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Liebeserklärung an Grande: Feste feiern und Natur genießen

| Lesedauer: 8 Minuten
Anna Orlowski mit Tochter Greta (l.) und Sohn Anton

Anna Orlowski mit Tochter Greta (l.) und Sohn Anton

Foto: Imke Kuhlmann / HA

Warum lieben Stormarner ihre Heimat? Das erfahren Sie in der Abendblatt-Serie „Liebeserklärung an...“. Heute: Grande.

Was macht Grande so lebens- und liebenswert? Imke Kuhlmann hat bei den Einwohnern nachgefragt.

„Hier fühle ich mich einfach zu Hause“

Vor fünf Jahren zog Anna Orlowski mit ihrem Mann von Hamburg nach Grande. „Eigentlich ist es ein Zufall, dass wir nach Grande gezogen sind“, meint sie. „Wir suchten ein Grundstück und sind durch die Gegend gefahren, um uns umzuschauen. Ein Schild an der Straße machte uns auf das Neubaugebiet aufmerksam, und schnell war klar, hier wollen wir leben.“ Die gelernte Arzthelferin hat drei kleine Kinder. „Die Familien bekommen hier ganz schnell Kontakt, besonders im Neubaugebiet. Ich fühle mich hier einfach zu Hause“, so die 27-Jährige.

Anna Orlowski schätzt die kurzen Wege. „Wir können viel zu Fuß erledigen“, sagt sie und schwärmt von dem Spielplatz im Ort. „Es kommen sogar Familien aus dem Umfeld zu uns, so schön ist der Spielplatz. Mit einer Seilbahn, einer Krabbelröhre und einer großen Rasenfläche hat er einiges zu bieten.“ Die junge Mutter mag auch die Gemeinschaft des Dorfes. „Wenn wir zusammensitzen, gehört jeder schnell dazu.“

„Aus einem Schuhkauf wurde ein Reiterladen“

Carmen Hansen (59) führte der Zufall nach Grande. Auf dem Weg von Lütjensee ins Theater nach Hamburg machte sie an einem Schuhgeschäft halt. „Mein Mann brauchte schnell noch ein paar neue Schuhe. Ich kam mit dem Inhaber ins Gespräch und erzählte von meinem Secondhandshop für Reiterbedarf zu Hause in meinem Wintergarten.“ Der fackelte nicht lange und bot ihr gleich einen Teil seines Ladengeschäftes an.

Einen Monat später zog sie ein. „16 Jahre habe ich nun hier in Grande meinen Reiterladen“, sagt Carmen Hansen. „An die Grander Mühle, die eigentlich in Kuddewörde steht, habe ich viele schöne Kindheitserinnerungen. Damals gab es dort das beste Curryhuhn.“ Die Reiterin berichtet von einem Reiterparadies in und um Grande. „Rund 50 Reitställe haben wir hier in der Umgebung.“ Auch wenn sie immer noch in Lütjensee lebt, die Geschäftsfrau schätzt die Lage Grandes mit der Nähe zu Hamburg genauso wie die Spaziergänge durch die Felder.

„In einer Großstadt würde ich untergehen“

Der gelernte Landwirt Peter Mohr mag Grande genauso wie die plattdeutsche Sprache. „Die Liebe zu meiner Frau brachte mich damals ins Dorf“, erzählt er. Das ist nun schon 40 Jahre her. Geboren wurde der 69-Jährige in Dithmarschen. Für ihn und seine Frau war klar, leben wollten sie hier an der Bille. Das Miteinander sei auf dem Dorf anders, darum möchte er nie in der Großstadt leben. „Hier steht einer für den anderen ein“, sagt er. Er mischt gern mit, ob im Gemeindeleben oder im Männergesangsverein im Nachbarort Trittau.

Dort singt er zusammen mit seinem Freund Arno Trapp. Der 75-Jährige ist erst vor 16 Jahren nach Grande gezogen, auf das Grundstück seiner Schwiegereltern. „Wir wohnen hier im Paradies“, sagt er. Ein großes Naturgrundstück direkt an der Bille mit zwei Karpfenteichen bringen ihn ins Schwärmen. „Wer das sieht, muss nicht überredet werden, dass es hier schön ist“, so der gebürtige Münchner.

„Das Dorf hat von sich Reden gemacht“

Sogar der Bürgermeister ist ein Zugezogener. 1978 zog Heinz Hoch nach Grande. Seit neun Jahren ist er der Bürgermeister des Dorfes. „Wir sind eine Gemeinde mit kurzen Wegen, denn alles liegt nah beieinander“, sagt der 72-Jährige. „Nachbarschaft wird hier groß geschrieben. Jeder ist freiwillig dabei, wenn wir eines unserer schönen Feste feiern“, sagt der gelernte kaufmännische Angestellte.

