Stormarn
Neujahrsempfänge

So begrüßen die Stormarner das Jahr 2017

Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach (l.) und Bürgervorsteher Roland Wilde stoßen auf das neue Jahr an

Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach (l.) und Bürgervorsteher Roland Wilde stoßen auf das neue Jahr an

Foto: Lutz Wendler / HA

Das erste Wochenende nach dem Jahreswechsel nutzen Städte und Gemeinden traditionell für Neujahrsempfänge. Das Abendblatt war dabei.

Ahrensburg will das neue „Wir-Gefühl“ ausbauen

Wenn es nach Helma Schuhmacher ginge, dann könnte die ehrenamtliche Arbeit in Ahrensburg nach dem Neujahrsempfang der Stadt am Freitagabend einen gewaltigen Schub bekommen. Sie nutzte das Schlusswort ihrer kurzen Dankesrede auf der Bühne für einen Appell, bei dem sich jeder der etwa 180 Gäste im Saal direkt angesprochen fühlen dürfte: „Sollten Sie zu den 57 Prozent in Deutschland gehören, die noch kein Ehrenamt haben, so sind Sie hiermit herzlich eingeladen“, sagte sie und fügte als Anregung prompt Kontaktdaten der Alzheimer Gesellschaft Stormarn hinzu, deren Vorsitzende sie seit 2001 ist. Sie selbst macht vor, wie wertvoll ehrenamtliches Engagement ist. Deshalb zeichnete Ahrensburg sie mit der erstmals verliehenen Ehrennadel der Stadt aus.

Dazu passte, dass Bürgervorsteher Roland Wilde in seiner Rede zu mehr Gemeinsinn aufrief, zum Wir-Gefühl, das mit aktivem Interesse an den Angelegenheiten der Gemeinde anfange. So wünschte er sich mehr Bürger als Zuhörer bei den Stadtverordnetenversammlungen und in den Ausschüssen – vermutlich auch dann, wenn die behandelten Themen nicht direkt vor der eigenen Haustür spielen, ließe sich hinzufügen.

Bürgermeister Michael Sarach fasste sich explizit kurz und griff nur wenige Themen auf. Die Diskussion über die Rathaussanierung, prophezeite er, werde sofort enden, „wenn es wieder weiß dasteht“. Das entschlossene Handeln beim raschen Austausch des gesundheitsgefährdenden Granulats auf dem Kunstrasenplatz des SSC Hagen habe Ahrensburg bundesweit positiv ins Gespräch gebracht. „Wir haben ein Zeichen gesetzt, das anderen Kommunen einen Anstoß zum Handeln gegeben hat“, sagte er. Als eine der Herausforderungen dieses Jahres sieht er die Familienzusammenführung der Flüchtlinge. In Schleswig-Holstein würden 2017 etwa 10.000 weitere Menschen unterzubringen sein.

Unter den Besuchern im Marstall waren auch viele Gäste von außerhalb, zum Beispiel Kreispräsident Hans-Werner Harmuth und seine Ehefrau Cornelia, Bürgervorsteherin in Bargteheide, Detlev Hinselmann, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS), der Landtagsabgeordnete Tobias von Pein (SPD), im Gespräch mit dem Ahrensburger Landtagsabgeordneten Tobias Koch (CDU) und Carsten Pieck von der FDP Großhansdorf-Hoisdorf-Siek.

Die Stadt Ahrensburg war selbstverständlich umfassend repräsentiert durch Stadtverordnete und sonstige Vertreter aller Fraktionen, durch Feuerwehr, Polizei, Schützenverein, das Stadtforum als Vertreter des Einzelhandels und viele Geschäftsleute sowie last not least viele einzelne Bürger. An den Tischen lebhafte Gespräche. Das Ehepaar Helga und Hans-Peter Gerads erzählte, dass ihre Konditorei in diesem Jahr 70. Geburtstag feiert. Deutlich jünger, aber auch bemerkenswert, ist das Jubiläum von Franziska Mey (22), die seit zehn Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde aktiv ist. Auch das ein gutes Beispiel für Gemeinsinn.

Reinbeks Bürgermeister will Populismus bekämpfen

„Mischen Sie sich ein und klären Sie auf!“ So lautet die Aufforderung des Reinbeker Bürgermeisters Björn Warmer beim diesjährigen Neujahrsempfang im Reinbeker Schloss. Es sind Worte, mit denen Warmer dem Populismus und dem Postfaktischen den Kampf ansagt und alle Bürger auffordert mitzumachen. „Wer Ihnen einfache Antworten vorgaukelt, belügt Sie“, sagt der Bürgermeister und erntet dafür viel Applaus von den Gästen.

