Anti Fasching?

Weniger Gäste bei der Elmenhorster Karnevalsnacht

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Isabella Sauer

Nur 450 Besucher bei der ersten Elkana. Nächste Woche soll es weitergehen. Karneval-Profis geben Verkleidungstipps.

Elmenhorst.  An zwei Wochenenden im Jahr steht Elmenhorst Kopf, dann wird in der 2700-Seelen-Gemeinde Karneval gefeiert. Das heißt: Die Mehrzweckhalle verwandelt sich in eine bunte Party-Location, Straßen werden abgesperrt, Mitglieder des Karnevalvereins schlüpfen in ihre Vereinskleidung und die Gäste überzeugen mit ihren ausgefallenen Kostümen. In diesem Jahr lautete das Motto der Elmenhorster Karnevalsnacht (Elkana) „Back to the 80s“. Doch das kam anscheinend nicht bei allen so gut an, denn die Besucherzahl hat ein Rekordtief erreicht.

Die Festhalle ist wie immer schön geschmückt: An den Wänden und von der Decke hängen gelbe Smileys, Kinoplakate von 80er-Jahre-Filmen und Discokugeln. Hinten links in der Ecke duftet es nach frisch gebackenen Brezeln und Chili con Carne. Und auf der Tanzfläche tummeln sich die ersten Frauen in pinkfarbigen Leggings und Dauerwelle sowie Männer mit „Vokuhila“-Frisur und Ballonseide-Anzug. Um Punkt 19.11 Uhr sollte das Programm starten, doch wie im vergangenen Jahr sind noch nicht genügend Besucher vor Ort. Eine erste Tanzrunde wird vorgezogen.

Das Programm startet erst mit Verspätung

Mit einer Stunde Verspätung beginnt das offizielle Programm. Stolz marschieren die Mädchen der Kindergarde in die Halle, geben ihren Tanz zum Besten, den sie seit einem knappen Jahr einstudiert haben. Der Applaus ist trotz der noch wenigen Besucher riesig. Unter den Gästen sind auch Franziska Flohr (24) und Mailin Bergmann (23). Zum dritten Mal feiern sie hier in Elmenhorst. Sie sind beeindruckt von der Darbietung der Kindergarde, klatschen laut und setzen sich dann auf eine der vielen freien Bierzeltgarnituren, während andere nun schnell wieder auf die Tanzfläche huschen. Die Stormarnerinnen tragen ziemlich bunte Klamotten, es sieht ein wenig zusammengewürfelt aus. „Wir wollten Hippies darstellen“, sagt Flohr. „Jeder hat seinen Kleiderschrank aussortiert und die hässlichsten Sachen haben wir dann eingepackt“, sagt Bergmann. Ihr Tipp für das perfekte Kostüm: Alte Kleidung niemals wegschmeißen, daraus kann immer noch ein Karnevals-Outfit werden.

Es geht weiter im Programm. Erneut der Schlachtruf des Vereins: „Fisch-Elm, Fisch-Elm, Fisch-Elm.“ Die Teenie- und die Prinzengarde führen ihr Bühnenprogramm auf. So langsam füllt sich die Halle und auch die Kostüme werden ausgefallener. So sticht auch eine reine Mädchengruppe ins Auge, die sich als Batman und Batwoman verkleidet hat. Sabrina Henning (25) ist eine von ihnen und schaut dem Auszug der Prinzengarde ziemlich lange hinterher. Sie erinnert sich an die Abende zurück, an denen sie selbst noch Tänzerin war. Dann sagt sie: „Ich liebe die Elkana, deswegen bringe ich auch immer wieder Freunde von mir mit.“

Kurzfristig wurde eine Vorstandssitzung am Sonntagabend anberaumt

Der Elmenhorster Karnevalsverein hat sich 1997 gegründet. Heute zählt er rund 180 aktive Mitglieder. Die zwei Elkana-Feiern sind nach Angaben des Vereins die größten Karnevalsveranstaltungen im Kreis Stormarn.

Gegen 24 Uhr ist das Pflichtprogramm erfüllt. Nun heißt es endgültig Tanzfläche frei. So auch für die 25 Jahre alte Lena aus Bad Oldesloe und ihren drei Freundinnen. „Für uns ist es fast schon eine Tradition, zur Elkana zu kommen“, sagt sie und zupft ihren Rock zurecht. Jedes Jahr überlegten sie sich ein außergewöhnliches Kostüm. „In diesem Jahr sind wir Kaugummiautomaten“, sagt die Oldesloerin. Die Idee hätten sie sich bei der Smartphone-App Pinterest geholt.

Noch bis in die frühen Morgenstunden ertönt laute Partymusik der 80er-Jahre aus der Mehrzweckhalle. Pressesprecherin Carolin Moses zieht eine Bilanz für die erste Elkana: „Wir sind zufrieden.“ Doch begeistert klingt das nicht. Nur 450 Gäste seien gekommen, gleich 200 weniger als im Vorjahr und mehr als 300 weniger als noch vor zwei Jahren. Nach Abendblatt-Informationen hat es gegen Ende der Veranstaltung Streitigkeiten unter Vorstandsmitgliedern gegeben. Laut Pressesprecherin sollen die aber nichts mit der geringen Gästezahl zu tun gehabt haben. Für Sonntagabend wurde kurzfristig eine Vorstandssitzung einberufen.

SO FINDEN SIE EIN PASSENDES KOSTÜM

Aus dem Fundes des Karnevalvereins

Julia Giebelmann (v.l.,28), Angelika Wojtys (30), Alexandra Otto (30) und Sabrina Henning (25) haben sich als Batman und Batwoman verkleidet. Ihre Idee entstand auf einer Reise nach Mallorca. Henning sagt: „Wenn ein Gläschen zu viel getrunken wurde, ist man kreativer.“ Aber sie hat noch einen weiteren Tipp für diejenigen parat, die noch auf der Suche nach einem Kostüm sind: Der Elmenhorster Karnevalsverein hat einen Kleiderfundus mit rund 600 Kostümen. Gegen eine Gebühr können diese ausgeliehen werden.

Per Smartphone-App

Lena (25) aus Bad Oldesloe hat sich als Kaugummiautomat verkleidet. Vier Stunden hat sie an ihrem einzigartigen Kostüm gebastelt. Was sie dafür brauchte: ein schwarzes Top, bunte Pompons aus dem Bastelgeschäft, einen roten Rock und Tonpapier für den Geldeinwurf. Woher die Idee stammt? Lena sagt: „Ich habe mir die Smartphone-App Pinterest heruntergeladen und dort unter dem Stichwort Karneval und Halloween nach einem passenden Kostüm gesucht.“ In der App laden Menschen Fotos zu bestimmten Themen hoch.

Einfach alte Klamotten nehmen

Mailin Bergmann (l.,23) und Franziska Flohr (24) haben bei ihren Kostümen auf Spontaneität gesetzt. Die beiden jungen Frauen haben sich erst eine Stunde vor Partybeginn getroffen und gemeinsam ein Outfit überlegt. Was beide jedoch schon vorab gemacht haben: ihren Kleiderschrank ausgemistet. Franziska Flohr sagt: „Alles, was ich an alten Klamotten hatte und ziemlich hässlich fand, habe ich eingepackt.“ Der Tipp der beiden Freundinnen: Niemals Klamotten wegschmeißen, für eine Karnevalsfeier reichen sie noch aus.

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