„Ohne die Freiwillige Feuerwehr wären die vielen Veranstaltungen allerdings nicht möglich. Ob Laternenumzug, Tannenbaum verbrennen, Kartoffelfest oder auch das Maifeuer. Durch die Neubaugebiete ziehen inzwischen viele jüngere Menschen ins Dorf.“ Ein Dorf, das von sich Reden gemacht hat im Kampf um eine Kiesgrube. Heinz Hoch berichtet voller Stolz: „Wir haben es geschafft, dass eine kleine Gemeinde gegen eine Behörde gesiegt hat. Die Kiesgrube ist vom Tisch.“

„Ein Freund machte uns die Region schmackhaft“

„Ich bin immer froh, wenn ich das Ortsschild von Grande sehe“, sagt Michelle Brien. Seit 2002 lebt sie mit ihrer Familie hier. „Als wir ein Grundstück suchten, sagte mein Mann, wenn er aus Hamburg rauszieht, dann nur in diese Ecke. Wir kannten die Region durch einen Freund, der im Nachbarort lebt.“ Ihre Kinder sind hier geboren. „Für den Nachwuchs ist es einfach ideal, in Grande zu leben. Wir kennen uns untereinander, und jeder hat ein Auge auf den anderen.“

Die 41-Jährige schätzt die Nähe zu Trittau. „Der Ort ist mit dem Fahrrad gut erreichbar. Hier gibt es alle Einkaufsmöglichkeiten.“ Es gebe eine gute Verkehrsanbindung an Hamburg, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln lobt sie. Als die Kinder klein waren, ist Michelle Brien mit dem Kinderwagen gern ums Dorf gelaufen. Ein Spaziergang von einer halben Stunde sei das.

„Die Freiwillige Feuerwehr veranstaltet viele Feste“

Philipp Trapp (40) ist Wehrführer bei der Freiwilligen Feuerwehr in Grande. Seine Großeltern wohnten schon im Ort. Vor 16 Jahren sind seine Eltern hergezogen. Seit 2002 lebt auch der Immobilienmakler mit seiner Frau in Grande. „Ich mag die aktive Dorfgemeinschaft, man kennt sich, jeder grüßt, dass macht das Leben angenehm.“ Und auch die Nähe zur Ostsee schätzt der 40-Jährige. Zur Freiwilligen Feuerwehr zu gehen, war schon immer sein Traum, der wurde in Grande wahr. Dort lernte Philipp Trapp Uwe Knöppel kennen.

Der Briefbote ist Fördermitglied bei der Feuerwehr. Den 53-Jährigen verschlug es eher zufällig nach Grande. Eine Zeitungsanzeige für eine freie Doppelhaushälfte ließen den Hamburger und seine Frau neugierig werden. Das Haus wurde gekauft. „Mir war klar, um sich zu integrieren, ist es im Dorf wichtig, sich einzubringen.“ Uwe Knöppel ist Trainer der ersten Herrenmannschaft der Sportfreunde Grande-Kuddewörde von 1952. Und er schätzt eins besonders: „Die Nachbarschaft hier ist einfach großartig.“

„Hier leben Eisvögel, Uhus und Schleiereulen“

„Mein Stiefvater hat hier schon Pferde gezüchtet“, erzählt Stefan Wildegans. Auch die Eltern des 76-Jährigen besaßen ein Haus in Grande. „Mit unserem ersten Kind zogen wir dann auch ins Dorf. Wir wollten, dass unsere Kinder entspannt aufwachsen.“ Seine Frau Rita ergänzt: „Unsere drei Kinder sind hier wie unter einer Schutzglocke groß geworden.“ Und Stefan Wildegans fährt fort: „Für mich ist der Osten Hamburgs attraktiver als der Westen. Die Vielfalt in der Natur, die Lage zwischen Sachsenwald und Hahnheide oder auch das Billetal haben einiges zu bieten. Eisvögel, Uhus, Schleiereulen und Seidenreiher leben hier.“

Und wer Kultur liebt, sei schnell in der Stadt. „Das Angebot nehmen die Menschen am Stadtrand wahrscheinlich sogar noch eher an als die Städter selber“, so seine Frau. Für Familie Wildegans sind die Dorffeste schöne Erlebnisse. „Im Frühjahr gehen wir außerdem alle gemeinsam in die Feldmark und sammeln den Müll auf“, erzählt der ehemalige Versicherungsmakler.

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