unterschiede zu anderen Familien sehen wir allerdings auch.“

Die Gütersloher Großbäckerei Mestemacher produziert Pumpernickel aller Art. Und engagiert sich seit Jahren für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wirtschaft und in der Familie. Zum zwölften Mal würdigte die Firma nun mit dem Preisgeld in Höhe von 5000 Euro die moderne Rollenverteilung. Denn obwohl das gleichberechtigte Modell heutzutage selbstverständlich sein sollte, ist es in vielen Familien noch nicht angekommen. Die Initiatorin Prof. Dr. Ulrike Detmers sagt: „Wir werden öfter gefragt, warum wir keine Spitzenmütter auszeichnen. Aber wir haben uns entschieden, die Rolle der Väter in unserer Gesellschaft zu stärken. Auf die Bühne gehören Männer, die sich von den traditionellen Erwartungen als Mann befreit haben. Es geht um die Emanzipation des Mannes.“

Die Initiatorin hat als zweifache Mutter ebenfalls Karriere gemacht

Die 61-jährige ist selbst zweifache Mutter und machte dennoch Karriere: Sie ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Bielefeld, erste Präsidentin des Verbandes deutscher Großbäckereien sowie Mitglied der Geschäftsführung, Gesellschafterin und Sprecherin der Mestemacher Gruppe. Eine Leistung, die sie nur durch ein funktionierendes Netzwerk und mit der Unterstützung ihres Mannes erreichen konnte. Diese Erfahrung brachte sie auf die Idee, in anderen Familien etwas zu bewirken.

Verändert habe sich in den vergangenen zwölf Jahren auch das Auftreten des modernen Mannes, sagt Ulrike Detmers. „In früheren Zeiten zeigten nur Frauen ihre Gefühle für den Nachwuchs“, sagt sie. „Heute ist eine leidenschaftliche Elternschaft ein Zustand, den beide Elternteile sichtbar machen. Da dürfen auch mal Tränen fließen.“ Doch die Vollzeit-Berufstätigkeit beider Elternteile fordere auch viele Zugeständnisse.

Für mehr Flexibilität arbeitet er auch am Wochenende

So auch bei Familie Blau. Für flexible Arbeitszeiten erledigt Oliver Blau seine Aufgaben noch spät am Abend oder am Wochenende. Feste Termine werden im Voraus abgestimmt. „Wir legen unsere Kalender am Sonntagabend nebeneinander und schauen, wie wir die Woche planen“, sagt Mutter Sylvia. „Schwierig wird es, wenn die Kinder längere Zeit krank sind oder parallel zwei wichtige Aufgaben anfallen. Dann läuft es nicht immer harmonisch.“ Hobbys bleiben zur Zeit auf der Strecke. Hierfür fehlt die Zeit. „Ideal wäre eine 30-Stunden-Woche für beide“, so Oliver Blau. „Doch das ist in gehobener Position schwierig.“

Trotzdem sind sich beide sicher, im Moment den richtigen Weg zu gehen. „Keiner ist mit seinem Leben durchgehend und zu 100 Prozent zufrieden“, sagt Sylvia Blau. „Wir entscheiden flexibel, was am Besten zu unserer Situation passt.“ Sie wollten anderen Familien nichts vorschreiben. Sondern Väter ermutigen, sich nicht hinter einer festen Rolle zu verstecken. Oliver Blau: „Es lohnt sich zu kämpfen, um nicht zu viel Zeit mit seinen Kindern zu verpassen.“