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Agenda 2017: Ammersbek und Großhansdorf

In Ammersbek stehen im kommenden Jahr Investitionen an, die kreditfinanzierte Verschuldung erfordern

In Ammersbek stehen im kommenden Jahr Investitionen an, die kreditfinanzierte Verschuldung erfordern

Foto: Frank Hasse / HA

Was sind die großen und bedeutenden Projekte vor Ihrer Haustür? Das Abendblatt gibt einen Überblick. Heute: Ammersbek und Großhansdorf.

Die Flüchtlingsfrage, das beherrschende Thema 2015/16, ist etwas in den Hintergrund getreten, aber noch immer allgegenwärtig. War die rasche Unterbringung vieler Menschen das größte Problem, so ist es jetzt die Integration derjenigen, die bleiben möchten und dürfen. Ansonsten stehen in Ammersbek und Großhansdorf Investitionen an, die kreditfinanzierte Verschuldung erfordern.

1: Ammersbek organisiert Jobmesse für Flüchtlinge

Die Zahl der zurzeit in Ammersbek registrierten 130 Flüchtlinge ist kaum größer als vor einem Jahr (121). Die Gemeinde konzen­triert sich auf deren Integration. Dazu gehören Deutsch-Unterricht und Vorbereitung auf den deutschen Arbeitsmarkt. Für den 24. Januar haben Kommune und Jobcenter eine Beschäftigungsmesse organisiert, auf der Flüchtlinge und lokale Arbeitgeber in Kontakt kommen können.

2: Alter Teichweg ist erste Straße im Straßensanierungsplan

Mit der Grunderneuerung des Alter Teichwegs soll 2017 das Abarbeiten des Straßensanierungsplans beginnen. Die Anlieger, die mehr als zwei Drittel der 600.000 Euro Gesamtkosten tragen müssen, kritisieren, dass der Zeitpunkt nicht ideal sei, weil weitere Bauvorhaben die Straße in den kommenden Jahren durch schwere Fahrzeuge belasten würden. Ein Beschluss der Gemeindevertretung wird im März erwartet.

3: Umbau des Gerätehauses der Feuerwehr Bünningstedt

Sanierungsbedarf besteht auch bei beiden Feuerwehrgerätehäusern. Der Anfang wird mit dem Hoisbütteler Gebäude gemacht, das umgebaut, erweitert und modernisiert werden soll. 2017 wird detailliert geplant, 2018 gebaut. In Bünningstedt müssen die Gemeindevertreter zunächst die grundsätzliche Entscheidung treffen, ob saniert oder an anderer Stelle neu gebaut werden soll.

4: Grundschule Bünningstedt – Sanierung oder Umbau?

Ein Grundsatzbeschluss ist 2017 auch für die dringend sanierungsbedürftige Grundschule Bünningstedt zu erwarten. Es muss darüber entschieden werden, ob ein Neubau auf lange Sicht kostengünstiger wäre als eine umfassende Sanierung. Für das kommende Jahr wurden in den Haushalt 70.000 Euro für eine detaillierte Vorplanung eingestellt, um auf Grundlage seriöser Kostenannahmen beschließen zu können.

5: Schnelles Internet für alle Ammersbeker Ortsteile

Die Versorgung mit schnellem Internet ist in Ammersbek mit seinen weit auseinanderliegenden Ortsteilen nicht einfach zu organisieren. Die Vereinigten Stadtwerke sind bereit, Ausbau und Versorgung von Rehhagen/Schäferdresch zu übernehmen. Bei einer Anmeldequote von 50 Prozent könnte bereits 2017 mit dem Ausbau begonnen werden. Versorger der Siedlung Daheim wollen die Stadtwerke Ahrensburg sein. Die Ahrensburger fordern keine Quote und würden bereits 2018 liefern.

6: Grund- und Gewerbesteuer werden moderat e rhöht

Für 2017 wird mit einem Defizit von 983.000 Euro im Ergebnishaushalt gerechnet. Ins Gewicht fiel 2016 ein Gewerbesteuerausfall von etwa einer Million Euro. Um die Einnahmesituation zu verbessern, werden 2017 Grund- und Gewerbesteuer moderat erhöht.

7: Quartierszentrum soll Kirche Hoisbüttel ersetzen

Der Sparzwang der Nordkirche sorgt dafür, dass Hoisbüttel seine Kirche verlieren wird. Die Kommune will erreichen, dass an alter Stelle auch bei neuer Bebauung ein Quartierszentrum entsteht, das die soziale Infrastruktur erhält. Ammersbek kann nicht selbst in neue Räume investieren, will aber Investoren durch eine entgegenkommende Bauleitplanung motivieren.

8: Informationsveranstaltung zur Situation der Flüchtlinge

Das Zusammenleben mit den 141 Flüchtlingen (Vorjahr 130) in Großhansdorf ist problemlos. Kinder sind in Kitas und Schulen untergebracht, Ehrenamtler organisieren Deutschkurse, Erwachsene sollen mit Hilfe vom Jobcenter Arbeitsplätze finden. Am 19. Januar gibt es eine Informationsveranstaltung von Flüchtlingskreis und Gemeinde.

9: Haushalt kann nicht ohne Kredit finanziert werden

2017 ist ein Minus im Verwaltungshaushalt zu erwarten. Das Rathaus will über das Jahr 233.000 Euro einsparen, um ein Defizit zu vermeiden. Im Investitionshaushalt wird Großhansdorf 4,1 Millionen Euro über Kredite finanzieren.

10: Große Investitionen für Schulen in Großhansdorf

Die Friedrich-Junge-Schule (FJS) bekommt einen neuen Fachklassentrakt mit Lehrküche (1,2 Millionen Euro). Das Emil-von-Behring-Gymnasium, die FJS und die Grundschule Wöhrendamm werden für insgesamt 1,74 Millionen Euro energetisch saniert.

11: 2,35 Millionen Euro stehen für Rathaussanierung bereit

Sanierung und Erweiterung des Rathauses sollen nicht länger verschoben werden. 2,35 Millionen Euro stehen im Haushalt zur Verfügung. Im Sommer könnte die Ausschreibung starten.

12: Am Kortenkamp wird neue Kita für 80 Kinder gebaut

Der Zuzug junger Familien erfordert neue Investitionen in die soziale Infrastruktur. Am Kortenkamp ist eine Kita für 80 Kinder geplant, dafür stehen 2,8 Millionen Euro bereit. Anfang 2017 beginnt die Ausschreibung, in der ein freier Träger gesucht wird. Betriebsbeginn der neuen Kita soll 2018 sein.

13: Großhansdorf investiert in servicefreundliche Website

Die Website der Gemeinde soll endlich modernisiert werden. Großhansdorf schließt sich dem Ratsinfosystem Allris an. Vom Sommer an sind Tagesordnungen, Vorlagen und Dokumente für Bürger und Politik online einsehbar.

14: Laufbahn des Sportplatzes am Kortenkamp wird erneuert

Die marode Laufbahn auf dem Sportplatz am Kortenkamp, den Sportvereine und Schulzentrum intensiv nutzen, wird in den Sommerferien für 600.000 Euro komplett erneuert.

15: Am Waldreiterweg wird ein Waldkindergarten eröffnet

Im Sommer wird voraussichtlich auf dem Areal des Tennisclubs am Waldreiterweg ein Waldkindergarten eröffnet. Quartier ist ein Bauwagen mit Platz für 15 Kinder, Träger soll die Awo sein.

16: Ideenskizze für Bebauung des Reha-Geländes liegt vor

Sechs Architekten haben Ideenskizzen für Wohnbebauung auf dem Areal der früheren Reha-Stätte vorgelegt. Der favorisierte Entwurf wird demnächst von allen Beteiligten diskutiert. Im Frühsommer werden erste Pläne vorgestellt.

Und das sagen Anwohner

„Straßen ausbessern“

Erik Manke (43), selbstständiger Unternehmer (Event-Management), ist gebürtiger Hamburger und wohnt seit sechs Jahren im Ammersbeker Ortsteil Bünningstedt. „Das Leben hier ist ein Kontrastrogramm für mich. Meine Firma ist nach wie vor in Hamburg, und ich arbeite viel und lange. Hier habe ich Ruhe und erhole mich rasch. Leider kann ich das zu selten genießen. So ein naturnahes Wohnen und gemeinschaftliches Miteinander findet man in Hamburg kaum.

Verbesserungsfähig finde ich in Ammersbek aber den Zustand einiger Straßen. Die emotional diskutierten Fragen, ob die Grundschule und die Feuerwehrwache im Ort saniert oder neu gebaut werden sollen, würde ich pragmatisch beantworten: Entscheidend sollte sein, was wirtschaftlicher und nachhaltiger ist. Im übrigen bin ich sehr zufrieden mit dem Service und der Freundlichkeit im Rathaus.“

„Zu viel gebaut“

Das Ehepaar Reinstadler ist 2001 von Langenhorn nach Ammersbek gezogen, um im ruhigen Hamburger Umland eine Familie zu gründen. Marco (49) und Angela (42) fühlen sich mit ihren Söhnen Erik (14) und Sven (10) immer noch wohl im Ortsteil Lottbek nahe dem U-Bahnhof Hoisbüttel, doch sie beklagen, wie sich ihr Umfeld an der Georg-Sasse-Straße verändert hat. Angela Reinstadler: „Als wir hier einzogen, war nebenan eine Wiese. Seither wurde viel nachverdichtet, und es wird immer noch neu gebaut.

Außerdem hat der Verkehr, vor allem auf der Hamburger Straße, sehr zugenommen. Statt der geplanten Bebauung am Eingang zur Georg-Sasse-Straße hätte ich mit dort eher einen Platz vorgestellt, der auch für einen Wochenmarkt genutzt werden kann.“ Erik, der ältere Sohn, fügt hinzu: „Ich wünsche mir eine intakte natürliche Umgebung in Ammersbek.“

„Kita-Gebühren senken“

Simone Bethge (38) aus Großhansdorf empfindet die Kita-Gebühren in der Gemeinde als zu hoch: „Ich arbeite halbtags in Hamburg. Würde ich dort auch wohnen, hätte ich den Vorteil einer kostenlosen Betreuung. So eine Regelung wünsche ich mir auch für Großhansdorf. Außerdem hätte ich gern ein dichteres Netz von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die U-Bahn-Verbindung ist gut, aber es fehlen attraktive Angebote in der Region, zum Beispiel eine enger getaktete Busverbindung nach Ahrensburg. Als Familie braucht man hier zwei Autos“, sagt Simone Bethge, die rasch weiter muss, um ihre viereinhalbjährige Tochter von der Kita abzuholen. Sie bleibt noch einmal kurz stehen und beantwortet die Frage, wie viele Kinder sie habe, sehr deutlich: „Wir haben nur das eine Kind. Mehr kann man sich in Großhansdorf nicht leisten. Schreiben Sie das ruhig auf.“

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