Stormarn
Interview

Kruse-Gobrecht: „Mir geht es um Lösungen für Bargteheide“

Seit 100 Tagen im Amt. Bargteheides Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht an ihrem Schreibtisch im Rathaus

Seit 100 Tagen im Amt. Bargteheides Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht an ihrem Schreibtisch im Rathaus

Foto: Christina Schlie / HA

Birte Kruse-Gobrecht, seit 100 Tagen als Bürgermeisterin im Amt, zieht im Abendblatt-Interview ein vorläufiges Fazit ihrer Tätigkeit.

Bargteheide.  Sie ist die erste Bürgermeisterin der Stadt Bargteheide. Birte Kruse-Gobrecht, die von den Grünen unterstützt wurde und sich gegen den CDU-Kandidaten Sven Noetzel durchsetzte, zieht nach den ersten 100 Tagen im Amt Bilanz . Ihr Fazit: „Nicht alles läuft gleich perfekt, aber hier ist gemeinsam eine Menge möglich“.

Die ersten 100 Tage im Amt liegen hinter Ihnen. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Birte Kruse-Gobrecht: Der Einstieg in ein solches Amt im vierten Quartal ist eine besondere Herausforderung. Zusätzlich zum Tagesgeschäft kommen der Jahresabschluss, die Stellenplanung und der Haushalt. Eine unglaubliche Themenvielfalt. Ohne die Unterstützung der Mitarbeiter in der Verwaltung wäre es mir nicht möglich gewesen, so gut in die Abläufe und laufenden Projekte einzusteigen. Jetzt bereits von Routine zu sprechen, wäre vermessen. Es gilt auch, die Historie der einzelnen Projekte kennenzulernen und zu verstehen. Das bedarf seiner Zeit.

Wovon waren die ersten Tage geprägt?

Unter anderem vom persönlichen Kontakt zu den Bürgern. Dialog auf Augenhöhe bleibt mein Anliegen, nur so kann man Wünsche, Sorgen und Vorschläge aufnehmen. Ich habe viele Vereine und Verbände besucht. Die Gespräche zu den 90. Geburtstagen haben eine ganz besondere Bedeutung für mich. Das ist lebendig Zeitgeschichte, die es festzuhalten gilt.

Fiel Ihnen der Einstieg in das Amt schwer?

Nein, ich habe viel Unterstützung erfahren, unter anderem von Herbert Sczech, dem Büroleitenden Beamten. Stormarn ist mir vertraut und durch meine Tätigkeit in der Kreisverwaltung sind mir viele Abläufe vertraut.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Politik?

Für 2017 konnten wir einen schuldenfreien Haushalt verabschieden. In gemeinsamer Anstrengung – Kommunalpolitik und Stadtverwaltung – ist es gelungen, eine Kreditaufnahme zu verhindern. Dazu mussten Investitionen gestrichen und die Rücklage genutzt werden. Langfristig bleibt die strukturelle Herausforderung, dass die Stadt nicht mehr ausgibt als sie einnimmt, um die Rücklage nicht komplett zu verbrauchen.

Gibt es Bereiche, wo es hakt?

Bedauerlich ist, dass der Stellenplan nicht so verabschiedet wurde, wie die Verwaltung es vorgeschlagen hatte. Das Tagesgeschäft ist immens. Mit dem zur Verfügung stehenden Personal lassen sich nicht alle bereits geplanten Projekte so umsetzen, wie wir es uns wünschen. Auch die Bürgernahe Verwaltung der Zukunft steht weiterhin im Raum. Der Zeitgeist geht dahin, dass die Menschen ihre Anliegen auch mitgestalten wollen.

Gibt es eine Prioritätenliste für Projekte?

Wir sind gerade dabei, diese zu erstellen. Gemeinsam mit der Politik müssen wir den Umfang besprechen. Die konstruktive Zusammenarbeit ist mir ein Kernanliegen. Sicherlich bleiben der Bau der Feuerwache und der dritte Teil der Westumgehung wichtige Themen.

Sie sind die erste Bürgermeisterin in Bargteheide, noch dazu parteilos. Ist das eine besondere Herausforderung?

Dass ich parteilos bin, empfinde ich als Vorteil. Ich möchte Ansprechpartner für alle Bargteheider Bürger sein. Ebenso für alle Fraktionen. Wir sollten gemeinsam in eine konstruktive Zusammenarbeit einsteigen. Ich verstehe es, dass der ein oder andere eingesessene politische Mandatsträger gegenüber „der Neuen“, gewissen Zurückhaltung an den Tag legt, aber mir geht es um Lösungen für Bargteheide.

Was wurde aus Ihren Wahl-Themen?

Beim Thema „Aushängeschild Bahnhof“ laufen intensive Gespräche mit dem Eigentümer. Aktuell besteht noch das Gerichtsverfahren. Zum „Runden Tisch Kinderbetreuung“ gibt es erste Gespräche mit den relevanten Akteuren. Die Geschwisterermäßigung greift ab dem Sommer 2017. „Tempo 30“ vor dem Seniorendorf bleibt aufgrund eines neuen Kabinettsbeschlusses des Bundes weiter im Fokus.

Was ist wichtig für Bargteheides Zukunft?

An Themen wie demografischer Wandel, Digitalisierung und Globalisierung der Kommunikationsmittel kommen wir nicht vorbei. Dabei müssen wir bedenken, ob wir mit den Methoden von heute auch morgen noch gut aufgestellt sind. Das gilt auch für die gemeinsame Betrachtung der Stadtentwicklung, ebenso wie eine Verbesserung der autounabhängigen Mobilität.

Wie sehen Sie Ihre Rolle für Bargteheide?

Das Bindeglied zwischen Politik und Verwaltung zu sein, so dass wir zusammen für Bargteheide gut wirken können. Aber auch die Ressourcen der Verwaltung so einzusetzen, dass es im Sinne der Bürger ist. Fäden zusammenzuhalten. Und ganz wichtig, auch bei nicht ganz einfachen Themen die Stimme für die Stadt zu erheben. Beispiel Kinderbetreuung, wo Bund und Land in der Finanzierungsverantwortung sind, doch Vieles läuft zu Lasten der Kommunen. Gemeinsam ist hier eine ganze Menge möglich – eben typisch Bargteheide.

Hatten Sie Sorge vor dem Vergleich mit Ihrem Vorgänger Henning Görtz?

Nein, ich bin sehr unbefangen und unvoreingenommen in das Amt gestartet. Dabei hat mir das Feedback aus der Bevölkerung sehr geholfen. Herr Görtz hat sehr lange und gut für Bargteheide gewirkt, das weckt natürlich Erwartungen. Aber ich bringe meine Art und meine Themen mit, suche den Dialog und den Blick nach vorn.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsche mir eine Haltung der Offenheit. Wertschätzung und Respekt auf Augenhöhe im Umgang, egal auf welcher Ebene, mit den Mitarbeitern der Verwaltung, der Politik und den Bürgern. Darum geht es im Kern. Zufriedenheit, ob zu Hause oder im Job.