Stormarn
Oststeinbek

Knickpflege: Naturschützer fordern mehr Kontrolle

Alle zehn Jahre dürfen Knicks auf den Stock gesetzt, also zurückgeschnitten werden

Alle zehn Jahre dürfen Knicks auf den Stock gesetzt, also zurückgeschnitten werden

Foto: NABU/Fritz Heydemann

Unterschiedliche Maßstäbe machen es Landwirten schwer. Die Kommunen sind in der Verantwortung, sagt der BUND.

Oststeinbek.  Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert stärkere Kontrollen, doch die zuständigen Behörden sind personell überfordert. Jedes Jahr gibt es wieder Streit um die Knickpflege. Gerade jetzt wäre es an der Zeit, genauer hinzuschauen. Denn die Fristen für das „Auf-den-Stock-setzen“ oder „Aufputzen“ sind abgelaufen. Landwirte, die sich nicht daran halten, verstoßen gegen Naturschutzgesetz und Knickerlass.

Jochen Bloch, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Oststeinbek, nimmt die Bauern jedoch teilweise in Schutz: „Sie wurden mit zig Regelungen gegängelt. Irgendwann haben sie sich gesagt: Jetzt so, wie ich will.“

Vorschlag Blochs: Baurecht und Baumrecht gleichwertig

Immer wieder gehen Hinweise von Bürgern bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises ein. Sie ist für die Kontrollen verantwortlich. Den gemeldeten Verstößen gehe man nach und begutachte Knicks ansonsten stichprobenartig, sagt der stellvertretende Fachdienstleiter Erwin Posern. „Ein systematisches Vorgehen ist zeitlich nicht möglich“, erklärt er. Drei zuständige Mitarbeiter gibt es in Stormarn.

Viel zu wenige, meint Jochen Bloch. Er sieht die Kommunen in der Verantwortung. „Sie wälzen diese Aufgabe auf die Naturschutzbehörden ab.“ Wünschen würde er sich mindestens je eine halbe Stelle für einen Umwelt-Beauftragten. Außerdem brauche es auch in politischen Gremien mehr Umweltbewusstsein. Bloch schlägt einen Ausschuss vor, möglicherweise dem für Bau und Planung untergeordnet. Seine Hoffnung: „Baurecht und Baumrecht müssen gleichwertig sein“.

Schwerwiegend: Missachtung der Fristen, Fällen zu großer Bäume

Gesetzlichen Schutz für Schleswig-Holsteins Landschaftsmerkmale sollte bereits 2013 der sogenannte Knickerlass bringen. Darin wurde ein 50 Zentimeter breiter Schutzstreifen vorgeschrieben, der nicht bewirtschaftet werden darf. Außerdem können Bäume, die in einem Meter Höhe noch einen Durchmesser von mehr als zwei Metern haben, nicht mehr gefällt werden. Landwirte fühlten sich dadurch eingeschränkt. Daran änderten auch neue Hinweise zur Umsetzung des Knickerlasses nichts. Kirsten Hess, Pressesprecherin des Bauernverbands Schleswig-Holstein, sagt: „Allein die Bestimmungen zur Durchführung umfassen gut 20 Seiten. Das ist das reinste Bürokratiemonster.“

Hinzu kommt, dass Landwirte nicht nur den Knickerlass beachten müssen, sondern auch Cross-Compliance-Regeln. Damit sind Auflagen für Agrarbetriebe gemeint, an die die Auszahlung bestimmter EU-Fördermittel gebunden ist. Die Einhaltung überprüft das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Verstößt ein Landwirt gegen Cross-Compliance, wird ein gewisser Anteil der Direktzahlungen gestrichen. Nach dem Knickerlass müssen Bauern dagegen Bußgeld zahlen oder einen neuen Knick anlegen. Bisher sind diese Sanktionen davon abhängig, wie die jeweiligen Prüfer ein Vergehen einordnen. Als schwerwiegend gilt laut Erwin Posern die Missachtung der Fristen, das Fällen zu großer Bäume und das Beseitigen eines Knicks.