Serie „Liebeserklärung“

Was die Hamfelder an ihrer Heimat lieben

| Lesedauer: 9 Minuten
Imke Kuhlmann
Katharina Heitmann (33) und ihr Mann Ole (38) leben seit drei Jahren mit ihren Kindern Anna (3) und Erik (1) in Hamfelde

Katharina Heitmann (33) und ihr Mann Ole (38) leben seit drei Jahren mit ihren Kindern Anna (3) und Erik (1) in Hamfelde

Foto: Imke Kuhlmann / HA

Warum schätzen Stormarner ihre Heimat? Das erfahren Sie jede Woche in unserer großen Abendblat-Serie. Heute geht es nach Hamfelde.

Hamfelde.  Sie sind hier geboren und fest verwurzelt. Oder sie sind voller Überzeugung nach Stormarn gezogen, weil es ihnen hier so gut gefällt. Aber was genau ist es, das ihre Städte und Gemeinden so lebens- und liebenswert macht? Imke Kuhlmann hat Hamfelder gefragt

„Als Kind habe ich hier schon an Bächen gespielt“

Im Alter von 13 Jahren kam Susanne Harder nach Hamfelde. „Als unsere Eltern uns erzählten, dass wir von Hamburg hierher ziehen wollen, fand ich es zuerst gruselig. Kaum waren wir eingezogen, war ich darüber sehr glücklich. Aus Hamburg kannte ich so viel Natur gar nicht.“ Inzwischen ist Susanne Harder 61 Jahre und hat vier Kinder in Hamfelde großgezogen. Einer der Söhne wohnt noch immer dort. Ihren Mann hat sie bereits zu Schulzeiten kennengelernt. „Ich bin mit dem Ort verwurzelt“, sagt sie. Das zeigt sich auch in ihrem Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Als Anfang der 1990er-Jahre die Feuerwehrmänner aufgrund von Nachwuchssorgen von Haus zu Haus gingen, um Werbung zu machen, interessierte ich mich dafür. Doch damals hielten sie nur nach Männern Ausschau.“ Die gelernte Zahntechnikerin blieb dran und wurde die erste Frau bei der Hamfelder Freiwilligen Feuerwehr. Seit 2012 gehört sie sogar zu den wenigen Wehrführerinnen in der Region und hat inzwischen auch weiblichen Feuerwehrnachwuchs an ihrer Seite.

„Es war immer mein Traum, hier zu leben“

„Das Haus, in dem wir leben, sollte genau an dieser Stelle stehen. Darauf habe ich lange gewartet“, verrät Daniela Scharfenberg. „Hier war früher ein Maisfeld, auf dem ich als Kind so gern gespielt habe. Als dann klar war, dass an dem Fleck Baugrundstücke entstehen, wusste ich: Ich warte so lange, bis genau diese Stelle erschlossen ist.“ Die Bürokauffrau ist in Hamfelde aufgewachsen. Mit 21 zog sie in ein Nachbardorf, doch sie wollte immer zurück nach Hamfelde. „Nichts ist schöner, als hier zum Abschalten durch den Wald zu gehen“, so die 36-Jährige. „Schon Trittau wäre mir zu groß. Hier im Dorf ist alles überschaubar und die Menschen halten zusammen.“ Vor 14 Jahren gründete sie die Spielgruppe, die sie inzwischen zusammen mit Katharina Heitmann betreut. Ihre Kinder Sarah (8) und Paul (5) sollen hier im Ort genauso unbeschwert aufwachsen, wie sie es als Kind erlebt hat. Und die kleine Sarah hat sie voll überzeugt: „Wir wohnen direkt neben dem Spielplatz, das ist toll.“

„Seit 1826 ist mein Grundstück in Familienbesitz“

Geboren und aufgewachsen ist Thomas Eggers (58) in Trittau. Seit 30 Jahren lebt er jetzt in Hamfelde. Als Verwandte das Grundstück veräußern wollten, das seit weit über hundert Jahren in Familienbesitz ist, kaufte er es. „Mein Vater wuchs in Hamfelde hier auf diesem Grundstück auf.“ Mit seiner Familie baute Thomas Eggers ein Haus. Inzwischen lebt er dort mit seiner Lebensgefährtin Petra Büning. Von Anfang an brachte er sich aktiv ins Gemeindeleben ein. „Nicht fragen, was ich davon habe“, ist seine Devise. „Wer zwei Stunden beim Dorffest mithilft, kennt fast jeden Bewohner.“ Seit drei Jahren ist Thomas Eggers im Ruhestand und beschäftigt sich als Imker mit seinen 18 Bienenvölkern. „Im Jahr 1840 gab es schon einmal einen Imker in der Familie.“ Der jung gebliebene Rentner ist auch in der Gemeinde immer noch engagiert, ob bei der Freiwilligen Feuerwehr oder im Finanzausschuss. Das politische Leben im Ort schätzt er sehr: „Es wird über die Sache diskutiert, das Ziel immer vor Augen.“ Thomas Eggers genießt vor allem die Ruhe und die Abgeschiedenheit des Dorfes.

