Stormarn
Reinbek

Gericht verurteilt Serieneinbrecher zu Haftstrafe

Im Amtsgericht Reinbek wurde ein Schweriner wegen Einbruchs zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Im Amtsgericht Reinbek wurde ein Schweriner wegen Einbruchs zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Foto: Janina Dietrich

Schweriner brach in Häuser in Reinbek und anderenorts ein, während Bewohner schliefen. Täter hatte es auf die Autoschlüssel abgesehen.

Reinbek.  „Ich bin 33 Jahre alt und kann nachts nicht allein auf Toilette gehen, weil ich Angst im eigenen Haus habe.“ Unter Tränen brechen diese Worte aus einer jungen Frau heraus, die sich vor dem Reinbeker Schöffengericht an den Tag erinnern muss, als ein Einbrecher in das Haus drang, in dem sie mit ihren Eltern lebt. „Ich führe seitdem kein normales Leben mehr“, sagt Christina G. (alle Namen geändert). Immer wieder schluchzt sie und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht.

Der Mann, der für dieses Leid verantwortlich ist, wirkt bei den Worten der Frau emotionslos, würdigt sie im Gericht keines Blickes. Zunächst schweigt Andre K. zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, die dem Schweriner drei Einbrüche vorwirft. Doch bereits am ersten Verhandlungstag schließt der Staatsanwalt mit dem Verteidiger einen Deal: Der 37-Jährige legt ein Geständnis ab, dafür bleibt die Strafe unter drei Jahren. Auch die Richterin stimmt zu und verurteilt den Mann zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft.

Andre K. gesteht, im September 2013 in das Haus der Familie G. im Reinbeker Ortsteil Neuschönningstedt eingebrochen zu sein. „Ich habe das Fenster aufgehebelt“, erinnert sich der Mann. Wann genau das war, wisse er aber nicht mehr. Hauseigentümer Harald G. (68) schätzt, dass die Tat nach 1 Uhr nachts passiert ist. Er ist am Tattag zwischen Mitternacht und 1 Uhr mit seiner Frau und seiner Tochter nach Hause gekommen.

Andre K. stiehlt 3000 Euro und den Mercedes

Am nächsten Morgen geht die Tochter in den Keller um Wäsche zu waschen. Da fällt ihr das aufgehebelte Fenster auf. Das Haus ist nicht durchwühlt. Aber aus der Handtasche, die ihre Mutter nachts im Flur abgestellt hat, fehlen 3000 Euro. Auch die Brille der Tochter, die in der Küche lag, ist weg. „Meine Mutter schrie dann plötzlich, dass das Auto auch weg ist“, erinnert sich Christina G., die Schauspielerin ist. Ihr Vater sagt, der materielle Schaden sei im Nachhinein nicht schlimm gewesen. Aber: „Jemand war in meinem Haus und ich habe nichts mitbekommen, das nimmt einen mehr mit.“ Andre K. sagt nach seinem Geständnis: „Ich wollte mich entschuldigen. Ich bin auch schon Opfer eines Einbruchs geworden, bin da aber nicht so empfindlich, kann es also nicht so ganz nachvollziehen.“ Eine eher missglückte Entschuldigung, die Christina G. abermals zum Weinen bringt.

Neben der Tat in Reinbek gesteht K. auch einen Einbruch in ein Einfamilienhaus in Seevetal im selben Monat. Seine Beute dort: eine Brille, etwas Geld und ein neuer Audi A 6 im Wert von rund 86.000 Euro. Einen Monat zuvor, im August 2013, brach der 37-Jährige in einen Betrieb in Rampe, in der Nähe von Schwerin ein. Dort stahl er Laptops und diverse Digitalkameras. Rund ein halbes Jahr nach den Taten kam die Polizei K. auf die Schliche, als sie den dunkelblauen Mercedes der Reinbeker Familie in Schwerin überprüfte. An der E-Klasse waren nämlich ebenfalls gestohlene Hamburger Kennzeichen. Auch die Kennzeichen am Audi waren zuvor in Hamburg gestohlen worden.

Beide Autos standen vor dem Mehrfamilienhaus, in dem K. lebte. Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Ermittler Diebesgut aus den drei Einbrüchen. Ferner konnten bei dem Einbruch in Rampe DNA-Spuren von K. gesichert werden. „Es ist nicht alles an Diebesgut gefunden worden, wo ist der Rest?“, möchte der Staatsanwalt wissen. Doch der Mann mit der rötlichen Haut und dem roten Haar zuckt mit den Achseln. Er wisse es nicht. Die Autos habe er für sich gebraucht. Wegen dieser drei Taten sollte K. schon Anfang 2015 vor Gericht stehen, doch kurz vor Prozessbeginn flüchtete er nach Andorra, wo er später festgenommen wurde.

Seit seinem Realschulabschluss ist K. mehrfach wegen Einbruchs verurteilt worden und saß mehrjährige Haftstrafen ab. Das Urteil in Reinbek wird auch nicht das letzte bleiben. In Berlin steht K. demnächst wegen rund 50 Einbrüchen vor Gericht.