Stormarn
Serie „Liebeserklärung“

Was die Klein Wesenberger an ihrer Heimat lieben

Detlef (52) und Sabine (48) Möller

Detlef (52) und Sabine (48) Möller

Foto: Isabella Sauer / HA

Warum schätzen Stormarner ihre Heimat? Das erfahren Sie jede Woche in unserer großen Abendblat-Serie. Heute geht es in den Norden.

Klein Wesenberg.  Sie sind hier geboren und fest verwurzelt. Oder sie sind voller Überzeugung nach Stormarn gezogen, weil es ihnen hier so gut gefällt. Aber was genau ist es, das ihre Städte und Gemeinden so lebens- und liebenswert macht? Isabella Sauer hat Klein Wesenberger gefragt

„Hier ist immer etwas los"

Der landwirtschaftliche Familienbetrieb von Detlef und Sabine Möller befindet sich mittlerweile schon in der fünften Generation. In diesem Jahr haben sie den Milchviehbetrieb aufgegeben. „Das hat sich leider nicht mehr so gelohnt“, sagt der Landwirt und streicht einer Kuh über den Kopf. Dem Ehepaar gefällt Klein Wesenberg. Die 48-Jährige sagt: „Wir haben hier alles, von einer Krabbelgruppe bis hin zu einem Seniorentreff.“ Zudem gebe es einmal im Jahr ein großes Schützenfest sowie ein Kinderfest. Und wenn die beiden nicht gerade die Tiere versorgen müssen oder andere Arbeiten auf dem Hof erledigen, fahren sie mit dem Fahrrad auch gern mal durch die Natur. „Unsere Radwege sind sehr gut ausgebaut. Der Wald Richtung Trenthorst ist wunderbar“, sagt Sabine Möller und lacht.

„Der Pilgerweg ermöglicht tolle Perpektiven“

Seit neun Jahren ist Erhard Graf Pastor der Gemeinde Klein Wesenberg. Zuvor war er zwölf Jahre lang Militärseelsorger auf dem Marine-Segelschulschiff Gorch Fock. Klein Wesenberg liebt er. Ganz besonders gefällt ihm der Blick über die Trave und die Felder. „Schon zu Zeiten, als dort die Slawen siedelten, ist der Hügel, auf dem die Kirche steht, ein spiritueller Ort gewesen“, sagt der 62-Jährige. Während er gerade die Türen der kleinen Kirche abschließt, sagt er: „Das Gemeindehaus liegt direkt an der Via Baltica, einem deutschen Abschnitt des Jakobswegs.“ Oft kämen Pilger vorbei und übernachteten dann auch im Gemeindehaus. Pastor Graf selbst ist ein begeisterter Läufer. „Der Pilgerweg ist meine Joggingstrecke. Von da aus hat man tolle Perspektiven auf den Kirchturm.“

„Wir können uns auf unsere Nachbarn verlassen“

Britta von Papen ist in Klein Wesenberg aufgewachsen, hat hier ihre Kindheit verbracht und ist nach dem Abitur sofort weggezogen. „Mir war es hier einfach zu klein“, sagt sie und schaut ihren Mann Holger an, der ursprünglich aus Bochum kommt. Aus diversen Gründen sei sie dann wieder zurückgekommen. „Das war anfangs ziemlich ungewohnt“, sagt die 48-Jährige. Doch nun fühle sie sich wieder wohl. „Unsere Nachbarschaft ist großartig, wir kennen uns untereinander und können uns aufeinander verlassen.“ Holger von Papen fügt hinzu: „Einmal im Jahr treffen sich alle Nachbarn und dann lassen wir das Jahr gemeinsam ausklingen.“ Das sei eine wunderbare Tradition.

„Klein Wesenberg ist ein schönes Dorf“

Aus einem der hinteren Räume im Gemeindehaus ertönt Flötenmusik. Wie jeden Dienstag trifft sich hier die achtköpfige Flötengruppe. Seit Februar 2013 leitet sie die Klein Wesenbergerin Martina Haßelwander. Auf die Frage, was die Kinder besonders toll an ihrem Heimatdorf finden, haben sie gleich eine Antwort parat. Im Chor rufen sie: „Die Flötengruppe.“ Ansonsten finden sie aber auch die anderen Gruppen, wie den Kirchenchor und den Erwachsenenchor, ganz toll. Zudem ist der Wald in der Nähe des Schützenvereins auch sehr beliebt. „Dort gehen wir bei gutem Wetter auch sehr häufig spielen“, verraten die jungen Musiker. Und diejenigen, die einen Hund zu Hause haben, gehen auch gern mal den Jakobsweg entlang. „Da gibt es verschiedene Wege, die man laufen kann.“

„Ich bin der Liebe wegen aufs Dorf gezogen“

Gebürtig kommt Petra Hochstein aus Bad Schwartau, doch sie zog aus Liebe nach Klein Wesenberg. „Mein Mann Henning ist hier aufgewachsen“, sagt die 49-Jährige, die seit 1993 auf dem Bauernhof zu Hause ist. Rund 50 Milchkühe leben auf dem landwirtschaftlichen Betrieb. Zudem betreibt das Ehepaar Ackerbau. Das Leben in Klein Wesenberg gefällt der Landwirtin sehr gut. „Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme, fühle ich mich immer gleich sehr wohlig, wenn ich den Kirchturm auf dem Berg sehe“, sagt sie und läuft am Kuhstall vorbei. Am Wochenende frühstückt sie mir ihrem Mann gern im Wintergarten. „Dann haben wir einen großartigen Blick auf die weitläufigen Weiden, auf denen unsere Tiere grasen.“

„Die Dorfgemeinschaft organisiert viele Aktionen“

Den Frühling und Sommer über ist Thorsten Michaelsen schwer beschäftigt. Denn dann verkauft der 51-Jährige die meisten seiner Schnittrosen. Im Jahr 1984 übernahm der gebürtige Hamburger den Gartenbaubetrieb am Rande von Klein Wesenberg. „Im Winter habe ich dann mehr Zeit für das Dorfleben“, sagt er. Dann helfe er immer beim Kinderbastelnachmittag mit, den es schon seit vielen Jahren immer kurz vor Weihnachten gibt. Wenn er die Zeit dafür findet, fährt er auch bei der Radtour am 1. Mai mit. „Da kommen alle zusammen, junge und alte Klein Wesenberger“, sagt Michaelsen und schneidet eine gelbe Rose ab. Der Familienvater hat nicht viele Nachbarn um sich herum. „Aber die, die es gibt, kenne ich gut und wir helfen uns gegenseitig.“ Am liebsten möchte er für immer in Klein Wesenberg wohnen bleiben.

„Die Natur hier ist sehr vielfältig“

Vor 22 Jahren zog Gundel Granow mit ihrem Mann von der Großstadt München
in das Dorf Klein Wesenberg. Nun lebt sie direkt an der Trave und genießt die tägliche Gartenarbeit. Die gelernte Floristin schaut nach draußen in ihren 900 Quadratmeter großen Garten und sagt: „Die Lebensqualität in Klein Wesenberg ist enorm hoch.“ Oft gehe sie an der Trave spazieren, laufe den Jakobsweg entlang und sammle Löwenzahn oder andere Kräuter. Die Natur sei hier sehr, sehr vielfältig. „Besonders gut gefällt mir aber auch die Nähe zu Lübeck und Hamburg“, sagt sie und beißt in ein aus ihren Quitten selbst gemachtes Quittenbrot. „Falls man doch mal schnell größere Einkäufe erledigen möchte.“