Stormarn
Politik

Jugend soll in Stormarner Kommunen mehr mitreden

Arbeiten eng zusammen (v. l.): Jugendpflegerin Kathrin Göhlert mit Janne Vagt  und  Annika Weise  vom Reinfelder Kinder- und Jugendbeirat sowie Schulsozialpädagogin Inken Croce

Arbeiten eng zusammen (v. l.): Jugendpflegerin Kathrin Göhlert mit Janne Vagt und Annika Weise vom Reinfelder Kinder- und Jugendbeirat sowie Schulsozialpädagogin Inken Croce

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Kinder- und Jugendbeiräte sind in Ahrensburg und Reinfeld sehr aktiv, Bad Oldesloe und Großhansdorf brauchen einen Neustart.

Bad Oldesloe.  Kinder und Jugendliche sollen beteiligt werden, wenn es zum Beispiel um den Bau eines Jugendzentrums oder die Umgestaltung eines Spielplatzes geht. Das schreibt Paragraf 47 f der Gemeindeordnung vor. „Schleswig-Holstein war damit Vorreiter“, sagt Sozialpädagogin Jorinde Rose vom Kreisjugendring (KJR). Die Umsetzung sei jedoch von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. Während in Bad Oldesloe und Großhansdorf die Kinder- und Jugendbeteiligung gerade wiederbelebt werden muss, haben Ahrensburg und Reinfeld einen sehr aktiven Beirat.

Die Aktion Jugend im Rathaus sorgt für Polit-Nachwuchs

„Wir stellen sicher, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Anliegen von der Politik gehört werden“, fasst der Vorsitzende Yannick Klix die Kernaufgabe des Kinder- und Jugendbeirats (KiJuB) in Ahrensburg zusammen. In der Schlossstadt leben aktuellen Zahlen zufolge 4860 Einwohner im Alter zwischen sechs und 21 Jahren. Nachwuchssorgen hat das Gremium nicht, was auch an der Unterstützung durch Politik und Verwaltung der Stadt liegt. Je nach Schule verbringen alle Ahrensburger Schüler zwischen Klasse neun und elf bei „Jugend im Rathaus“ einmal einen Tag dort und erleben die Entscheidungsprozesse in Ausschüssen und Stadtverordnetenversammlung anhand eines Planspiels. „Das ist ein super Eisbrecher“, sagt Abiturient Klix. Viele hätten danach Lust, sich weiter zu beteiligen. „Wir fühlen uns auf Augenhöhe, haben Rede- und Antragsrecht in allen Ausschüssen und in der Stadtverordnetenversammlung“, sagt der 19-Jährige, der mittlerweile Jura studiert.

Das ganze 23 Köpfe umfassende Gremium besteht aus Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und maximal 26 Jahren. Es setzt sich aus Delegierten der Jugendsparten der Ahrensburger Vereine und der Jugendzentren zusammen und wird alle zwei Jahre neu gewählt. Unterstützt werden sie noch vom Junior-KiJuB, der den Rang einer Arbeitsgruppe hat. Dort können Kinder im Alter ab acht Jahren ihre Ideen einbringen.

In Bad Oldesloe gab es zu wenig Bewerber

In Bad Oldesloe konnte das dortige Gremium trotz 3900 jungen Einwohnern vor zwei Jahren hingegen nicht neu besetzt werden, weil sich die Jugendlichen von der Politik nicht gehört fühlten, es infolgedessen keine neuen Bewerber gab. Erst seit Mitte Dezember gibt es dort wieder einen Kinder- und Jugendbeirat, wenn auch nur kommissarisch. „Wir müssen unsere Arbeit zuerst wieder bekannter machen“, sagt der neue Vorsitzende David Zilesch (18). Neuwahlen sind bereits für den November kommenden Jahres angedacht, wenn erstmals landesweite Wahlen zum Kinder- und Jugendbeirat geplant sind. Daran wollen sich auch die Oldesloer beteiligen. „Ob ich mich nach dem Abitur wieder zur Wahl stelle, weiß aber ich noch nicht“, sagt der Timo Lübben. Wie viele seiner vier Mitstreiter kann der 18-Jährige noch nicht absehen, wie es danach für ihn weitergeht.

Bis dahin soll jedoch mit Kino im Schwimmbad und einer Rollenspiel-Version des Brettspiels „Suche nach Mister X“ auf die Jugendvertretung aufmerksam gemacht werden. „Wir müssen der Politik deutlich machen, dass solche Entscheidungen schneller gehen“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke mit Blick auf die auch regulär nur zweijährige Amtszeit des Gremiums. Die Arbeit des Beirates sei ihm so wichtig, dass er die monatlichen Sitzungen im Rathaus nach Möglichkeit besuchen wolle, so das Stadtoberhaupt.

Waldgemeinde Großhansdorf schloss das wenig genutzte Jugendzentrum

Großhansdorf hat diesen Schritt noch vor sich. In der Waldgemeinde mit 1338 Kinder- und Jugendlichen soll eigentlich der Ortsjugendring (OJRG) ihre Interessen vertreten. „Der Verein hat jedoch zuletzt mit Unterstützung der Ortsjugendpfleger vor drei Jahren eine Mitgliederversammlung abgehalten und eine neue Führung gewählt“, sagt Bürgermeister Janhinnerk Voß.

Seither wurden jedoch weder Sitzungen besucht noch eigene Veranstaltungen angeboten, berichtet der Verwaltungschef dem Abendblatt. Sogar der jährliche Zuschuss der Gemeinde sei zuletzt nicht mehr abgerufen worden. Mittlerweile sei das Jugendzentrum aus mangelndem Interesse geschlossen, der verbliebene Jugendpfleger werde in der Flüchtlingsarbeit eingesetzt. Die Gemeinde denke nun über neue Beteiligungsmechanismen nach, zum Beispiel über die sozialen Medien.

In Reinfeld ist der Kinder- und Jugendbeirat sehr aktiv

Ganz anders ist die Situation hingegen in Reinfeld. Dort leben zwar auch nur 1397 Kinder- und Jugendliche, der örtliche Kinder- und Jugendbeirat sei „bombig“, wie Stadtjugendpflegerin Katrin Göhlert stolz sagt. Für das siebenköpfige Gremium habe es bei der letzten Wahl im Jahr 2015 sogar 20 Bewerber gegeben. Sie besuchen allein oder in Gruppen die Ausschusssitzungen der Stadt. „Zur Stadtverordnetenversammlung gehen wir manchmal alle zusammen, um Präsenz zu zeigen“, sagt die 18-jährige Annika Weise vom dort KJB genannten Gremium. Ansonsten habe jeder „seine“ Ausschüsse. Neuerdings ziehe der Sozialausschuss die Kinder- und jugendrelevanten Themen extra vor, damit die jüngsten Teilnehmer nach den Besprechungen etwas eher nach Hause gehen können.

Den jungen Aktiven ist es unlängst gelungen, Ausrichter des Stormini-Planspiels zu werden, wie die 17-jährige Janne Vagt berichtet. Dabei wird der Wirtschaftskreislauf im „kleinen Stormarn“ simuliert. Einzig die Zustimmung der Stadtverordneten stehe noch aus.

„Beteiligung funktioniert, wenn die Kinder- und Jugendlichen richtig angesprochen werden“, sagt Katrin Göhlert. Reinfeld und Ahrensburg scheinen hier einiges richtig zu machen.