Stormarn
Vereine empört

Sparkasse erhöht Konto-Gebühren für Ehrenamtler

Die Sparkasse Holstein reagiert auf dauerhaft neidrige Zinsen: Ab Februar 2017 fallen für viele Vereine deshalb 17 Cent für Überweisungsgutschriften, Lastschrift- und Dauerauftragsabbuchungen an – zuvor liefen solche Geschäfte kostenfrei

Die Sparkasse Holstein reagiert auf dauerhaft neidrige Zinsen: Ab Februar 2017 fallen für viele Vereine deshalb 17 Cent für Überweisungsgutschriften, Lastschrift- und Dauerauftragsabbuchungen an – zuvor liefen solche Geschäfte kostenfrei

Foto: Daniel Reinhardt / picture alliance / dpa

Niedrigzinsphase zwingt Sparkasse Holstein zum Handeln. Doch einige Stormarner Vereine wollen zusätzliche Kosten nicht akzeptieren.

Bad Oldesloe.  Eine Niedrigzinsphase und steigende Kosten im Geldverkehr haben die Konto-Gebühren für Privat- und Geschäftsleute bereits in die Höhe schießen lassen. Nun müssen auch Vereine bezahlen. Die Sparkasse Holstein hat zum Jahresende auch für ehrenamtliche Organisationen und Preisanhebungen angekündigt. Diese Organisationen, darunter auch viele Vereine, mussten bislang für Überweisungen im Unterschied zu Geschäftskunden nichts bezahlen. Ab Februar 2017 sind es dann 17 Cent für Überweisungsgutschriften, Lastschrift- und Dauerauftragsabbuchungen.

„Das hört sich erst mal nicht viel an, läppert sich aber“, sagt Axel Bärendorf vom Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Ahrensburg. Eine Mitgliedschaft im Verein kostet jährlich mindestens 20 Euro oder einen Wunschbetrag. Viele der Mitglieder zahlen aber nur den Mindestbetrag. Und den oft auch in mehreren auf das Jahr verteilten Raten. „Es sind Senioren, die oft nicht viel Geld haben und deswegen in kleinen Kleckerbeträgen bezahlen“, sagt Axel Bärendorf gegenüber dem Abendblatt. Die neuen Gebühren in der Kontoführung träfen den DRK-Ortsverein daher hart.

Für alle Buchungen fallen Kosten an

Das Rote Kreuz hat in Ahrensburg rund 350 Mitglieder. Der Vereinsvorsitzende schätzt, dass die Kosten für die Kontoführung von derzeit etwa 100 auf 500 Euro steigen könnten. Hinzu kommt ein möglicherweise steigender Arbeitsaufwand. Um den Geldtransfer künftig online – das würde die Gebühren etwas senken – abwickeln zu können, müsse eine neue und sichere Computertechnik angeschafft werden. Bärendorf ist genervt: „Wir sind Kunden der Sparkasse, seit es sie gibt.“ Die Kosten auf die Mitglieder umzulegen, kommt für ihn nicht in Frage: „Wir sind da in einer besonderen Verantwortung.“

Aufgrund der lange anhaltenden Niedrigzinsphase und den damit verbundenen deutlichen Ertragseinbußen sind Preisanpassungen Thema für die Kreditwirtschaft. Früher standen den Instituten die Guthaben auf den Konten zur Verfügung, um daraus Zinserträge zu generieren. Damit konnten die Kosten für den Zahlungsverkehr größtenteils getragen werden. In der derzeitigen Zinssituation ist dies nicht mehr möglich. Für alle Buchungen – auch beim elektronischen Zahlungsverkehr – fallen Technikkosten an. Buchungen mit Belegen werden durch Personalkosten überproportional teuer. Viele Vereinskonten haben eine sehr hohe Anzahl von Buchungsposten.

Alle Vereine betroffen, die ein Konto bei der Bank haben

Auch anderen Stormarner Vereinen bereitet das Schreiben der Sparkasse Holstein Sorge. Björn Möller sagt: „Dass die Banken durch die Niedrigzinsphase in der Vergangenheit ihre Gebühren erhöhen mussten, ist nicht neu. Aber dass es jetzt auch uns Ehrenamtler trifft, ist ärgerlich“, so der Vorsitzende der Oldesloer Marchingband Stormarn Magic. Möller wickelt den Geldverkehr des Vereins ebenfalls über die Sparkasse ab. Bislang sei die Kontoführung fast kostenlos gewesen. Durch die Preisanpassung stiegen die Kosten um mehrere Hundert Prozent. Björn Möller hat bereits Kontakt mit dem Geldinstitut aufgenommen. Die Zusammenarbeit sei immer gut gewesen. „Wir haben uns aber auch schon nach Alternativen umgesehen“, berichtet der Oldesloer. Doch bei die Sparkasse sei es immer noch am günstigsten. Dass sie steigende Kosten ausgleichen müsse, sei für ihn nachvollziehbar. „Aber ich finde, dass könnte auch von der Wirtschaft kommen“, sagt Björn Möller. Ein großes Unternehmen könnte eine Gebührenerhöhung sicherlich besser wegstecken als ein ehrenamtlich geführter Verein.

Auch beim Oldesloer Ortsverein der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wird das Thema bei der nächsten Mitgliederversammlung behandelt. „Was die neue Gebührenordnung für uns bedeutet, werden wir am Ende des Jahres sehen“, sagt der Oldesloer Dominic Geerken. Neben den regulären Mitgliedsbeiträgen werden auch die Kursgebühren auf das DLRG-Konto eingezahlt.

Volksbank Stormarn hat ein anderes Modell

Von der Preisänderung sind nach Angaben der Sparkasse Holstein alle 3800 Vereine und Verbände betroffen, die ein Konto bei dem Kreditinstitut unterhalten. Es gibt drei verschiedene Varianten, aber keine Ausnahmen. Björn Lüth von der Sparkasse Holstein erklärt das Preismodell gegenüber dem Abendblatt so: „Weil uns die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements weiterhin sehr wichtig ist, zahlen Vereine beispielsweise nur die Hälfte der Kontoführungspreise vergleichbarer geschäftlicher Konten.“ Das gelte für den Grundpreis und für Postenentgelte.

„Es gibt viele Nachfragen dazu. Und natürlich freut sich niemand über die Einführung von Preisen“, sagt Lüth. Aber es werde auch häufig Verständnis geäußert, dass die Sparkasse solche Dienstleistungen nicht dauerhaft kostenfrei erbringen könne. Kündigungen in diesem Zusammenhang seien – wenn überhaupt – Einzelfälle. Wie kaum ein anderes Geldinstitut in der Region unterstützt die Sparkasse Holstein über das Jahr gesehen zahlreiche Vereine und Ehrenamtler mit Spenden und finanziell geförderten Projekten.

Die Volksbank Stormarn hat ein anderes Modell in Sachen Kontoführung für Vereine. Die Niedrigzinsphase habe darauf keine Auswirkungen: „Wir klären mögliche Konditionen in persönlichen Gesprächen“, sagt Vorstandsmitglied Holger Wrobel. Je nach Gemeinnützigkeit und Größe sei auch eine gebührenfreie Kontoführung möglich. „Aber bei großen Vereinen mit vielen Buchungen müssen auch wir Gebühren erheben.“