Stormarn
Jubiläum

Wie der wirtschaftliche Aufschwung nach Stormarn kam

Das Gewerbegebiet Beimoor in Ahrensburg. Hier hat die WAS Flächen von der Stadt gekauft und vermarktet diese nun

Das Gewerbegebiet Beimoor in Ahrensburg. Hier hat die WAS Flächen von der Stadt gekauft und vermarktet diese nun

Foto: Manfred Giese / HA

Vor 60 Jahren wurde die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft gegründet. 1800 Firmen mit 54.000 Arbeitsplätzen stehen in der Bilanz

Bad Oldesloe.  Axel Springer in Ahrensburg, Getriebebau Nord in Bargteheide, Michaelis in Reinbek, Minimax in Bad Oldesloe und Höffner in Barsbüttel: fünf von fast 1800 Firmen, an deren Ansiedlung die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) seit ihrer Gründung 1957 mitgewirkt hat. Mehr als 54.000 Arbeitsplätze kamen dadurch in den Kreis zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck. Am morgigen Donnerstag feiert die WAS – eine der ältesten kommunalen Wirtschaftsförderungs-Gesellschaften in Deutschland – ihr 60-jähriges Bestehen.

„Der Erfolg kam nicht über Nacht“, sagt WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann mit Blick zurück ins Nachkriegsdeutschland. Der Chef der SPD-Kreistagsfraktion Germann Bössow, der bis in die Mitte der 1970er-Jahre auch Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Stormarn war, war ein maßgeblicher Motor des Vorhabens. „Gute Wirtschaftspolitik ist auch gute Sozialpolitik“, lautete sein Motto. Am 23. März 1957 gründeten dann die drei Gesellschafter Kreis Stormarn, Sparkasse Stormarn (heute Sparkasse Holstein) und Landesbank Schleswig-Holstein die WAS.

Stormarn liegt bei der Wirtschaftskraft weit vorn

Die arbeitet seitdem an einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte. Einer der ersten Coups liegt inzwischen gar nicht mehr im Kreisgebiet: die Ansiedlung der Lufthansa-Reparaturwerft in Harksheide. Mit der Kreisreform 1970 wurden die Stormarner Gemeinden Harksheide und Glashütte der neuen Stadt Norderstedt zugeschlagen und damit dem Kreis Segeberg. Doch zu dem Zeitpunkt füllten sich auch schon die anderen Gewerbegebiete von Ahrensburg über Reinbek bis Bargteheide und Bad Oldesloe.

Heute erklimmt Stormarn in Vergleichen der 402 Kreise in Deutschland regelmäßig Spitzenplätze. In der jüngsten Analyse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Deutschlands größtem Marktforschungsinstitut, zur Kaufkraft durchbricht Stormarn mit seinen rund 240.000 Einwohnern als Nordlicht die Phalanx aus Bayern und Hessen und rangiert erneut in den Top Ten. Bei 22.239 Euro im Jahr liegt die Pro-Kopf-Kaufkraft im Bundesdurchschnitt. Das entspricht der Kennziffer 100. Mit 120 Prozent rangiert Stormarn auf Platz zehn, knapp hinter dem Landkreis Dachau und der Stadt Erlangen (beide 123) sowie dem Landkreis Fürstenfeldbruck (125). Mit Abstand vorn rangieren Starnberg (145) und der Hochtaunuskreis (142), Schlusslicht ist Görlitz (79).

„Bis in die 1990er-Jahre standen die Entwicklung, Erschließung und Vermarktung von Gewerbeflächen im Vordergrund“, sagt WAS-Chef Detlev Hinselmann. Vor einem guten Jahr übernahm er das Amt von Norbert Leinius, der seit Oktober 2000 die Geschäfte führte. Zuvor stand mit Vera Seier für neun Jahre eine Frau an der Spitze. „Wirtschaftsförderung wurde immer professioneller und anspruchsvoller“, sagt Hinselmann. Beispielsweise spielen bei Gewerbegebieten schon lange auch Umweltaspekte eine Rolle. „Was früher mit Leichtigkeit umzusetzen ging, benötigt heute ein sensibles Umgehen mit dem kostbaren Gut Land.“ Nachhaltigkeit, Ökologie, Ökonomie sowie Soziales seien in Einklang zu bringen.

Die WAS sieht viele Chancen in der Fehmarnbeltquerung

Ein Grund für die Stärke der Region sei sicher die Nähe zur Metropole Hamburg und zur Ostsee. Ebenso wichtig seien unternehmerische Courage, Standortverbundenheit, und das „sehr gute“ Wirtschaftsklima. Detlev Hinselmann ist optimistisch, dass er auch in den nächsten Jahren darauf setzen kann. „Der nordeuropäische Raum rückt zusammen, und die wirtschaftlichen Verflechtungen werden weiter vorangehen“, sagt er. Mit dem 18 Kilometer langen Tunnel zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark – der festen Fehmarnbelt-Querung – ergäben sich Chancen und Visionen. „Hier bringt die WAS ihre Kompetenz mit ein und wird sich strategisch positionieren“, so der Geschäftsführer.

Um den Standort nicht zu gefährden, müsse auch für eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur gesorgt sein. „Jedes neu angesiedelte, jedes expandierende Unternehmen in der Metropolregion Hamburg verleiht Stormarn Stabilität“, sagt Hinselmann. Es habe oberste Priorität, Firmen den nötigen Platz anzubieten.

Nichts habe die Wirtschaft mehr verändert als in jüngster Zeit die Digitalisierung. Der Strukturwandel biete branchenübergreifend Chancen, stelle aber alle Seite auch vor große Herausforderungen. „Erfolgreiche Unternehmen scheuen sich nicht, Veränderungen anzugehen.“ Bei der WAS halte die digitale Zukunft Einzug. „Ich persönlich bin überzeugter Anwender von IT-Werkzeugen“, sagt Hinselmann. „Daher werden auch wir uns bei der WAS dem digitalen Wandlungsprozess in den nächsten Jahren stellen.“

Die Einwohner hätten Stormarn in den vergangenen 60 Jahren zu einer modernen Technologie- und Dienstleistungsregion gemacht, die lebens- und liebenswert sei. Hinselmann: „Wir sind so, wie die Menschen hier in Stormarn, die uns seit unseren Anfängen begleiten: ideenreich, tatkräftig und immer bodenständig.“