Stormarn
Serie

Theater in Hamburg: Kleine Bühnen, großer Spaß

Hauke Wendt betreibt eine Musical-Schule in Ahrensburg. Die Idee dazu entstand während der Projektwoche an einer Grundschule

Hauke Wendt betreibt eine Musical-Schule in Ahrensburg. Die Idee dazu entstand während der Projektwoche an einer Grundschule

Foto: Sebastian Knorr / HA

In der Abendblatt-Serie „Mein Kulturleben“ geben Stormarner Veranstaltungstipps. Heute: Der Musicalmacher Hauke Wendt.

Ahrensburg.  Über den Dächern im Ahrensburger Gewerbegebiet West hat Hauke Wendt mit seiner Frau Jacqueline „Jacqui“ eine Musicalschule für Kinder und Jugendliche eröffnet. „Eigentlich war das nie Teil des Konzepts“, sagt er. Dass es doch so kam und der studierte Schlagzeuger den Weg zurück in die Schlossstadt fand, dort unterrichtet und Musicals produziert, haben er und seine Frau den gemeinsamen Kindern zu verdanken.

Es ist einer dieser ungeplanten Lebenswege mit vielen Ortswechseln in Deutschland und auch einem Aufenthalt in England. Er führte vom Ahrensburger Spielmannszug zur eigenen Grunge-Band, über eine Stippvisite bei den Philharmonikern zu internationalen Musicalproduktionen, von Jugend Musiziert zur Musikhochschule – und irgendwann wieder zurück in die Provinz. Hier lebt die junge Familie, im beschaulichen Ahrensburg. Nahe der Musicalstadt Hamburg und den Großeltern.

Die Idee zur eigenen Musicalschule ist aus einer Projektwoche in der Ahrensburger Grundschule Am Aalfang entstanden. Hier geht der Nachwuchs der Musicalmacher zur Schule. Die Eltern sollten etwas dazu beitragen. Statt des obligatorischen Kuchens boten die Wendts eine Woche Musical in der Bildungseinrichtung. Geprobt wurde eine Szene aus dem Musical Cats.

Kleine Bühnen verfügen über mehr Intimität

„Den Kindern hat das großen Spaß gemacht“, sagt Wendt, „und die Eltern wollten, dass wir weiter machen.“ Aus der einmaligen Sache wurden regelmäßige Workshops, später gründeten die Wendts ihre Musicalschule. Spaß steht dabei im Vordergrund, nebenbei wird an der Präsenz gefeilt – Stimme, Musikalität, körperlicher Ausdruck, Tanz. „Wir sind anerkannt als studienvorbereitend“, sagt Wendt. Heißt: Wer später einmal in Richtung Tanz oder Musical studieren will, weiß sich Ahrensburg in seriösen Händen.

Was Kultur angeht, ist Wendt kein unbeschriebenes Blatt. Ein abgehobener Gourmet ist er indes nicht, eher Praktiker mit Leidenschaft. „Seit ich Familie habe, schaffe ich es immer seltener ins Theater“, sagt Wendt. Ganz weit vorne stehen dafür Heimkino mit DVD oder dem Serienanbieter Netflix. Wendt: „Eine familienkompatible Verabreichungsform“.

Wenn der Ahrensburger es ins Theater schafft, besuche er besonders gerne die kleinen Bühnen in Hamburg. Im Gegensatz zu den großen Musicalproduktionen, die er natürlich kennt und schätzt, hätten diese den Vorteil von mehr Intimität.

Das Schmidtchen bietet Newcomern eine Plattform

Eines dieser kleinen Theater ist das Schmidtchen auf der Reeperbahn. Es bietet jungen Künstlern und Newcomern eine Plattform. „Das Angebot ist sehr breit“, sagt Wendt, „gute Leute treten dort auf, und man merkt, dass sie die Freiheit haben, etwas auszuprobieren.“ Auch das Imperial Theater mit seiner Krimispezialisierung, ebenfalls auf dem Kiez beheimatet, empfiehlt Wendt: „Sie haben lange nach einer Nische gesucht. Wie sie auf Krimis gekommen sind, weiß ich nicht. Aber die machen das richtig gut.“

Als letzte kleine Bühne nennt Wendt die First Stage in Altona, die von der Hamburger Musicalschmiede Stage School betrieben wird. „Das Programm ist noch in der Findung“, sagt der Ahrensburger. Spannend findet er auch dort die Experimentierfreude: „Studenten können ihre Schularbeiten zeigen, Sachen ausprobieren.“ Heraus kämen spannende Projekte, die nicht unbedingt Avantgarde sein müssten. Wendt: „Kunst muss nicht immer etwas sein, dass es noch nie gab oder aber sozialkritisch daherkommt.“ Es gehe erstmal einfach darum, Sachen auszuprobieren, Ideen zu entwickeln – unverkrampft.

Wenn es dann mal etwas fertiger und gereifter sein soll, geht Wendt allerdings auch gerne in die Oper. „Am liebsten zu Wagner“, so der Schlagzeuger. In der Ahrensburger Stormarnschule hat er früher im Orchester gespielt, später eine klassische Ausbildung angefangen. Warum er nicht in diese Richtung gegangen ist? Das sei eine längere Geschichte, so Wendt. Kurz vor dem Abitur stehend, gewann er bei Jugend Musiziert in Hamburg den Landespreis und damit 1200 Mark. „Eine Riesen-Summe“, sagt Wendt, „den Preis hat mit der Chef der Philharmoniker übergeben. Am nächsten Tag habe ich bei ihm angerufen, mich herzlich bedankt und gefragt, ob ich auch mal bei einer Probe vorbeikommen kann.“

Weichenstellung bei Besuch der Philharmoniker

Eine Woche durfte Wendt daraufhin zuschauen. Eine Woche, in der er eine weichenstellende Erkenntnis erlangte, die er heute so formuliert: „Wenn du als dritter Schlagzeuger bei den Philharmonikern einsteigst, dann spielst du halt 30 bis 40 Jahre Triangel oder Becken.“