„Für uns sind es die Menschen, die Hamfelde lebenswert machen“

Edith und Klaus Koops sind Hamfelder Urgesteine. Viele Jahre haben sie den Landgasthof Waldeslust betrieben, der nun in den Händen ihrer Kinder liegt. „Meine Großeltern haben den Gasthof, den es seit dem Jahr 1873 geben soll, meinen Eltern 1932 zur Hochzeit geschenkt“, erzählt der 78-Jährige. Mit seiner Frau ist er schon in Hamfelde zusammen zur Schule gegangen. „Hier gab es damals eine Schule mit 80 Kindern in einer Klasse“, erinnern beide. Edith Koops war sechs Jahre alt, als sie nach Hamfelde kam. Später verließen beide das Dorf für ein paar Jahre. Als Klaus Koops von der Seefahrt zurückkam, beendete Edith Koops ihre Zeit als Hausmädchen und sie verliebten sich ineinander. 1962 wurde geheiratet und sie blieben Hamfelde treu. „Es ist so wunderschön, inmitten der Felder und Wiesen leben zu können“, sagt die Gastwirtin. 180 Hühner, 280 Gänse, 500 Enten, Rot- und Damwild, Moorschnucken und Galloways leben mit den Koops im Dorf. Gezüchtet wird für den eigenen Gasthof. „Oft kommen die Kinder und wollen die Tiere füttern“, erzählt sie lächelnd. Für Klaus Koops ist auch der politische Umgang miteinander im Ort wichtig: „Es gibt keine Streitereien, alle sind immer an einer gemeinsamen Lösung interessiert.“

Von Hamfelde nach Hamfelde gezogen

„Zweimal Hamfelde gleich nebeneinander, das gibt es glaube ich nicht noch einmal“, sagt Ulrich Borngräber. Der 63-Jährige ist seit neun Jahren Bürgermeister im Stormarner Hamfelde. 1989 zog er mit seiner Familie vom gleichnamigem Ort im Herzogtum Lauenburg nach Stormarn. „Wir hatten gerade ein Fertighaus gekauft und suchten dafür noch ein Grundstück, das fanden wir hier.“ Ihm war es immer wichtig, in einem Ort zu leben, in dem keiner anonym ist. „Wir sind von Anfang an von den Menschen hier im Dorf aufgenommen worden. Das spürten wir besonders, als unser erstes Haus abgebrannt war“, erinnert er sich. Für ihn ist es auch das aktive Dorfleben, das zu dieser Gemeinschaft beiträgt. „In Hamfelde gibt es einen Spielkreis, einen Seniorennachmittag, das Dorffest und vieles mehr. Jeder, der dabei sein möchte, ist herzlich willkommen.“ Das gute Miteinander, das sich auch in der Politik widerspiegelt, war für ihn ein Grund, sich als Bürgermeister aufstellen zu lassen. „Die Lage des Dorfes macht das Leben hier lebenswert.“

Leben lang Hamfelde

Inge Dähn (78) wohnt noch fast am selben Fleck wie am ersten Tag ihres Lebens. „In Hamfelde (Stormarn) bin ich sogar zur Schule gegangen. Damals gab es die hier noch“, erzählt die Rentnerin. Nach der Schulzeit hat sie das Dorf für neun Jahre verlassen. „Ich arbeitete als Hausmädchen, zuletzt in Hamburg.“ Alle 14 Tage kam sie dann für ein Wochenende nach Hause. Bei einem Tanzabend lernte sie ihren Mann Karl kennen. 1963 wurde geheiratet, 1968 das Haus gleich neben dem Elternhaus gebaut. Dort lebt das Ehepaar noch heute. „Auch unsere beiden Kinder wohnen mit ihren Familien in Hamfelde.“ Inge Dähn ist fest mit dem Ort verbunden. „Ich möchte nie mehr weg“, sagt sie. „Vom Hahnheider Turm kann ich bei gutem Wetter bis nach Hamburg gucken. Es ist schön hier.“ Seit fast 35 Jahren engagiert sie sich beim Seniorennachmittag des Dorfes. „Ich habe diese Veranstaltung für die älteren Bürger mit ins Leben gerufen. Einmal im Monat treffen wir uns im Feuerwehrhaus.“

„Wir wollen auf dem Land leben“

Die Liebe zu ihrem Mann und zum Landleben zog Katharina Heitmann (33) nach Hamfelde. Ihr Mann Ole (38) ist hier aufgewachsen. Über den Beruf haben die beiden sich kennengelernt. „Das war in Hannover“, erzählt die gebürtige Ostfriesin. Zusammen mit ihren Kindern Anna (3) und Erik (1) leben sie nun seit drei Jahren gemeinsam im Ort. „Viele junge Familien wohnen hier“, so Katharina Heitmann. „Hier ist keiner anonym. Wer möchte, wird integriert, wer nicht, wird in Ruhe gelassen.“ Seit zwei Jahren engagiert sich die junge Mutter für die Spielgruppe auf dem Spielplatz. Einmal in der Woche kommen Mütter und Kinder nachmittags hierher, um sich kennenzulernen und auszutauschen. „Sogar einen Bauwagen als Unterschlupf haben wir angeschafft. Nur im Winter, wenn es zu kalt ist, machen wir zwei Monate Pause“, sagt Katharina Heitmann.

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