Stormarn
Stadtmarketing

Wie aus Ahrensburg jetzt eine Marke werden soll

Das Ahrensburger Schloss soll als Attraktion Teil der Markenbildung werden

Das Ahrensburger Schloss soll als Attraktion Teil der Markenbildung werden

Foto: Henrik Bagdassarian

Stadt will sich besser präsentieren und attraktiver für Bewohner, Besucher, Kunden und Unternehmen werden. Berater stellen Konzept vor.

Ahrensburg.  Nach monatelangen Diskussionen in verschiedenen Steuerungs- und Arbeitsgruppen soll es nun losgehen: Ahrensburg möchte einen Marketingprozess auf den Weg bringen, mit dem die Stadt sich – kurz gesagt – besser verkaufen kann. Ziel ist es unter anderem, die Innenstadt zu stärken, dadurch Kunden und Kaufkraft zu binden und Leerstände im Einzelhandel zu beseitigen. Ahrensburg soll als Unternehmensstandort vermarktet werden, ein attraktiver Wohnort für junge Familien sein und seine Attraktivität für den Tourismus steigern, unter anderem als Kultur- und Veranstaltungsstandort. Und, nicht zuletzt, soll ein gemeinsames Leitbild auch ein „Wir-Gefühl“ erzeugen, das Zusammenhalt und Identität fördert.

Das Markenbildungskonzept soll 36.000 Euro kosten

Es sind anspruchsvolle Ziele, von deren Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit aber die Akteure in Politik und Verwaltung im Grundsatz überzeugt sind. Gleichwohl ist ein entsprechender Beschluss jetzt im Hauptausschuss noch nicht gefasst worden. Grund: Eine Fraktion hatte noch Beratungsbedarf angemeldet, so dass nun auf der nächsten Sitzung über die Freigabe von zunächst 36.000 Euro für die Begleitung eines Markenbildungsprozesses entschieden werden soll. In der Diskussion zeichnete sich aber eine Mehrheit für eine entsprechende Vorlage der Verwaltung ab.

Beauftragt werden mit diesem Prozess soll die Lübecker Beratungsgesellschaft Cima, die in Ahrensburg bereits mehrfach tätig wurde und die über bundesweite Erfahrungen mit ähnlichen Projekten verfügt.

Die Anforderungen an die „Marke Ahrensburg“ haben die Berater klar formuliert: Sie müsse einerseits so abstrakt und übergreifend definiert sein, dass sie unabhängig von den verschiedenen Interessengebieten wie Wirtschaft, Tourismus, Einzelhandel als gemeinsame Kernbotschaft geeignet ist. Auf der anderen Seite müsse der Markengedanke aber für alle Akteure in der Stadt für eigene Maßnahmen nutzbar sein. „Die Stadtmarke soll im Alltag gelebt werden und erlebbar werden“, sagt Betriebswirtin Regina Schroeder, die seit 2011 für Cima tätig ist und in Ahrensburg auch schon am Einzelhandelskonzept mitgearbeitet hat. Nur so könne die notwendige Durchdringung der Profilierung nach außen und innen gelingen. Schroeder: „Es geht darum, die Vielzahl der vorliegenden Informationen zu verdichten und zuzuspitzen – gerade auch in Abgrenzung von anderen Städten.“ Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt sowie deren Positionierung herauszuarbeiten.

Bisher fehlt eine koordinierende Einheit

Die bisherige Arbeit der Steuerungsgruppe, in der neben Politik und Verwaltung die Industrie- und Handelskammer, der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und die Kaufleutevereinigungen Stadtforum und IG Hagener Allee vertreten sind, hatte ergeben, dass Ahrensburg zwar einiges zu bieten habe, dass es aber an einer koordinierenden Einheit fehle, die die teils widerstreitenden Interessen bündeln und in Konkurrenzsituationen moderierend eingreifen kann. Denn: Es gibt eine Vielzahl von Aktivitäten, die derzeit aber von unterschiedlichen Akteuren mit unterschiedlichen Schwerpunkten forciert werden, die weder auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten noch aufeinander abgestimmt sind. Zwar gibt es seit Herbst 2014 einen entsprechende Stabsstelle im Rathaus, die mit der ehemaligen Bauamtsleiterin Angelika Andres besetzt ist. Auch die für Wirtschaftsförderung zuständige Mitarbeiterin Christiane Link arbeitet in der Steuerungsgruppe mit, die bereits im September 2015 das erste Mal getagt hatte. Doch deren Arbeit war nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Gemengelage bisher nicht von Erfolg gekrönt.

Diesen Knoten zu durchschlagen soll nun mit Hilfe der externen Berater gelingen. Doris Brandt, die für die CDU im Hauptausschuss sitzt, betonte in der anschließenden Debatte den Handlungsbedarf. „Anscheinend schaffen wir es nicht allein und haben mit der Cima gute Erfahrungen gemacht.“ Auch Thomas Bellizzi von der FDP zeigte sich bereit, Geld für das Konzept in die Hand zu nehmen. „Es ist fast schon peinlich, dass wir seit 2015 noch keinen Stein bewegt haben.“ Daher sei es richtig, sich jetzt externe Hilfe zu holen. Im Grundsatz dafür ist auch die Wählergemeinschaft WAB. Deren Vertreter Peter Egan störte sich jedoch noch an der Höhe der Kosten und regte an, über den Umfang der Beratertätigkeit zu diskutieren.

Langfristig könnte eine eigene Marketinggesellschaft gegründet werden

Egan war es auch, der einen Blick über den Abschluss des Markenbildungsprozesses hinaus warf und mit Hinweis auf Rathausmitarbeiterin Angelika Andres betonte: „Wir müssen jetzt mehr selbst mitmachen, damit wir dann auch übernehmen können, wenn die Cima ihre Arbeit beendet hat.“

In der Tat sieht das Konzept der Berater auch vor, dass die bestehende Steuerungsgruppe gestärkt und auf die langfristige Weiterführung der Aufgaben vorbereitet werden soll. Perspektivisch, so wurde es bereits diskutiert, könnte das Stadtmarketing auch in einer eigenen Gesellschaft organisiert werden.

Bis dahin ist es indes noch ein weiter Weg. Zunächst sieht der Zeitplan vor, dass nach der Entwicklung des Markenprofils die Grundlagen der Umsetzung erarbeitet und ein Handlungsrahmenplan entwickelt werden soll. Ende September oder Ende Oktober könnte das fertige Konzept dann in der Stadtverordnetenversammlung präsentiert werden.