Stormarn
Schizophrenie

Oldesloer muss in die geschlossene Psychiatrie

Das Jugendschöffengericht Ahrensburg ordnete  eine geschlossene Unterbringung in der forensischen Psychiatrie an

Das Jugendschöffengericht Ahrensburg ordnete eine geschlossene Unterbringung in der forensischen Psychiatrie an

Foto: Christian Thiesen

Da ihm eine paranoide Schizophrenie attestiert wurde, gilt der 21 Jahre alte Oldesloer als weitgehend schuldunfähig, aber gefährlich.

Ahrensburg.  Auf der Straße rempelte Martin P. (Name geändert) eine alte Dame an, die mit ihrem Rollator unterwegs war, schlug ihr mit der Hand auf den Rücken. Im Zug bedrohte er Kontrolleure und Fahrgäste mit vorgehaltenem Messer und beleidigte sie. Auch wollte er Menschen bestehlen. 26 Straftaten in den Jahren 2015 und 2016 wurden dem erst 21 Jahre alten Oldesloer zur Last gelegt. Da ihm eine paranoide Schizophrenie attestiert wurde, gilt er als weitgehend schuldunfähig, aber gefährlich. Das Jugendschöffengericht Ahrensburg ordnete am Donnerstag eine Unterbringung in der geschlossenen forensischen Psychiatrie an.

Während des fast Plädoyers legte die Staatsanwältin dar, in welchen Anklagepunkten sie Martin P. für schuldunfähig oder zumindest vermindert schuldfähig hält. Der erkrankungsbedingte Realitätsverlust des Angeklagten werde auch dadurch deutlich, dass er auch am letzten Prozesstag darauf bestand, nicht paranoid zu sein. Stimmen in seinem Kopf hätten ihn zu den Taten gedrängt, die für ihn nur der Verteidigung vor Angegriffen und Mobbing gedient hätten.

Schutz der Allgemeinheit soll sichergestellt werden

Ansonsten verfolgte der Angeklagte, der in Hand- und Fußfesseln in den Saal geführt wurde, die Verhandlung fast regungslos und in gebeugter Haltung. Wegen der Vielzahl der Gesetzesverstöße und ihrer zunehmenden Schwere prognostizierte die Gutachterin bei einer weniger strengen Unterbringung weitere Straftaten bis hin zu Tötungsdelikten auf Freigängen. Deswegen hielt die Staatsanwältin einzig die geschlossene Unterbringung in der Forensik für ausreichend, um sowohl die Behandlung des Angeklagten als auch den Schutz der Allgemeinheit zu gewährleisten.

Der Verteidiger verwies auf den nach seiner Meinung medikamentenbedingten apathischen Zustand seines Mandanten, der sich seit der Unterbringung in Neustadt verschlimmert habe. Er plädierte für eine weniger strikte Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung, in der die Behandlung des Oldesloers möglich sei. Das Gericht sah jedoch nur die Unterbringung in der Forensik als sicher genug an, folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Martin P. muss so lange dort bleiben, bis durch Einsicht Behandlungserfolge eintreten. Erst dann ist eine Verlegung möglich. Der Angeklagte kann gegen das Urteil in Berufung oder Revision gehen.