Stormarn
Lob für die Stadt

Ahrensburger feiern: Pionierweg wird Spielstraße

Bürger und Stadt arbeiten Hand in Hand: Pionierweg-Anlieger Uwe Landwehr (links auf der Leiter) und Frank Loose hängen mit  Bauhof-Mitarbeitern José Caberta (l.) und Timo Ahrens das Schild auf

Bürger und Stadt arbeiten Hand in Hand: Pionierweg-Anlieger Uwe Landwehr (links auf der Leiter) und Frank Loose hängen mit Bauhof-Mitarbeitern José Caberta (l.) und Timo Ahrens das Schild auf

Foto: Lutz Wendler / HA

Nach öffentlichen Protesten lobt die Bürgerinitiative die Stadt nun für die Ausführung. Die Kostenverteilung wird noch geprüft.

Ahrensburg.  Es war quasi ein symbolischer Akt, dass Anlieger des Pionierwegs und Mitarbeiter des städtischen Bauhofs am Donnerstagmorgen gemeinsam Hand anlegten bei der Montage eines Verkehrsschildes. Das großformatige blauweiße Piktogramm, das auf Höhe Jonny-Lösch-Weg angebracht wurde, signalisiert, dass der nördliche Teil des Pionierwegs eine sogenannte Spielstraße ist, in der nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf.

„Das hier ist das schönste Weihnachtsgeschenk für uns“

Für die Anwohner, von denen etwa 15 trotz Nieselregens dem „Happening“ (ein Anwohner) zuschauten, sind die Erneuerung des nördlichen Pionierwegs und die Umwidmung in eine Spielstraße Grund zum Feiern. „Wir haben alles erreicht, was wir wollten“, sagte Uwe Landwehr, der es sich nicht nehmen ließ, gemeinsam mit seinem Nachbarn Frank Loose das neue Schild anzuschrauben. Loose fügte hinzu: „Das hier ist das schönste Weihnachtsgeschenk für uns.“

Hinzuzufügen wäre: Die Anlieger werden für ihr „Weihnachtsgeschenk“ ordentlich zur Kasse gebeten. Dass sie dennoch glücklich sind, klingt paradox, ist aber nach den Querelen der vergangenen zwei Jahre verständlich. Denn die Kostenbeteiligung der Anlieger fällt wohl deutlich geringer aus als es zeitweilig schien. Landwehr und Loose sind Sprecher der Bürgerinitiative die dagegen öffentlich protestierte. Dabei war auch unter den Anwohnern unstrittig, dass der Pionierweg, der 1933 als Teil der Siedlung Am Hagen gegründet wurde, dringend erneuert werden musste.

Anwohner wehrten sich gegen Kostenvoranschlag

Zum Streit aber kam es, als Probebohrungen zu Tage brachten, dass im Unterbau der Straße Schlacke verwendet worden war, die Schwermetalle enthält. An den Kosten für sorgfältiges Abtragen und fachgerechte Entsorgung, so hieß es von Seiten der Stadt, seien auch die Anwohner zu beteiligen. Die wehrten sich, verwiesen auf das Verursacherprinzip und fanden, dass die Stadt im Kostenvoranschlag (870.000 Euro) einen zu hohen Betrag für die Schlacke-Entsorgung (90.000 Euro) angesetzt habe.

Konfliktträchtig war auch die Frage, wie viele Anlieger des Pionierwegs an den Kosten zu beteiligen seien. Saniert werden musste nur der 470 Meter lange nördliche Teil der Straße, die Fahrbahn des später gebauten südlichen Teils – vom Jonny-Lösch-Weg an – ist noch intakt. Gemäß Ausbaubeitragsrecht könnten auch die Anlieger des nicht erneuerten Straßenzuges zur Zahlung verpflichtet werden. Diese Ungewissheit sorgte für zusätzliche Unruhe.

Spielstraße reduziert Anliegerbeiträge von 75 auf 65 Prozent

Alle Sorgen haben sich offenbar verflüchtigt. Frank Loose lobt, wie reibungslos die Bauarbeiten in der Zeit vom 29. März bis zum 11. November verlaufen seien, obwohl man fünf Wochen lang keine Zufahrt zum eigenen Grundstück gehabt habe. „Es gab klare Absprachen, und alle Mitarbeiter der Baufirma waren hilfsbereit.“ Und Uwe Landwehr sagt über die Leiter des Tiefbauamts: „Herr Schott und Herr Schnabel haben sich intensiv mit dem Bau befasst.“

Besonders freuen sich die Anlieger darüber, dass ihr Straßenabschnitt, in dem die Kita Pionierweg zu Hause ist, zur Spielstraße umgewidmet wurde. Das sorgt nicht nur für eine verkehrsberuhigte Zone, sondern reduziert auch die Anliegerbeiträge von 75 auf 65 Prozent. Deutlich kostensparend wirkt sich auch aus, dass statt geschätzter 1300 Tonnen kontaminierter Schlacke nur 186 Tonnen anfielen, also statt 90.000 Euro nur etwa 13.000 Euro Entsorgungskosten.

Statt geschätzter 1300 Tonnen Schlacke fielen nur 186 an

Landwehr schätzt, dass sein persönlicher Anliegerbeitrag – bei einer Grundstücksfläche von 1060 Quadratmeter etwa 7000 Euro – beträgt. Glücklich ist er auch darüber, dass die Nachbarn vom südlichen Teil des Pionierwegs von Beiträgen verschont würden. „Wir zahlen, die nicht.“

Das allerdings sei noch nicht sicher, sagt Maren Uschkurat vom Bauamt. Die Stadt prüft noch, ob alle Pionierweg-Anlieger oder nur die des erneuerten Straßenabschnitts sich die Kosten teilen müssen. „Wir brauchen in dieser Frage Rechtssicherheit“, sagt sie. Deshalb wird eventuell sogar die Expertise eines externen Juristen eingeholt.

Eine verbindliche Antwort auf die Frage, wer wie viel zahlt, wird es wohl erst in anderthalb Jahren geben. Maren Uschkurat: „Beitragsbescheide sind nicht vor 2018 zu erwarten.“