Unter denen ist auch Junis Jaaqob (20), der stolz die Uniform der Freiwilligen Feuerwehr trägt. Er ist mit seiner Schwester und seinem Bruder aus dem Jemen geflüchtet und lebt seit rund einem Jahr in Reinbek. Seitdem war es sein Traum, bei der Feuerwehr mitzumachen. „Ich will anderen helfen“, sagt Jaaqob, der schon gut deutsch spricht und nicht nur die Gemeinschaft und den Zusammenhalt bei der Feuerwehr, sondern auch in der Gemeinde schätzt und davon ein Teil sein möchte.

Erst vor einer Woche ist er der Freiwilligen Feuerwehr Reinbek beigetreten. Besonders stolz machte ihn dabei der Applaus, den er bei der Jahreshauptversammlung vor wenigen Tagen als neuer Anwärter von seinen Kameraden bekommen hat.

Der Bürgervorsteher blickt in Glinde nochmal zurück

Wenn man in Glinde Hilfe braucht, ist die Feuerwehr sofort zur Stelle – so auch beim Neujahrsempfang im Bürgerhaus. Als es Bürgervorsteher Rolf Budde nicht gelang, seine PowerPoint-Präsentation zu starten, kam aus der letzten Reihe ein junger Mann in Uniform angelaufen, drückte zwei Knöpfe und schon war das erste Foto auf der Leinwand zu sehen. Es war ein Bild vom Neujahrsempfang 2016. Denn Rolf Budde hatte einen Rückblick für die mehr als 200 Gäste vorbereitet und arbeitete sich durch die vergangenen Monate. Die Gäste erfuhren, wann Blut gespendet wurde, welches Theaterstück wann lief und welche Feiern es gab.

Renate Kraul und Erika Jeglinski haben den Vortag verfolgt, sind aber eher aus alter Gewohnheit zum Neujahrsempfang gekommen. „Unsere Männer haben früher in der Kommunalverwaltung gearbeitet.“ Daher kennen sich die Frauen, die so auch alte Freunde treffen.

Trittau will 2017 viele Großprojekte umsetzen

Mit den Planungen für den Bau von Supermärkten, Wohnungen und einer Kindertagesstätte beschäftigen sich Trittaus Kommunalpolitiker schon seit Jahren. 2017 sollen diese deutlich voranschreiten. „Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr Supermärkte nicht nur auf dem Papier sehen“, sagte Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch (parteilos) auf dem Neujahrsempfang. Ebenso hält er den Ausbau von Glasfaser für sehr wichtig. Mesch: „Wir dürfen als Gemeinde nicht abgehängt werden.“ Die bisherige Anmeldequote ist momentan noch ungewiss. Am Donnerstag, 19. Januar, können sich Trittauer von 16 bis 20 Uhr in der Hahnheide-Schule (Im Raum 23) über die Verlegung von Glasfaserkabeln informieren.

Bürgervorsteherin Ulrike Lorenzen (CDU) ging in ihrer Rede auch auf die Flüchtlingssituation ein. Derzeit leben 233 Flüchtlinge im Amt Trittau. Für eine gute Integration plant die Gemeinde einen Spielkreis für Mütter und Kinder, der ehrenamtlich betreut werden soll. Etwa 60 ehrenamtliche Helfer beteiligten sich zur Zeit aktiv in den Amtsgemeinde.

Etwa 120 Trittauer waren zu der Veranstaltung in der Wassermühle gekommen. Für Musik sorgten die Bigelos. Die Kultband spielte unplugged Hits von den Beatles.

Oldesloer feiern erstmals im neuen Kulturzentrum

Er ist selten ohne Fotoapparat anzutreffen, engagiert sich für regionale Künstler und rief mit der Heiratsschloss-Kette vor dem Rathaus eine neue Tradition ins Leben: Bodo Rahnenführer hat auf dem Neujahrsempfang in Bad Oldesloe den silbernen Ehrenschlüssel der Stadt erhalten. „Alles was ich mache, mache ich aus der Freude heraus und das wird auch noch lange so bleiben“, bedankte sich der 65-Jährige. Bürgerworthalter Rainer Fehrmann sagte: „Er ist ein Kümmerer im wahrsten Sinne des Wortes, wenn es um die Werke oder Nachlässe älterer Oldesloer Künstler geht.“

Der diesjährige Neujahrsempfang wurde das erste Mal im gerade erst eröffneten Kultur- und Bildungszentrum organisiert. Bürgermeister Jörg Lembke sagte in seiner Rede: „Wir stehen hier an einem Ort, an dem das kulturelle Zusammenleben sichtbar wird. Mit dem KuB ist uns ein großer Wurf gelungen.“

In Oststeinbek werden viele Ehrenamtliche ausgezeichnet

Der jüngste der rund 250 Gäste im Kratzmannschen Hof in Oststeinbek, Neujahrsbaby Henry, verschlief das Bühnenprogramm und den Blumenstrauß für Mutter Marilyn Nau-Nguyen. Henrys Brüder Michael (5) sang und tanzte dafür beim Auftritt des Männergesangvereins Steinbek-Havighorst und beim Jugendblasorchester Ostwinds mit.

