Pop-Oratorium

Klein Wesenberger Kirchenchor auf großer Bühne

| Lesedauer: 4 Minuten
Isabella Sauer
Die Uraufführung des Pop-Oratoriums „Luther“ in der Westfalenhalle in Dortmund. In Hamburg wird das Musical in der Barclaycard-Arena aufgeführt

Die Uraufführung des Pop-Oratoriums „Luther“ in der Westfalenhalle in Dortmund. In Hamburg wird das Musical in der Barclaycard-Arena aufgeführt

Foto: Luther Pop-Oratorium / HA

19 Chorsänger machen beim Pop-Oratorium „Luther“ in Hamburg mit. Sie treten vor rund 6000 Zuschauern in der Barclaycard-Arena auf.

Klein Wesenberg.  Knapp 1500 Sängerinnen und Sänger aus Hamburg und der Region werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit den 18. Februar in ihrem Terminkalender ganz deutlich markiert haben. Warum? An diesem Sonnabend verwandelt sich die Barclaycard-Arena in Hamburg in eine Musical-Halle. Aufgeführt wird das Pop-Oratorium „Luther“, welches seine Uraufführung 2015 in Dortmund hatte und nun in die Hansestadt kommt. Die Besonderheit: Jeder Aufführungschor kommt aus der jeweiligen Stadt und der Region. Auch Stormarn wird an diesem Abend vertreten sein: Der Kirchenchor der Gemeinde Klein Wesenberg traut sich – und wird vor mehr als 6000 Zuschauern singen.

Der Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde Klein Wesenberg und Hamberge hat eine lange Tradition. Laut Pastor Erhard Graf hat die Geschichte des Chores 1874 begonnen. „Damals war es ein gemischter Chor“, sagt der Geistliche. Danach sei daraus der sogenannte Bachchor geworden, der habe vom 8. bis 10. Oktober 1932 das Jahresfest für kirchliche Musik veranstaltet. Graf: „Mehr als 3000 Besucher sind damals nach Klein Wesenberg gekommen.“ Kriegsbedingt gab es dann eine längere Chorpause, von 1964 an ging es weiter. „Und 2001 hat es eine Chorfusion mit der Paul-Gerhard-Gemeinde in Lübeck gegeben“, so der Pastor. Doch als Graf im Mai 2008 in Klein Wesenberg als Pastor anfing, sei die Unzufriedenheit über diese Zusammenarbeit sehr groß gewesen. Das Argument: Es wurde immer nur in Lübeck gesungen und nicht in der 750-Seelen-Gemeinde.

Chor hat bei Regionalprobe in Harburg mitgemacht

So kam es zu einem Neuanfang des Klein Wesenberger Kirchenchores. Seit knapp drei Jahren wird er nun von Irina Rusch geleitet. Sie stammt aus Russland, siedelte 2004 nach Deutschland über. Bereits in ihrer Heimat studierte sie Musik an verschiedenen Fachschulen. Rusch: „Ich leite nicht nur den Chor der Kirchengemeinde Klein Wesenberg, sondern auch in Neuengörs und Sülfeld, sowie den Männerchor in Sattenfelde und die Kinder- und Jugendchöre der Kirchengemeinde Neuengörs und Tremsbüttel.“ Die Idee, sich beim Pop-Oratorium anzumelden, kam allerdings nicht von ihr. Die hatten die Sänger selbst. Die musikalische Gestaltungsform des Oratoriums ist ein Singspiel mit wechselnden Solisten und einem übermächtigen Chor.

Sängerin Monika Niehus (62) singt auch in der Arena. Sie sagt: „Beim Auftritt in Hamburg sind 19 Chormitglieder dabei.“ Die Idee hätte die Tochter des Bürgermeisters, Doris David, gehabt. „Vor den Sommerferien hat Doris unseren Chor einfach mal aus Spass angemeldet“, sagt die gebürtige Hambergerin, „und dann ist aus der Schnapsidee Ernst geworden.“ Schließlich flatterten jedem Sänger die Noten der 20 Stücke in den Briefkasten. Jeder habe für sich alleine geprobt, aber auch in der Gemeinschaft. „So richtig mit dem Proben angefangen haben wir aber erst im Dezember“, sagt Monika Niehus. Bei der Regionalprobe in Hamburg-Harburg seien aber fast alle dabei gewesen. Die Sängerin erinnert sich zurück und sagt: „Das war schon beeindruckend, 600 Sänger auf einem Haufen.“ Sie seufzt kurz und sagt dann weiter: „Und am kommenden Sonnabend sind es ja noch einmal doppelt so viele Sänger, Wahnsinn.“

Komponist Dieter Falk 50 Goldene- und Platinschallplatten

Schirmherr des Pop-Oratoriums in Hamburg ist Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Stadt Hamburg, sowie Kirsten Fehrs. Sie ist Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Ausgearbeitet wurde das Musical vom Komponisten Dieter Falk. Er war 2006 und 2007 Jury-Mitglied bei der Casting-Show Popstars, langjähriger Produzent von Bands und Künstlern wie PUR, Monrose und Paul Young. Er hat mehr als 50 Goldene- und Platinschallplatten. Die Texte geschrieben hat Michael Kunze, aus dessen Feder auch die Musicals Elisabeth, Tanz der Vampire, Marie Antoinette und Rebecca stammen. Hinter dem Musical-Projekt steckt die Stiftung Creative Kirche, die Menschen religiöse Themen mit moderner Musik nahebringen will.

Und das ist der Inhalt des Musicals: Im Mittelpunkt steht Martin Luther, der 1521 vor dem Reichstag in Worms aufgefordert ist, seine kirchenkritischen Aussagen zu widerrufen. Das Pop-Oratorium erzählt von Luthers Ringen um die biblische Wahrheit und von seinem Kampf gegen die Obrigkeit und die Kirche.

Wer noch auf der Suche nach einer Fahr- oder Bahngemeinschaft ist, der kann sich
bei Pastor Erhard Graf unter Telefon 04533/55 51 melden. Tickets 20,60–59,90 auf www.luther-oratorium.de/tickets/

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn