Stormarn
Serie

Liebeserklärung an unsere Leser: kritisch, kreativ und treu

Redaktionsleiter Hinnerk Blombach

Redaktionsleiter Hinnerk Blombach

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Zu Weihnachten möchte die Redaktion der Regionalausgabe Stormarn ihren Lesern einen Dank von ganzem Herzen aussprechen.

Sie sind Stormarner mit einem Faible für die große Stadt. Sie sind kritisch und kreativ. Manchmal ärgern sich unsere Leser über ihre Zeitung, meistens freuen sie sich über sie. Eines aber ist ihnen die Regionalausgabe Stormarn des Hamburger Abendblatts ganz sicher nicht: egal. Denn sie sind sehr treu. Grund genug für die Redaktion, zu Weihnachten einen Dank von ganzem Herzen auszusprechen – mit ein paar Erinnerungen an ganz besondere Momente.

Wie wir von einem Leser gelernt haben

Es war ein Brief, ein echter Brief. Auf Papier, handgeschrieben. So etwas ist eine Seltenheit geworden, in den vergangenen Jahren. Dieser Brief nun lag eines Morgens auf meinem Schreibtisch in der Redaktion. Darin steckte ein sorgfältig ausgeschnittener Artikel aus dem Hamburger Abendblatt. Auffällig markiert war eine Stelle, die eine – nun, ja – orthografische Schwäche des Verfassers offensichtlich werden ließ. Peinlicher Fehler, in der Tat. Aber Fehler sind ja auch dazu da, um aus ihnen zu lernen. Das hat sich auch Herr P. gedacht, der Leserbriefschreiber. Und er hat nicht nur, handgeschrieben, in umwerfend charmanter Art auf unseren Fehler hingewiesen. Er hat auch gleich ein weiteres Schriftstück sorgfältig ausgeschnitten und in den Umschlag gelegt: die entsprechende Seite aus dem Duden.

Ich schrieb zurück: einen Brief, auf Papier, handgeschrieben. Es ist schade, dass so etwas eine Seltenheit geworden ist, in den vergangenen Jahren. Denn es war eine Freude, auf diese ungewöhnliche und gleichsam herzliche Weise mit Herrn P. zu kommunizieren. Er bedankte sich kurz darauf. Mit einem Brief.

(Hinnerk Blombach)

Wie uns ein eifriger Leser immer wieder hilft

„Weißt Du schon, was bei uns im Dorf gerade abgeht? Und habt Ihr in der Redaktion eigentlich das Tangenten-Thema auf dem Schirm?“ Es sind diese und ungezählte weitere Fragen, die ein Leser aus dem Süden Ahrensburgs seit Jahren mit steter Regelmäßigkeit an mich richtet. Mal per Telefon, mal per E-Mail oder als WhatsApp-Nachricht. Gern auch einmal versehen mit einem verzweifelt dreinblickenden Emoji, wenn es einmal mehr um den Verkehrslärm vor seinem Grundstück geht. Oder um dreiste Ganoven, die zum wiederholten Male sein Auto im Carport aufbrachen, als er seelenruhig in seinem Haus schlief.

Manchmal mahnen auch zornige Zeichen, seine Ideen mögen doch bitte Niederschlag im Abendblatt finden. Manchmal – zwischen zwei Konferenzen, oder wenn genau während eines wichtigen Gesprächs mal wieder sein Name auf dem Telefondisplay erscheint und der Leser eine neue Themenidee präsentiert, kann das ganz schön nervig sein. Aaaaaber, all Ihr anderen Leserinnen und Leser: Nicht, dass wir uns missverstehen. Die Zeitung ist ein organisches Produkt. Es lebt auch von Menschen wie diesem Leser aus dem Süden Ahrensburgs. Sonst wüssten wir manchmal nicht, was im Dorf gerade so abgeht.

(Ralph Klingel-Domdey)

Wie sich ein unzufriedener Leser auch noch bedankte

Es war kein erfreulicher Grund, der unseren treuen Abonnenten Herrn J. bis vor meinen Schreibtisch in der Redaktion führte. Denn er hatte sich über das Hamburger Abendblatt geärgert. Nicht über den Inhalt, sondern darüber, dass seine Zeitung immer häufiger nicht wie gewohnt pünktlich in seinem Briefkasten steckte. Denn eigentlich soll es so sein, dass die Zusteller unterwegs sind und liefern, wenn die meisten Leser noch tief und fest schlafen. Eigentlich. Das hat leider nicht immer geklappt, auch bei Herrn J. nicht.

Und auch seine Bemühungen beim Abo-Service waren nicht sofort von Erfolg gekrönt. Er sollte Gutscheine bekommen, bis die Zustellung wieder funktioniert. Doch das funktionierte auch nicht, so dass er reichlich verzweifelt den Weg in die Redaktion suchte. Was mich in diesem Moment berührte, war die Tatsache, dass er trotz seines Ärgers sehr freundlich und differenziert war. Er hatte großes Verständnis dafür, dass wir als Redaktion ihm nicht direkt helfen konnten. Aber wir taten, was wir tun konnten. Und es klappte dann irgendwann auch wieder mit der pünktlichen Zustellung. Herr J. machte sich dennoch erneut auf in die Redaktion und stand wieder vor meinem Schreibtisch. Mit einer großen Schachtel Pralinen. (Gabriela Gränert)

Wie ein Leser-Ehepaar die Berufswahl erleichterte

Wir leben in seltsamen Zeiten. Menschen nörgeln an allem herum, sind ständig dagegen. Andere werden – gern in häufig gar nicht sozialen Netzwerken – gnadenlos verspottet. Die Hemmschwelle sinkt. Doch es gibt auch immer noch freundliche E-Mails, Anrufe und Besuche. So wie vor drei Jahrzehnten, als ein älteres Ehepaar plötzlich mit Kuchen und einem Pfund Kaffee in der Redaktion stand.

Die Ahrensburger waren Sportabzeichen-Rekordler und hatten sich sehr über den Bericht gefreut. Es war einer meiner ersten Termine als Hospitant. Wenn man bei der Arbeit so nette Leute kennenlernt, kann das keine schlechte Berufswahl sein, dachte ich mir. Die Botschaft des Rentnerpaars erinnerte an eine Aktion aus Abendblatt-Gründerzeiten und ist aktueller denn je: Seid nett(er) zueinander. (Harald Klix)

Wie wir immer wieder auf unsere Leser treffen

Der Leser, das unbekannte Wesen – dachte ich früher in der Großstadt Hamburg. Dort war der direkte Austausch zwischen den Machern der Zeitung und ihren Nutzern eher die Ausnahme. Hier in der Regionalredaktion dagegen sind die Leser allgegenwärtig. Das beginnt mit denen, die telefonisch eine Anzeige aufgeben wollen – dafür sind wir nicht zuständig, leiten das aber gern weiter.

Überraschungsgäste sind die Abonnenten, die uns in der Redaktion besuchen, wenn ihr tägliches Abendblatt nicht geliefert wurde – wir helfen mit der aktuellen Ausgabe aus und stehen gern noch für ein Schwätzchen zur Verfügung. Ansonsten gilt: Sobald wir vor die Tür treten, sind wir unter unseren Lesern, die uns auf dem Rondeel in Ahrensburg grüßen, in der Auferstehungskirche in Großhansdorf wiedererkennen oder beim Bauausschuss im Ammersbeker Pferdestall ansprechen. Diese Beispiele zeigen: Wir sind in Stormarn dicht dran an den Lesern. Und wir arbeiten mit Freude daran, dass für sie nicht gilt: der Redakteur, das unbekannte Wesen. (Lutz Wendler)