Bürgermeister Jürgen Hettwer kündigte ein arbeitsreiches Jahr an, mit der neuen Grundschule, den geplanten Seniorenwohnungen und der Erweiterung des Gewerbegebiets. Die Stiftung Erwin Baer ehrte Barbara Ulrichs (78) und Barbara Röbert (76) mit dem Helmut-Landt-Preis und je 1250 Euro für ihr Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde. Die Bürgerstiftung Oststeinbek vergab erstmals Preise für gesellschaftliches Engagement: Renate Vorbeck und Karl-Heinz Mentzel ehrten die Feuerwehrleute Carsten Steffen, Jörg Gramann und Tino Spamer.

Plädoyer gegen das Jammern in Großhansdorf

Ob die Pfütze auf dem Gehweg oder die Angst vor Überfremdung: Auch in Großhansdorf gibt es Probleme. Bürgermeister Janhinnerk Voß bemühte sich in seiner Neujahrsansprache, den Bogen zu spannen vom Nahen Osten über die jüngsten Anschlagsorte in die Waldgemeinde. „Jammern ist in“, sagte er, während „es uns in Großhansdorf doch überwiegend gut geht“.

Voß verschwieg dabei jedoch nicht, dass auch auf die Waldgemeinde bedeutende Aufgaben warten. Trotz sprudelnder Steuereinnahmen stiegen die Ausgaben: „Verglichen mit 2007 sind unsere Kosten für die Kinderbetreuung um 110 und die Zahlungen an den Schulverband um 81 Prozent gestiegen, die Einnahmen jedoch nur um 55 Prozent“, so der Verwaltungschef. Unterm Strich fehle sogar noch Geld. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass Politik und Verwaltung auch zukünftige Herausforderungen gemeinsam meistern könnten.

Premiere für Bargteheides neue Bürgermeisterin

Unterhaltsam, mit einem nachdenklich-kritischen Touch läutete Poetry-Slammer Hannes Maaß mit seinem Gedicht über den zwingend notwendigen Tod einer nervigen Fliege und dessen Auswirkungen auf das große Ganze den Neujahrsempfang in Bargteheide ein. Es war der erste für die neue Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht. Sie gestaltete ihn zusammen mit Bürgervorsteherin Cornelia Harmuth. Und sie hatte positive Nachrichten im Gepäck: Auch 2017 bleibt Bargteheide schuldenfrei. Der Haushalt hat ein Gesamtvolumen von 49,16 Millionen Euro. 6,47 Millionen Euro, das sind 13 Prozent, sollen in die Schulen investiert werden, weitere 4,37 Millionen Euro (neun Prozent) in die Kinderbetreuung.

Große Themen wie der Neubau der Feuerwache, bezahlbarer Wohnraum für die Stadt sowie der dritte Teil der Westumgehung sollen weiter verfolgt werden. Geprüft wird eine mögliche Verkehrsanbindung des inklusiven Wohnprojekts Borning an den Südring. In den kommenden zwei Jahren sollen die Nahwärmenetze in Schulen und Freibad realisiert werden.

Konkreter wird es beim Stadtfest. Vom 12. Bis 14. Mai soll es wieder ein „Fest von Bargteheidern für Bargteheide“ geben. Auch die Stadtentwicklung ist für die neue Bürgermeisterin ein wichtiges Thema. „ Gesellschaftliche Veränderungen erkennen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern und Qualität erhalten ist uns wichtig“, so Kruse-Gobrecht.

Barsbüttel: Zwei Großbaustellen stehen an

Mit Swing und Pop einer Schülerband startete Barsbüttel ins neue Jahr. Bürgermeister Thomas Schreitmüller und Bürgervorsteher Friedrich Wilhelm Tehge begrüßten in der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule rund 180 Gäste. „Ich wünsche Ihnen nicht nur viel Gesundheit, sondern auch viele kluge Entscheidungen, vor allem für die Landtags- und die Bundestagswahl“, sagte der Bürgermeister. Er dankte den vielen Ehrenamtlichen, die dazu beitrügen, dass Barsbüttel lebens- und liebenswert bleibe, und ehrte fünf Feuerwehrmänner: Mario Wagner, Timm Pfrommer, Jens Devries und Thorsten Teichmann für 25 Jahre, sowie Hans-Walter Henningsen für 40 Jahre Dienst.

Die Integration der 250 Flüchtlinge laufe gut, vor allem die strebsamen, tollen Kinder seien eine Bereicherung. „Wir müssen aber als Gesellschaft noch besser werden. Vor allem um die Menschen in Arbeit zu bringen.“ Barsbüttel wachse 2017 durch Neubaugebiete, müsse aber auch in Kitas und Schulen investieren und mit Großbaustellen an beiden Ortszufahrten klarkommen: Die A1 wird zwischen den Anschlussstellen Barsbüttel und Stapelfeld ein Jahr lang grundsaniert und Hamburg will die Barsbütteler Straße ausbauen. Sie wird dann zur Einbahnstraße Richtung Hamburg.